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Genial Sächsisch

Wie riecht Graspapier, Herr Hedrich?

Matabooks aus Dresden stellt Papier aus Gras her. Das spart Wasser und macht Bienen glücklich.

Kay Hedrich besitzt keinen Fernseher. Er liest lieber Bücher, und seit gut einem Jahr verlegt er sie auch selbst – aus besonderem Papier. © Ronald Bonß

Herr Hedrich, was lesen Sie gerade?

Zurzeit liegt das Buch „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm auf meinem Nachttisch.

Stimmt es, dass Sie viele Bücher mehr als einmal lesen?

Die Guten schon. Und man entdeckt immer neue Details, denn die eigenen Lebensumstände ändern sich und damit auch der Blickwinkel auf die Werke.

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Die SZ stellt Erfindungen von hier vor, die unser Leben verbessern. Teil 6: Matabooks – Papier aus Gras, hergestellt in Dresden.

Und die schlechten Bücher landen bei Ihnen auf dem Kompost?

Eher in der Papiertonne. Die Bücher, die wir als Matabooks herausgeben, die können allerdings problemlos kompostiert werden und sie duften nach Heuboden.

Wie funktioniert das kompostierbare Buch?

Wir arbeiten mit Graspapier, das zu mindestens 50 Prozent aus Gras und nicht nur aus Holz besteht. Die Seiten werden mit einem wasserbasierten Kleber gebunden, es gibt keine Ledereinbände und ausschließlich biologisch abbaubare Druckfarben. Ein ganz natürliches Produkt also.

Und Ihre Bücher können blühen?

In der Tat. Wir können in das Graspapier Wildblumensamen einarbeiten. Die keimen dann, genügend Feuchtigkeit vorausgesetzt, wenn das Buch auf dem Kompost liegt. Die Idee wird aber bisher vor allem für Glückwunschkarten oder Briefpapier genutzt.

Bücher aus Graspapier klingt spannend, wo ließe sich das Papier noch einsetzen?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Eine ist der Gemüsebeutel, der die Plastiktüte an der Obsttheke ersetzen soll.

Wann wird er in Supermärkten zu finden sein?

Eigentlich wollten wir den Gemüsebeutel schon dieses Jahr auf den Markt bringen. Allerdings zersetzt sich unsere aktuelle Version auf dem Kompost zu langsam. Wir arbeiten gerade an einer neuen Rezeptur, die die gesetzlichen Vorschriften einhält.

Vor einem Jahr waren Sie noch Einzelkämpfer in Ihrem Unternehmen. Mittlerweile haben Sie mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Wie fühlt sich das an?

Ehrlich, mit so einer Entwicklung hätte ich vor einem Jahr nicht gerechnet. Sie ist erfreulich, und ich denke, wir werden weitere Mitarbeiter in den kommenden Monaten einstellen. Aber mit jedem neuen Beschäftigten wächst auch meine Verantwortung. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

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