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Wie viel Neubau braucht die Stadt?

Im oberen Rödertal wird viel übers Bauen gesprochen. Einige Räte in Großröhrsdorf wollen auf die Bremse treten.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Bauen ist im Rödertal ein großes Thema. Einfamilienhäuser stehen derzeit im Fokus. Die Stadt will wieder wachsen, Jahre des Einwohnerschwundes aufholen, Familien ein Zuhause bieten. Das schlägt sich auch in aktuellen Plänen nieder. Zum Beispiel für Häuser an der Stiftstraße. Für die ist nun grundsätzlich der Weg frei. Einige Dinge sind noch zu klären, wie die Zufahrt für die Baufahrzeuge über die Bismarckstraße. Da gibt es noch einiges zu klären. Aber im Grunde kann es losgehen.

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Ein anderes potenzielles Baugebiet bleibt offenbar umstritten. Das haben die Stadtplaner an der Großröhrsdorfer Straße im Ortsteil Kleinröhrsdorf auf dem Schirm. Dort stehen bereits Einfamilienhäuser. In einer zweiten Reihe auf dem jetzigen Ackerland sollen weitere Häuser entstehen. Zwischen acht und zehn. Etwas weniger als bisher geplant, nach Bedenken aus der Kreisbehörde. Der Abstand zum Wald soll nun großzügiger ausfallen. Wobei es bei diesen Ideen noch nicht um einen Bebauungsplan geht, wie an der Stiftstraße. Es ging jetzt um Änderungen am sogenannten Flächennutzungsplan der Stadt, insbesondere auch für Baustandorte. Das Planwerk beschreibt langfristige Leitlinien für die Stadtentwicklung, aber schafft kein Baurecht. Verabschiedet wurde das Papier jetzt mit großer Mehrheit. Allerdings erst nach einer heftigen Debatte um den Kleinröhrsdorfer Baustandort. Der wird jetzt dort verzeichnet wohl auch Zankapfel bleiben. Stadtrat Volker Müller (FDP), selbst Kleinröhrsdorfer, ging jetzt auf Distanz zu den Plänen. Im Ortschaftsrat sei diskutiert worden. Auch dort gingen die Meinungen offenbar auseinander. Was wiederum Bürgermeisterin Kerstin Ternes verwundere. Der Ortschaftsrat habe bisher immer für das Projekt gestimmt.

Es drohen Klagen

Es gebe allerdings Probleme mit Anwohnern, so Volker Müller, die das Vorhaben ablehnen. Ihnen sei damals noch in Kleinröhrsdorf versprochen worden, dass dort keine weiteren Bauten geplant seien. Er halte es ebenfalls nicht für sinnvoll. Zumal Klagen drohen würden. In der Tat hat eine Reihe Anwohner bereits in der Stellungnahme zum Flächennutzungsplan die Unterstützung von Dresdner Rechtsanwälten gesucht. Ergebnis ist ein umfangreiches Papier, in dem unter anderem negative Auswirkungen auf die Umwelt geschildert werden, auf Fauna, Flora und Mensch – die zu erwarten wären. Das dörfliche Ortsbild könnte leiden. Die Gegner verweisen außerdem auf Industriebrachen, die zuerst erschlossen werden sollten.

Die Stadt folgt den Einwänden nicht. Sie verweist auf Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur und sieht keine wesentliche Verschlechterung der Situation kommen. Was andere Brachflächen betreffe, die zuerst bebaut werden sollten, sei das eben nicht so einfach, ließ Bürgermeisterin Kerstin Ternes wissen. Die Stadt könne auf solchen privaten Flächen die Eigentümer nicht zum Wohnungsbau zwingen. Die Stadt hat quasi keinen Zugriff, die Flächen stehen nicht zur Verfügung. So stehe fest, die Stadt habe kaum eigene Flächen und sei auf den Standort angewiesen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnbauland zu sichern. Derzeit sehe die Stadtplanung keine Alternativen zu dem Kleinröhrsdorfer Standort. Die Stadt habe jetzt schon eine ganze Liste von Bauinteressenten, die mit den Hufen scharren. Und es liege in ihrem Ermessen, Pläne den Bedürfnissen anzupassen.

Die Standpunkte können unterschiedlicher nicht sein, bis zur Grundfrage – wie viel Häuslebau die Stadt überhaupt brauche. Stadtrat Günter Hutschalik (Freie Wähler), ebenfalls Kleinröhrsdorfer, schätzt ein: Wenn er die Argumente der Gegner lese, hätten bereits die jetzigen Eigenheime nie entstehen dürfen. Er sei froh, wenn Großröhrsdorf die Chance habe, sich zu entwickeln. Die alternde Stadt brauche dringend junge Leute. Kleinröhrsdorf könne noch Zuwachs gebrauchen, und die Stadt müsse vorbereitet sein, wenn die Nachfrage nach Bauland durch Industrieansiedlungen in der Region steige.

Infrastruktur hat ihre Grenzen

Volker Müller will dagegen eher auf die Bremse treten: Auch das Landratsamt habe ja Bedenken gehabt, und warum müsse noch mehr Ackerland zugebaut werden. Die Stadt sollte stattdessen erst Voraussetzungen schaffen im Kita- und Schulbereich, bevor weiter gebaut werde. Man müsse auch mal sagen, das reicht mit Einfamilienhäusern und verstärkt Mehrfamilienhäuser entwickeln. „Jede Infrastruktur hat Grenzen“, gibt Anette Böhme (CDU) zu bedenken.

Kerstin Ternes versuchte, die Wogen zu glätten: Mit Augenmaß müsse die Stadt wachsen und parallel die Infrastruktur entwickeln, um beides in Einklang zu bringen. Und sie räumt ein: Das Thema Mehrfamilienhäuser verdiene mehr Aufmerksamkeit. Außerdem hält die Rathauschefin fest: Eine Klage sei im Stadium des Flächennutzungsplanes nicht möglich. Dietrich Krause (CDU) erinnerte daran, wo Großröhrsdorf mal mit der Einwohnerzahl stand. Wieder zu wachsen, darauf habe der Rat doch hingearbeitet und die Stadt sei doch wohl weit entfernt von einer Steinwüste.