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Wie sich Sachsen für den Ernstfall rüstet

Die Schweinegrippe hat Europa erreicht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es in Deutschland erste Nachweise gibt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöhte die Pandemie-Warnstufe von drei auf vier.

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Von Renate Berthold

Die Schweinegrippe hat Europa erreicht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es in Deutschland erste Nachweise gibt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöhte die Pandemie-Warnstufe von drei auf vier. Gestern tagte der Krisenstab des Sächsischen Sozialministeriums. Sozialministerin Christine Clauß (CDU) sieht derzeit für die Bevölkerung keine Gefährdung. Mit dem Influenza-Pandemieplan sei der Freistaat vorbereitet.

Virushemmende Arzneien

für jeden vierten Sachsen

Im Pandemiefall wird damit gerechnet, dass bis zu 30 Prozent der Bevölkerung erkranken. Für 25 Prozent hat Sachsen antivirale Medikamente eingelagert. Diese virushemmenden Mittel sind bei Ausbruch einer Grippepandemie zunächst die einzige Therapiemöglichkeit, bis ein Impfstoff entwickelt ist. Sie sollten sofort nach den ersten Krankheitssymptomen eingesetzt werden. Es gibt Hinweise, dass die rezeptpflichtigen Grippemedikamente Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) und Relenza (Wirkstoff Zanamivir) gegen die Schweinegrippe wirksam sind.

Der sächsische Medikamentenvorrat besteht aus Fertigarzneimitteln und aus Grundsubstanzen. Im Pandemiefall werden festgelegte Apotheken die Substanzen mischen und so Arzneimittel frisch herstellen. Diese werden dann über den Großhandel an alle Apotheken verteilt. „Wir können im Ernstfall schnell eine flächendeckende Versorgung mit den virushemmenden Medikamenten sichern“, sagt Monika Koch, die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes.

Unabhängig von den Arzneimitteln für den Pandemiefall sind in allen Apotheken antivirale Medikamente vorrätig.

Gegen neue Viren gibt

es noch keinen Impfschutz

Gegen neuartige Viren gibt es zunächst keinen Impfschutz. Impfstoffhersteller rechnen mit einer Entwicklungszeit von drei bis sechs Monaten. Im Pandemiefall soll es für möglichst alle Sachsen Impfstoff geben. Der Krisenstab hat ein Konzept erarbeitet, welche Berufsgruppen als Erste geimpft werden sollen. Dazu gehören unter anderem Ärzte und deren Praxispersonal, die die ambulante Versorgung sichern müssen. Jede Arztpraxis erhält als Erstes zehn Dosen Impfstoff zum eigenen Schutz. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat einen eigenen Pandemieplan, der den Praxisbetrieb unter Ausnahmebedingungen sichern soll.

Hände waschen,

abstand halten

Da es zunächst keinen Impfschutz gibt, sind die bei Viren allgemein üblichen Hygienempfehlungen besonders wichtig. Dazu gehört, die Hände regelmäßig zu waschen. Bei Pandemien sollte möglichst Abstand zu anderen gehalten werden. Wie andere Grippeerreger auch wird das Schweinegrippe-Virus vorwiegend über Tröpfchen beim Husten oder Niesen übertragen.

Noch keine formelle

Reisewarnung

Das Auswärtige Amt rät von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mexiko ab. Eine formelle Reisewarnung vor Aufenthalten in Mexiko gibt es aber bisher nicht.

Die Reiseveranstalter der TUI und von Thomas Cook bieten vorerst keine Reisen mehr nach Mexiko-Stadt an. Nach Auffassung der Verbraucherschützer können Urlauber, die eine Reise nach Mexiko gebucht haben und diese in den nächsten Tagen antreten würden, die Reise unter Berufung auf höhere Gewalt stornieren oder gebührenfrei umbuchen. (mit dpa)