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Chemnitz

Wie sieht die Welt von morgen aus?

In Chemnitz sind bis Sonntag alle gefragt, die Zukunft mitzugestalten. Ein Festival wagt den "Aufstand der Utopien".

Eine Lichtkunstinstallation mit der Aufschrift "Utopistinnen aller Länder vereinigt euch" wird hinter dem Karl-Marx-Monument an die Fassade eines Wohnhaus projiziert. Anlass ist das bevorstehende Festival "Aufstand der Utopien".
Eine Lichtkunstinstallation mit der Aufschrift "Utopistinnen aller Länder vereinigt euch" wird hinter dem Karl-Marx-Monument an die Fassade eines Wohnhaus projiziert. Anlass ist das bevorstehende Festival "Aufstand der Utopien". © Sebastian Kahnert/dpa

Chemnitz. Drohende Apokalypse, Spaltung der Gesellschaft, Klimakatastrophe, Jobverlust durch Digitalisierung. Mit einem "Aufstand der Utopien" will ein Chemnitzer Festival von diesem Mittwoch an Licht in diese düsteren Szenarien bringen. "Viele Menschen blicken derzeit ängstlich in die Zukunft. Es gibt viel dagegen, wenig dafür. Wir wollen ausloten, wie die Welt von morgen aussehen kann", sagte Projektleiter Franz Knoppe.

Bis Sonntag wollen die Festivalmacher dazu einladen, Zukunft aktiv mitzugestalten anstatt sich ausgeliefert zu fühlen. Bei Theaterstücken, Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Konzerten und Gesprächsformaten sollen Ideen für das Morgen entwickelt werden.

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"Das Spannende an Umbruchphasen wie '89 ist, dass sich viele neue Räume öffnen und sich neue Chancen bieten", meint Knoppe vom Verein ASA-FF. Er hat das Projekt gemeinsam mit mehr als 20 Kooperationspartnern auf die Beine gestellt.

Gerade mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale am 9. Oktober, bei dem zwei Menschen von einem Rechtsextremisten getötet wurden, sei die Verunsicherung noch einmal gewachsen. "Aber wir können nicht alles und jeden schützen. Stattdessen sollten wir uns fragen, wie wir eine offene Gesellschaft am Leben erhalten."

Nicht schimpfen, sondern aktiv werden

Genau damit beschäftigt sich auch eine Wanderausstellung, die zum "Aufstand der Utopien" Halt in Chemnitz macht - an einem in mehrfacher Hinsicht geschichtsträchtigen Ort. Direkt am "Nischel", dem Chemnitzer Karl-Marx-Monument, wirft die Initiative "Die offene Gesellschaft" unter der Überschrift "Welches Land wollen wir sein?" Fragen in den öffentlichen Raum. Chemnitz ist eine von 14 Stationen seit Mai quer durch Deutschland.

Auf Entdeckungsreise begibt sich während des Festivals auch die Chemnitzer Oper, die zum ersten Mal in einem Club Station macht und stellvertretend mit Gretchen, Faust und Mefistofele die Frage stellt: Was wäre wenn? Andere Formate spielen mit einem neuen Miteinander in der Gesellschaft oder thematisieren Rassismus und Ausgrenzung. Insgesamt sind rund 40 Veranstaltungen geplant, viele davon mit freiem Eintritt.

"Die Herausforderung für uns alle ist es, sich selbst einzubringen, Verantwortung zu übernehmen. Und das immer und immer wieder", sagt Knoppe. Veränderungen passierten im Klein-Klein und nicht von heute auf morgen. Mit dem Festival wollten die Macher Impulse setzen, nicht länger auf "die da oben" zu schimpfen, sondern selbst aktiv zu werden. "Zukunft zum Selbermachen" lautet die Aufforderung.

Am Ende soll eine Auswahl der erdachten utopischen Ideen in eine Zeitkapsel wandern, die im Chemnitzer Stadtarchiv aufbewahrt werde. Zum 100. Jahrestag des Mauerfalls soll diese "ausgegraben" werden, um zu zeigen, dass manche Utopie von heute die Realität von morgen ist.

Das Festival ist das zweite dieser Art in Chemnitz. Im vergangenen Jahr feierte das Format mit einem "Aufstand der Geschichten" Premiere. (dpa)

>>> Aufstand der Utopien