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Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Wie sieht die Bautzener Wirtschaft das Jahr 2015? Welche Ziele haben sich die Firmen gesetzt? Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn? Die SZ hat bei sechs großen Bautzener Unternehmen nachgefragt.

© Uwe Soeder

Stefan Schramm

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So viel steht fest: Mit dem Mindestlohn erhöhen sich 2015 für die meisten Unternehmen die Kosten. Zwar muss kaum ein großer Industriebetrieb die Gehälter anpassen, weil die Löhne schon jetzt höher sind. Und doch für die Leistungen von Lieferanten und Subunternehmen müssen die Firmen künftig oft mehr bezahlen. Doch das ist nicht die einzige Veränderung, die in diesem Jahr ansteht: Sechs in Bautzen ansässige Arbeitgeber nennen in der Sächsischen Zeitung ihre Prognosen für 2015. Wo entstehen Jobs, wo drohen Entlassungen, wo lauern Risiken?

Sechs Unternehmen blicken voraus

AFT Förderanlagen Bautzen

Prognose: „Für AFT Bautzen sind Mindestlohn und Minijobber überhaupt kein Thema“, sagt Geschäftsführer Peter Süßmilch, denn die Löhne und Gehälter liegen über diesem Niveau. Die Entwicklung bei den Lieferanten müsse er aber noch abwarten. AFT blickt optimistisch in das Jahr 2015, die Auftragsbücher seien gut gefüllt.

Zukunft der Mitarbeiter: „Wir werden unsere derzeitige Beschäftigtenzahl von etwa 80 Mitarbeitern in etwa beibehalten“, kündigt Peter Süßmilch an. Durch die Rente mit 63 gelte es jedoch, in der Fertigung und anderen Bereichen kurz- und mittelfristig qualifizierten Ersatz zu schaffen für die Kollegen, die in Rente gehen.

Wünsche an die Politik: „Ich wünsche mir ein gutes Augenmaß bei der Finanzpolitik, auch bei der jetzigen guten Konjunkturlage“, sagt Peter Süßmilch. Auch möchte er, dass seine Beschäftigten hier ein gutes Lebensumfeld bekommen.

BIT.Group

Prognose: Die BIT.Group-Mitarbeiter sind nicht von der Mindestlohneinführung betroffen. „Sie bezahlen wir nach den Anforderungen der IT-Branche und der Region. Bei Subunternehmen sehen wir derzeit keinen tiefen Einschnitt“, erklärt Geschäftsführerin Corina Weidmann. Derzeit gehe sie von einer guten Auftragslage aus.

Zukunft der Mitarbeiter: Momentan arbeiten am Bautzener Standort der BIT.Group, die auf Expansionskurs nach China ist, 139 Mitarbeiter. „Wir setzen auf Wachstum in der Region, aber müssen auch über die Landesgrenzen hinausblicken, um das Unternehmen an die Marktbedingungen anzupassen“, sagt Corina Weidmann.

Wünsche an die Politik: Gerade in der Region Bautzen wünscht sich die BIT.Group Verbesserungen im Lebensumfeld für junge Familien, darunter das Bereitstellen von genug Kita-Plätzen und attraktiven, bezahlbaren Wohnungen.

b.i.g. Sicherheit

Prognose: „Wir arbeiten seit Längerem unter den Bedingungen der Mindestlohngesetzgebung“, sagt Norbert Reichel, Leiter der Bautzener Filiale der Securityfirma b.i.g. Sicherheit. Im Gegensatz zu vergleichbaren Unternehmen habe b.i.g. Sicherheit immer Tariflohn gezahlt. Das Gewerbe ist personalintensiv, Entwicklungen wie die Mindestlohn-Einführung schlagen sich zu 100 Prozent im Preis nieder.

Zukunft der Mitarbeiter: Die Verträge der 79 Beschäftigten werden erfüllt. „Es gibt keine Kündigungen wegen Mindestlohn“, so der Filialchef.

Wünsche an die Politik: „Wo bleibt die Anerkennung für die Mitarbeiter, die alles tun, wenn die anderen feiern?“, fragt Norbert Reichel. Mit den Regelungen seit 2014 sei leider nur eine Verschiebung zum Bruttolohn bei gleichzeitiger Abschaffung der Zuschläge für Sonn- und Feiertage getroffen worden, argumentiert er.

Kunststoffwerk Neuteichnitz Baier

Prognose: Das Thema Mindestlohn berührt KNB kaum, da die unterste Lohngruppe ohnehin 8,50 Euro pro Stunde und Zusatzentgelte wie Weihnachtsgeld erhält. „Die Entwicklung bei den Subunternehmern könnte uns aber kostenmäßig belasten“, warnt Unternehmenschef Marc G. Baier. Im Jahr 2015 habe KNB aber sicher noch gut zu tun.

Zukunft der Mitarbeiter: Voraussichtlich wird die Anzahl der Stellen etwas weniger werden. „Richtige Entlassungen sind nicht geplant“, sagt Marc G. Baier. Doch einige Stellen von Leuten, die in Rente gehen, werden nicht neu besetzt.

Wünsche an die Politik: „Ich bin über alles froh, was den bürokratischen Aufwand mindert“, berichtet der KNB-Chef. Auch arbeitsrechtliche Veränderungen wünscht er sich. „Es ist schwer, sich von Mitarbeitern zu trennen, die durch ihre Fehler andere Arbeitsplätze gefährden.“

Edding

Prognose: Der Schreibwarenhersteller erwartet bei seinen relevanten Vorlieferanten aus den Bereichen Rohstoffe und Komponenten keine Auswirkungen durch die Mindestlohneinführung. „Unseren Mitarbeitern zahlen wir schon seit Jahren Tariflöhne mit zahlreichen zusätzlichen Leistungen über den Tarif hinaus“, sagt Geschäftsführer Jörg Thomas Schimkus.

Zukunft der Mitarbeiter: Das Unternehmen erwartet am Standort Bautzen ein gutes Jahr, blickt aber mit Sorge auf die Marktentwicklung in Russland. Dennoch plant es damit, die Zahl der aktuell 74 Mitarbeiter konstant zu halten.

Wünsche an die Politik: „Ein Wunsch an die Politik ist die Sicherung der Energiepreise für die Zukunft“, sagt Jörg Thomas Schimkus. Obwohl die reinen Energiekosten derzeit nicht steigen, erhöhen sich die Energiekosten aufgrund staatlicher Abgaben und Sondersteuern, erklärt er.

Debag

Prognose: Der Bautzener Backofenhersteller Debag und seine Lieferanten werden 2015 wenig von der Problematik des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns betroffen sein. „Aus heutiger Sicht wird unsere wirtschaftliche Prognose vor diesem Hintergrund kaum beeinträchtig werden“, sagt Geschäftsführer Jost Straube.

Zukunft der Mitarbeiter: Derzeit sind 95 Mitarbeiter am Standort Bautzen beschäftigt. Ziel sei eine stabile Basis zum Arbeitsplatzerhalt. „Aus heutiger Sicht könnten neue Jobs im Laufe des Jahres entstehen“, blickt Jost Straube voraus. Risiken sieht er nur darin, inwieweit die Erschließung neuer Märkte und Kundenkreise gelingt.

Wünsche an die Politik: „Wir wünschen uns für das Geschäftsjahr 2015 die weitere Sicherung von stabilen Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Bautzen und die Region“, sagt der Debag-Geschäftsführer.

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