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Wie viel mehr kann Pirna?

„Pirna kann mehr“ war Tim Lochners Slogan für die OB-Wahl. Jetzt wird daraus eine Wählervereinigung.

© Daniel Förster

Von Christian Eissner

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Pirna. Bei der Pirnaer Oberbürgermeisterwahl Anfang 2017 holte er als unabhängiger Kandidat aus dem Stand ein Drittel der Stimmen. Jetzt macht Tischlermeister Tim Lochner aus Pirna-Jessen seine Ankündigung von damals wahr, politisch aktiv zu bleiben. Gemeinsam mit Weggefährten hat er einen Verein gegründet, der die Stadtpolitik mitbestimmen möchte.

Wer steckt hinter „Pirna kann mehr“?
Der Vereinsvorstand gruppiert sich um die Person Tim Lochner. Auf der CDU-Liste 2014 in den Pirnaer Stadtrat gewählt, war Lochner im Oktober 2016 aus der Partei ausgetreten und hatte diesen Schritt unter anderem mit Enttäuschung über den bundespolitischen Kurs und mit dem Dissens im CDU-Stadtverband begründet. Kommunalpolitisch ging er danach seinen eigenen Weg, trat Ende 2016 als unabhängiger Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl an und erreichte auf Anhieb mit 33 Prozent der Stimmen Platz zwei hinter dem Amtsinhaber Klaus-Peter Hanke. Sein Wahlkampfslogan damals: „Pirna kann mehr“. Unter diesem Namen hat sich nun ein Verein gegründet. Im Vorstand finden sich viele Weggefährten, die Tim Lochner im Oberbürgermeisterwahlkampf unterstützten. Vereinsvorsitzende sind Tim Lochner und Oliver Schulz, zum Vorstand gehören Ronny Kirschner, Thomas Pietzsch, Daniel Szenes, Enrico Endler, André Liebscher sowie Oliver Lang, der Sprecher von Frauke Petry. Gründungsmitglied der Wählervereinigung ist auch der Pirnaer Schlossermeister Andreas Thiele.

Welche lokalpolitischen Ziele hat die Wählervereinigung?
Im Oberbürgermeisterwahlkampf hatte Tim Lochner mit den Themen Sicherheit und Lokalpatriotismus gepunktet. Seine Kernpunkte damals unter anderem: die Feuerwehr besser ausstatten und ehrenamtliches Engagement – nicht nur in der Feuerwehr – höher anerkennen; Qualität der Kinderbetreuung und Bildung verbessern; für eine transparentere Arbeit von Stadtrat und Stadtverwaltung sowie für mehr Parkplätze rund um die Innenstadt sorgen; für mehr Ordnung und Sicherheit in der Stadt eintreten und etwas für den öffentlichen Meinungsaustausch tun.

Im Grunde hat sich nun auch die Wählervereinigung diese Themen auf die Fahne geschrieben. „Vieles, was wir damals angesprochen haben, hat sich bis heute aus meiner Sicht nicht entscheidend verbessert“, sagt Lochner und nennt als Beispiele die Parksituation, die Kita- und Schulplanung und das Ehrenamt. Auch bei der Feuerwehr sehe er – trotz mehr Personal – nach wie vor Handlungsbedarf. Die Wählervereinigung möchte ein lokalpolitisches Programm ausarbeiten und damit bei der Stadtratswahl im Frühjahr 2019 antreten.

Wie positioniert sich „Pirna kann mehr“ im politischen Spektrum?
Die politische Ausrichtung der Wählergemeinschaft zu umreißen, damit tut sich der Vorstand schwer. Mit dem Begriff „konservativ“ haben die Vorstände kein Problem. Auf diesem Feld allerdings tummeln sich in Pirna schon die CDU und die vergangenes Jahr gegründete Wählervereinigung „Wir für Pirna – Freie Wähler“ – ins Leben gerufen von einstigen CDUlern, wie auch Tim Lochner einer ist. Und vielleicht wird auch die AfD mit eigener Mannschaft zur Stadtratswahl 2019 in Pirna antreten. Dann wird es eng im konservativen Lager. Wie weit in der Mitte oder wie weit rechts davon darf man „Pirna kann mehr“ also einordnen? Tim Lochner winkt auf diese Frage hin ab. Das, sagt er, sei eine Thematik, in die man sich nicht begeben wolle. „Uns geht es um Sachthemen.“ Entscheidend seien Kompetenz, Charakter und Ideen für die Stadt. Wenn das passe, könnten „auch SPD-Mitglieder bei uns mitmachen.“

Ein prominentes Mitglied soll „Pirna kann mehr“ bald schon aufnehmen: Frauke Petry will der Wählervereinigung beitreten. „Pirna kann mehr“ und Petrys „Blaue Wende“ fußten schließlich auf derselben Idee, erklärt Petry-Sprecher Oliver Lang: eine alternative, transparente Politik, in die sich jeder Interessierte frei von Parteistrukturen einbringen könne. Für Frauke Petry ist das sicher kein Nachteil. Sie hätte mit „Pirna kann mehr“ eine lokalpolitische Basis in der Stadt.

Welche nächsten Schritte plant die Wählervereinigung?
Gibt man „Pirna kann mehr“ in die Google-Suche ein, landet man immer noch auf der Internetseite timlochner.de mit dem Web-Auftritt aus dem Oberbürgermeisterwahlkampf. Das solle bald aktualisiert, die kommunalpolitischen Ideen der Wählervereinigung dort veröffentlicht werden, kündigt Tim Lochner an. Einen Facebook-Auftritt mit dem Logo des Vereins gibt es bereits seit Ende November 2017. Vor allem dort sollen Interessierte bald auch die ersten Ankündigungen für Veranstaltungen, Lesungen und Gesprächsrunden finden, verspricht Tim Lochner. Mit Facebook als Nachrichtenmedium habe er in seinem Wahlkampf gute Erfahrungen gemacht.

Momentan wird in den Kommentaren auf dr Facebookseite vor allem über die Zusammenarbeit mit Frauke Petrys „Blauer Wende“ kontrovers diskutiert.