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Wie viel Feuerwehr braucht die Stadt?

Großröhrsdorf will ein Drehleiter-Fahrzeug anschaffen. Das ist nicht billig.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Wenn’s brennt, dann rückt die Feuerwehr aus. Und nicht nur dann. Siebenmal waren die Großröhrsdorfer Kameraden in diesem Jahr im Einsatz: Beim Sturm, zu Autounfällen und auch einem Brand in einem Unternehmen auf der Adolphstraße. Jeder erwartet, dass die Feuerwehr anrückt und natürlich die entsprechende Ausstattung dabei hat. Dafür muss die Stadt sorgen. Ein Brandschutzbedarfsplan regelt das, auch wenn es vielleicht ein bisschen sperrig klingt. Aber dort wird genau aufgeschlüsselt, was die Feuerwehr der Stadt mit Ortsteilen braucht, um einsatzfähig zu sein. Zum Beispiel für Großröhrsdorf. Der Plan stand jetzt zur Debatte. Und eine Zahl rückte dabei in den Mittelpunkt. Die Kosten für die Anschaffung eines Drehleiterfahrzeugs. Großröhrsdorf verfügt derzeit nicht über eine solche Technik.

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Die Kosten sind erheblich und bewegen sich bei 650 000 Euro, so Günter Hutschalik von den Freien Wählern. Insgesamt geht es wohl um eine Summe von rund 2,5 Millionen Euro für Brandschutztechnik im Bedarfsplan. Eine stolze Summe, schätzt Günter Hutschalik ein.

Kooperation mit Nachbarorten möglich?

In der Stadt sei viel zu tun und für ihn stehe die Frage, ob die Ausgabe für die Drehleiter notwendig ist. Es gebe ja auch in Nachbarkommunen entsprechende Technik. Vielleicht ließe sich eine Kooperation mit Radeberg oder Leppersdorf arrangieren? Oder überhaupt erst einmal schauen, welche Feuerwehr unter den Nachbarn über eine Drehleiter verfügt. Für ihn seien bei so großen Ausgaben auch solche Fragen wichtig, wie die Zahl der Brände und die Standzeit der Technik in der Garage.

Für Wehrleiter Peter Pirschel ist allerdings glasklar: Die Notwendigkeit, ein Drehleiterfahrzeug anzuschaffen, ergebe sich aus der Bebauung der Stadt mit ihren Ortsteilen. So würden immer mehr Baugenehmigungen erteilt, die es regelrecht von der Stadt fordern, diese Technik als Rettungsweg für Menschen vorzuhalten. Sicherheitsanforderungen würden von Jahr zu Jahr schärfer. Am Altenheim werde es schwierig, an der Kulturfabrik und künftig auch an der Alten Weberei (früher Holthaus Meditex), die zum Wohnkomplex umgebaut wird, um ein paar Beispiele zu nennen. „Wir brauchen die Drehleiter dringend als Rettungsweg“, sagt der Wehrleiter und nennt Beispiele: Ohne den Einsatz einer Drehleiter wäre der Scheunenbrand vor gut zwei Jahren beim Bauern Schnabel in Großröhrsdorf nicht so glimpflich fürs Wohnhaus abgegangen. Auch kürzlich bei dem Wohnhausbrand in Arnsdorf wäre der Schaden weit schlimmer ausgefallen.

Es nütze auch kein Vergleich zwischen Städten und Regionen. „Wir müssen unsere speziellen Großröhrsdorfer Schutzziele erreichen.“ Und dabei stoße die Wehr derzeit an technische Grenzen, so Pirschel. Die Drehleiter stehe deshalb schon seit Langem zur Debatte und sei vom Kreisbrandmeister abgesegnet. Es sei falsch, an dieser Stelle nur die Kosten zu sehen: „Es ist eine Pflichtaufgabe der Stadt“, so Peter Pirschel.

Pulsnitzer Leiter ist zu kurz

Und eine Kooperation gebe es gewissermaßen mit Pulsnitz. Die funktioniere im Grunde schon. Die Drehleiter sei jedoch für etliche Gebäude nicht tauglich. Sie sei schlicht zu kurz. Die Rettungshöhe reiche mit zwölf Metern nicht aus. Auch die Leppersdorfer Drehleiter sei für Großröhrsdorfer Verhältnisse nicht unbedingt geeignet, sondern auf Industriebauten ausgerichtet. Die Zusammenarbeit mit Radeberg sei gut, könne aber auch nicht überstrapaziert werden. Die Kameraden hätten schon viel um die Ohren.

Stadtrat Andreas Gäbler (Fraktion Bretnig-Hauswalde) schätzt sogar ein, die Kooperation mit Pulsnitz sei ein Fehler gewesen. Letztlich gehe es ja auch um die Zeit für die Anfahrt, merkt er außerdem an. Die sollte kurz ausfallen. Das spricht letztlich für ein Drehleiterfahrzeug im eigenen Depot. Das steht jetzt auch für 2021 im Plan, wobei auf die Stadt nicht die komplette Summe zukomme. Die Stadt muss voraussichtlich die Hälfte bezahlen. Vielleicht noch weniger, weil noch mehr Fördermittel fließen und der Kreis Rabatte aushandele, wenn gleich für mehrere Kommunen Fahrzeuge geordert würden, schätzt Wehrleiter Peter Pirschel ein. Es sei auch falsch, die Diskussion immer nur auf die Drehleiter zu reduzieren, kritisiert Pirschel. Es gehöre viel mehr dazu, um einsatzfähig zu sein. Gerade erst sei neue Atemschutztechnik angeschafft worden.

Außerdem sind acht Fahrzeuge im Plan, für die Ersatz beschafft werden müsse: zum Beispiel für ein Löschfahrzeug W 50 aus DDR-Zeiten (Baujahr 1980) und zwei Fahrzeuge der Marke Robur (eines von 1961). Sie sollen durch ein neues Kleinlöschfahrzeug ersetzt und bis 2021 auch neue Einsatzkleidung beschafft werden. Damit die Wehr – wenn’s brennt – auch zuverlässig helfen kann.