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Wie sieht das ideale Bautzen aus?

Die Stadt gibt sich ein neues Leitbild. Dafür sind jetzt die Wünsche und Visionen der Bürger gefragt.

© Archivfoto: Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Bautzen. Sorben, Senf und Silbermond – die drei Stichworte fallen vielen Auswärtigen spontan zu Bautzen ein. Doch seit den Auseinandersetzungen auf dem Kornmarkt vor anderthalb Jahren standen statt dieser drei bekannten Bautzen-Botschafter überregional eher negative Schlagzeilen im Fokus. Doch wie sehen die Bautzener selbst ihre Stadt – jetzt und vor allem in der Zukunft? Um diese Frage soll es in den nächsten Wochen und Monaten gehen. Denn die Wünsche und Visionen der Bürger sollen einfließen ins Leitbild 2030+, das gerade erarbeitet wird.

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Die Ausgangslage: Bautzener sehen die Stadt schlechter, als sie ist

Bautzen hat in den vergangenen Jahren eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen, sagt OB Alexander Ahrens (SPD). Nur werde das oft von den Bautzenern selbst nicht wahrgenommen. So könne die Stadt mit 670 Arbeitsplätzen pro 1 000 Einwohner auf einen Spitzenwert in Deutschland verweisen. Auch die Einpendlerquote – täglich kommen 19 000 Menschen aus dem Umland zum Arbeiten in die Stadt – sei überdurchschnittlich hoch. Die Arbeitslosenzahl habe sich seit 2005 halbiert, es gebe einen deutlichen Anstieg der Geburtenrate und eine ausgeglichene Bilanz von Fort- und Zuzügen. Dennoch ist die Einwohnerzahl in den vergangenen zwölf Jahren gesunken, und der Anteil älterer Menschen werde immer größer. „Unsere zentrale Aufgabe wird es in den nächsten Jahren daher sein, die 18- bis 30-Jährigen in der Stadt zu halten“, so Ahrens.

Der aktuelle Stand: Erste Themenvorschläge liegen schon vor

Doch wie geht das? Was macht die Stadt attraktiv für junge Leute und Familien? Erste Aktivitäten, um zu erfahren, was sich die Bautzener wünschen, hat es bereits gegeben. Laut Referent Markus Gießler, bei dem die Fäden für die Erstellung des Leitbilds zusammenlaufen, wurden mehr als 300 Vereine, Unternehmen, Institutionen, Kirchen angeschrieben. Gut 50 Rückmeldungen würden mittlerweile vorliegen. Mehrfach seien als Wünsche ein kommunales Vereinshaus, eine familienfreundliche Stadt und eine Innenstadt mit möglichst wenig Autoverkehr genannt worden. Aber auch das Thema Umwelt sei denen, die geantwortet haben, sehr wichtig gewesen, so Gießler. Jedoch werde sich von den Vorschlägen nicht alles im Leitbild wiederfinden, denn in diesem Papier gehe es nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um längerfristige Ziele und Visionen für den Zeitraum bis 2030 und darüber hinaus.

Der Prozess: Bürger sollen auf acht Foren mitreden

Über die Visionen sollen nicht nur die erwähnten Angeschriebenen, sondern alle Bautzener mitreden können. Ende März wird zunächst mit rund 100 geladenen Akteuren über die Frage „Sorben, Senf und Silbermond – Wer sind wir, was macht uns aus?“ diskutiert. Auch die Jugendideenkonferenz befasst sich mit dem Blick in die Zukunft. Ab Juni sind dann acht Foren an verschiedenen Orten geplant. Der erste Termin steht laut Gießler schon fest. Am 4. Juni geht es im Haus der Sorben unter dem Titel „Die vielfältige Stadt“ um den Themenkomplex Kultur und Sorben. Sieben weitere Veranstaltungen sollen sich den Bereichen Wirtschaft und Infrastruktur, Senioren, Vereine und Sport, Bildung und Weltoffenheit, Familien und Soziales, Umwelt sowie Tourismus und Region widmen. Dazu ist jeder eingeladen, Termine und Orte werden rechtzeitig bekannt gegeben. Bei diesen Veranstaltungen soll bereits ein Vorentwurf für das Leitbild zur Diskussion gestellt werden. Der soll auch auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden. Erarbeitet wird er von einer Gruppe, der neben OB Ahrens und den beiden Bürgermeistern auch Stadträte angehören. Ende des Jahres soll das neue Leitbild dann vom Stadtrat beschlossen werden.

Die Umsetzung: Das neue Leitbild soll praktikabler sein als das jetzige

Droht das Papier, wenn es keine klar benannten Einzelvorhaben enthält, danach in der Schublade zu verschwinden? Nein, sagt Gießler, daraus würden zum einen konkrete Ziele für die Verwaltung abgeleitet. Außerdem sei es für die Stadträte eine Art Handlungskatalog, der ihnen Schwerpunkte aufzeigt, für die sie sich einsetzen sollten. „Das neue Leitbild soll auf alle Fälle praktikabler werden als das bisherige, indem es klare Prioritäten für die Entwicklung der Stadt setzt“, so Ahrens. Im derzeit gültigen Leitbild 2020 sei das nicht der Fall.