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Wie Radeberg zur essbaren Stadt wird

© Thorsten Eckert

Der Lotzdorfer Landschaftsarchitekt Henning Kuschnig meldet sich mit einer ungewöhnlichen Idee zu Wort.

Von Jens Fritzsche

Radeberg als Stadt der Lebensmittel, das ist nicht neu. Aber Radeberg als eine „essbare Stadt“? Das jedenfalls ist eine Idee, mit der die Bierstadt wohl deutschlandweit für einen medialen Paukenschlag sorgen und wohl auch jede Menge Touristen anlocken könnte.

Die Idee dazu hat der im Radeberger Ortsteil Lotzdorf ansässige Landschaftsarchitekt Henning Kuschnig. Der findet, dass Radeberg mit seiner Käseherstellung, Brauerei, Likörfabrik und der Großfleischerei Korch über echtes Lebensmittel-Potenzial verfügt – „gleichzeitig werden beim Stadtgrün neue Anläufe unternommen“, weiß der Lotzdorfer und spielt auf das Ansinnen Radebergs an, das Röderufer in der Stadt zum erlebbaren Grünzug werden zu lassen. Und Ansätze wie diese könne man mit einer spannenden Idee verbinden. Denn derzeit seien die öffentlichen Grün- und Freiflächen eher „von großer Uninspiriertheit geprägt oder wirken wie aus der Zeit gefallen“, findet Henning Kuschnig.

Ernten erlaubt statt Betreten verboten

Meist handle es sich um Anlagen aus DDR-Zeiten, die „lieblos heruntergepflegt werden“. Als Beispiel führt er den Dorfanger von Lotzdorf an – oder auch Grünflächen an der Pulsnitzer Straße im Stadtzentrum. Und auch die Grünanlagen aus Nachwende-Tagen seien meist eher verwildertes Lärmschutz- oder Abstandsgrün, ärgert sich der Landschaftsarchitekt.

Was in Radeberg derzeit fehle, sei eine „Vision mit gestaltgebender Kraft, die den Grün- und Freiräumen und damit dem gesamten Stadtbild ein zur Identität der Stadt passendes Gesicht und Ambiente verleiht“. Und nun kommt für Henning Kuschnig das Thema Lebensmittel ins Spiel. „Das Image Radebergs als Standort für gute Lebensmittel könnte durch die Umsetzung des Prinzips der essbaren Stadt herausgestellt und gesteigert werden“, ist der Lotzdorfer jedenfalls überzeugt. Essbare Stadt? Beim Thema neues Stadtgrün sollte Radeberg, so Henning Kuschnigs Vorschlag, auf essbare Nutzpflanzen setzen. Obstbäume, Gemüse, Kräuter – der Fantasie seien dabei keine Grenzen gesetzt, ist er überzeugt. Und: „Statt Betreten verboten ist dabei kostenloses Ernten erlaubt!“ Für den Tourismus, ist er überzeugt, könne die Umsetzung eines solchen Konzeptes in jedem Fall ein „gefundenes Fressen“ sein. Radeberg wäre damit im Freistaat etwas Besonderes – die einzige essbare Stadt in Sachsen.

Im Ausland werde die Idee bereits hier und da umgesetzt. „Aus England kommend sind einige Städte in Frankreich aufgesprungen und haben eine internationale Vereinigung gegründet“, beschreibt Hennig Kuschnig. Und verweist darauf, dass mit Andernach am Rhein auch eine deutsche Stadt bereits im Ideen-Boot sitzt.

Firmen könnten Grünes sponsern

Natürlich wäre die Umsetzung des Konzeptes ein wenig teurer als „normales“ Grün. Aber auch dafür hat Henning Kuschnig eine Idee: „Die Anlagen könnten von ansässigen Firmen gesponsert und im Gegenzug für dezente Werbung und Events genutzt werden“, schlägt der Lotzdorfer vor. Und nicht zuletzt ist er auch überzeugt, dass für ein solch ungewöhnliches Konzept durchaus Fördermittel fließen könnten.

Außerdem würde er auch gern die Anwohner mit in das Projekt einbeziehen, fügt er an. „Ehrenamtliches Engagement könnte Spaß und Identifikation mit den Anlagen bringen“, findet Hennig Kuschnig. Und Gartenkompetenz, unterstreicht er mit Blick auf die fast 50 in der Stadt ansässigen Gartensparten, haben in Radeberg viele. „Auch ein Wettbewerb könnte jedes Jahr ausgeschrieben werden, um weitere Flächen nach dem Leitbild der essbaren Stadt zu gestalten.“

Von einem ist Henning Kuschnig fest überzeugt: Wenn in Sachsen ein Ort zur essbaren Stadt werden kann, dann Radeberg. Und er hofft, dass sein Vorschlag nun der Start für eine Diskussion ist.