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Wie Pirnas Südumfahrung Gestalt annimmt

© Visualisierung: Sächsisches Wirtschaftsministerium

Eine gewaltige Trasse wird bald Seidewitz- und Gottleubatal überspannen. Los geht es 2017 – zunächst in der Natur.

Von Thomas Möckel

Pirna. Das Baurecht liegt vor, die Gelder sind freigegeben – der geplante Bau der Pirnaer Südumfahrung ist nun weitgehend hindernisfrei. Bevor jedoch Autos über die neue Trasse rollen, wird es noch Jahre dauern. Planungen müssen zunächst fortgeführt und beendet werden, eine Menge Vorarbeiten sind zu erledigen, bevor sich das neue Asphaltband durch die Landschaft zieht. Die SZ gibt einen Überblick über die anstehenden Arbeiten, was es beim Naturschutz alles zu beachten gibt, wie die immens hohen Baukosten zustande kommen.

Das Mammutprojekt

Wie wurde die Nachricht über die Baufreigabe der Straße aufgenommen?

Überwiegend positiv. Die Bürgerinitiative „Pro Sächsische Schweiz – Südumfahrung Pirna jetzt“ beispielsweise zeigt sich sehr zufrieden, dass nun endlich mit dem Bau der Straße begonnen werden könne. Für Landrat Michael Geisler (CDU) bedeutet die Trasse quasi das letzte Teil in einem großen Puzzle. „Nach dem Anschluss an das Autobahnnetz und dem Bau der neuen Elbbrücke wird jetzt mit dem Bau der Südumfahrung das Straßennetz komplettiert“, sagt er. Er freue sich für Einwohner, Touristen, Pendler oder Unternehmer – die neue Verbindung bringe eine spürbare Entlastung und Verbesserung auf den Straßen. Das sächsische Wirtschaftsministerium zeigt sich ebenfalls froh und erleichtert darüber, dass eine jahrelange Arbeit nun Früchte trägt und die Baufreigabe endlich vorliegt. Aus Sicht des Bundestagsabgeordneten André Hahn (Die Linke) sei die Baufreigabe eine gute Nachricht, die Entscheidung sei aus seiner Sicht längst überfällig gewesen. Hahn hofft nun, dass das Projekt auch tatsächlich ab 2017 umgesetzt wird – und nicht nach den Bundestagswahlen im kommenden Jahr wieder einkassiert wird.

Wann beginnen die Arbeiten an der Südumfahrung?

So schnell als möglich. Nach Auskunft des sächsischen Wirtschaftsministeriums ist beabsichtigt, mit den vorbereitenden Arbeiten 2017 zu beginnen. Von der Straße wird da aber noch lange nichts zu sehen sein, die Bauvorbereitung erstreckt sich auf Planung, Ausschreibung sowie die Flächen neben der künftigen Trasse. Für die Hauptleistung – den Straßenbau – kann das Ministerium noch keinen konkreten Termin für den Baubeginn nennen.

Welche Arbeiten stehen als Nächstes auf dem Programm?

Sowohl für den Straßenbau als auch für Naturschutzprojekte müssen jetzt noch Grundstücke erworben werden. Das Ministerium hat inzwischen begonnen, die Erlaubnisse für den vorgezogenen Landschaftsbau einzuholen. Parallel bereitet die Behörde die Ausschreibungen für die ersten Vorhaben, insbesondere des Naturschutzes, vor. Zugleich beginnen Fachleute, die sogenannte Ausführungsplanung zu entwerfen.

Was muss vor dem eigentlichen Straßenbau erledigt werden?

Das betrifft vor allem Arbeiten im Umweltbereich. Beispielsweise muss ein Fledermaus-Leitsystem in Form von Baumreihen und Gehölzpflanzungen angelegt werden. Südlich des Kohlbergs entsteht eine Offen- und Halboffenlandschaft, die als Ausweich-Schutzgebiet für Brutvögel dient. Dieses Gelände ist reichlich 16 Hektar groß. Innerhalb dieser Fläche wird ein Teich angelegt. Laut Ministerium müssen diese Projekte laut europäischem Naturschutzrecht realisiert werden, bevor der Straßenbau beginnen kann. Diese vorbereitenden Arbeiten sollen so schnell als möglich ausgeschrieben werden, geplanter Baustart ist 2017.

Wie geht es dann mit dem Straßenbau weiter?

Laut des Ministeriums wurde auch für den Straßenbau mit der Bauvorbereitung begonnen, die Ausführungsplanung läuft. Bestandteil des Projekts sind unter anderem die neue Trasse selbst, die Brücken über Seidewitz- und Gottleubatal sowie der Tunnel durch den Kohlberg. Diese Bauleistungen müssen zwingend europaweit ausgeschrieben werden. Daher gibt es noch keinen Termin für den Baustart. Auch zum Fertigstellungstermin könne laut des Ministeriums noch keine seriöse Aussage getroffen werden, weil noch keiner weiß, wie lange der Straßenbau tatsächlich dauern wird. Die Behörde will lieber Schritt für Schritt erläutern, was wann gemacht wird.

Wie wird die Südumfahrung einmal aussehen?

Die Straße wird vom Autobahnzubringer bis zur Zehistaer Straße vier Fahrspuren haben, von der Zehistaer Straße bis zur B172 hinterm Sonnenstein zwei Spuren. Im Steigungsbereich am Berg wird eine zusätzliche Spur in Richtung Bad Schandau angelegt. Die Trasse wird an den Autobahnzubringer kreuzungsfrei angebunden – ähnlich wie die Verkehrsführung am Autobahndreieck Dresden-West (A17/A4). Hinter dem Sonnenstein bindet die Südumfahrung mittels einer Ampelkreuzung auf die B172 ein. Zudem gibt es den 300 Meter langen Kohlbergtunnel, die Gottleubabrücke (916 Meter lang, 52 bis 69 Meter hoch) sowie die Seidewitztalbrücke (68 Meter lang, acht Meter hoch).

Welche Arbeiten sind für den Naturschutz notwendig?

Umweltschützer haben ein wichtiges Ziel erreicht: Der Kohlbergtunnel wird in geschlossener Bauweise errichtet, also die Fachleute graben sich durch den Berg. Diese Bauart verringert den Eingriff in schützenswerte Bereiche. Zudem werden Gehölze gepflanzt, Ausweichquartiere für Fledermäuse geschaffen, es entstehen ein Teich und Streuobstwiesen, Böschungen werden bepflanzt, Amphibien und Zauneidechsen werden vom Baufeld eingesammelt, es gibt Querungshilfen für Fledermäuse.

Wie erklären sich die immens hohen Kosten für das Projekt?

Das Projekt Südumfahrung kostet nach dem derzeitigen Stand etwa 97 Millionen Euro. Das sind bei der 3,8 Kilometer langen Strecke über 25 Millionen Euro je Kilometer. Als Kostentreiber erweisen sich laut des Ministeriums vor allem die Ingenieurbauwerke – die beiden Brücken und der Tunnel. Weitere Brücken, Fledermausdurchlässe, Lärmschutzwände, der Trassenbau für die Straße und die landschaftspflegerischen Vorhaben wirken sich zudem kostenerhöhend aus. Überdies ist noch unklar, ob es tatsächlich bei der Bausumme von 97 Millionen Euro bleibt.

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