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Wie schnell wird das Internet wirklich?

Der Breitbandausbau in Niesky beginnt noch dieses Jahr. Aber das gilt nicht für alle Bereiche.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Niesky. Niesky ist zweigeteilt. Nicht politisch, sondern wenn es um den Breitbandanschluss beziehungsweise den Ausbau und damit um Fernsehen, Telefonieren und das Surfen im Internet geht und idealerweise alles zur selben Zeit. Wo was geht, welche Verbesserungen noch 2018 zu erwarten sind und wo sich Anschlussnehmer gedulden müssen, fasst SZ zusammen.

Wie der Internetausbau läuft

Wie schnell ist das Internet augenblicklich?

Die Anschlussnehmer in Niesky verfügen mindestens über eine Grundausstattung von sechs Megabit pro Sekunde (6 Mbit/s), informieren Enrico Bachmann und Sven Kubitz von der Stadtverwaltung. Das gilt für die meisten Haushalte. Daneben gibt es eine Vielfalt von Sonderlösungen, beispielsweise über Funkinternet. Um die Digitalisierung voranzutreiben fordert die Bundesregierung 50 Mbit/s. Deshalb muss das bestehende Netz ausgebaut werden. Das geht, nicht nur nach Meinung vieler Experten viel zu schleppend.

Bis wann ist mit dem Ausbau zu rechnen?

Das ist davon abhängig, wer den Ausbau realisiert. Dort, wo er sich finanziell rechnet, übernimmt die Telekom die Arbeiten. In den Bereichen, in denen der Ausbau teurer ist, als das, was durch die Betreibung hereinkommt (Wirtschaftlichkeitslücke), wird der Landkreis Görlitz tätig. Niesky ist damit zweigeteilt. Das gilt allerdings für die meisten Kommunen. Die Telekom wird mit dem Ausbau rund 5200 Haushalte im Kerngebiet von Niesky abdecken. Das Unternehmen beginnt noch im Frühjahr und will spätestens zum Jahresende fertig sein.

Was passiert bei den Arbeiten?

Laut Enrico Bachmann müssen in vielen Straßen Glasfaserleitungen eingezogen werden. Das geschieht meist über bereits verlegte Leerrohre. Das bedeutet wenig Tiefbau. Die vielleicht umfassendere Veränderung geht in den grauen Schaltschränken vor sich, die überall am Straßenrand stehen. Sie erhalten mehr Leistung. Weil die neue Technik mehr Strom braucht, bekommen die vorhandenen Kästen Gesellschaft. Aus einem werden zwei, plus eine schmale Säule, die die Versorgung sichert. Außerdem kommen 21 neue Verteiler hinzu, so Georg von Wagner von der Telekom.

Mit welcher Geschwindigkeit kann dann im Netz gesurft werden?

Das maximale Tempo beim Herunterladen steigt auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und beim Hochladen auf bis zu 40 Mbit/s. Auch dann laufen die Hausanschlüsse über (langsame) Kupferkabel. Um sie schnell zu machen, kommt Vectoring zum Einsatz. Diese Technik beseitigt elektromagnetische Störungen. Dadurch werden höhere Bandbreiten erreicht. Ab der zweiten Jahreshälfte 2018 wird Super-Vectoring eingesetzt. Dann sind Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s möglich. Für die Praxis gilt: Je weiter ein Nutzer vom Verteiler weg ist, desto langsamer wird der eigene Internetanschluss. Wie schnell er tatsächlich ist, kann man – ja, wie wohl? – übers Internet testen.

www.speedtest.t-online.de

Wird das Internet nach dem Ausbau automatisch schneller?


Nein. Interessenten müssen sich bei der Telekom melden, selbst dann, wenn sie jetzt schon theoretisch über größere Geschwindigkeiten verfügen oder verfügen sollten.

Infos über: Expert Niesky, Görlitzer Str. 5-7 oder unter 0800 330 3000 (kostenfrei), Telekom-Kunden: 0800 330 1000 (kostenfrei)

Wann baut der Landkreis Görlitz aus?

Noch Ende 2017 ging Heike Zettwitz, Dezernentin für Wirtschaft im Landratsamt, davon aus, dass die ersten Arbeiten Ende dieses Jahres starten können. Beobachter glauben, dass dann vielleicht mit den ersten Ausschreibungen zu rechnen ist. Deshalb wird sich 2020 als Ende der Ausbaumaßnahmen wohl nicht halten lassen. Am 28. März gibt es eine Informationsrunde für Kommunen. In Niesky sind vom Ausbau durch den Landkreis rund 3100 Anschlussnehmer betroffen. Das Landratsamt übernimmt die Aufgabe für insgesamt 31 Gemeinden. Dafür stehen 93 Millionen Euro zur Verfügung.

Was ist mit dem Netz nach der Fertigstellung?

Die Ortsnetze müssen für sieben Jahre im Eigentum der jeweiligen Gemeinden bleiben. Was danach passiert, ist offen. Auf alle Fälle muss dann mindestens die Betreibung ausgeschrieben werden. In Niesky wird die Stadt das Netz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht selbst betreiben, so Enrico Bachman.

Wer braucht so schnelles Internet überhaupt?

Jeder. „Das Internet ist für Familien und Unternehmen heute unverzichtbar“, sagt Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Gerade Firmen kommen häufig mit den aktuellen Geschwindigkeiten kaum mehr zurecht und warten geradezu sehnsüchtig auf den Ausbau.

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