merken

Feuilleton

Wie weiblich ist der Kurzfilm?

Zum Auftakt des Dresdner Filmfestivals wird klar: Hier regieren die Frauen. Der erste Teil des Filmfest-Tagebuches.

Vom 9.-14. April findet in Dresden das Internationale Kurzfilmfestival statt. © imago

Sie wollte doch nur ihr Erbe bekommen. Und am Ende steht Tattini mit einem glühenden Eisenrohr in den Händen in den Wäldern von Nepal und bekommt Peitschenhiebe angedroht. Der erste Abend des Dresdner Kurzfilmfestivals endet wenig versöhnlich, dafür eindringlich.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Jugendgirokonto – genau mein Ding.

Mein Konto, das immer da ist, wo ich bin – flexibel, bequem, kostenlos.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Sympathien für Simon*e

Inklusions- und Genderfragen sind allgegenwärtig auf dem Filmfest Dresden. Ein Langfilm lässt das Konzept implodieren. Der dritte Teil des Festival-Tagebuchs.

Symbolbild verwandter Artikel

Kuba ya my Lord

Das sozialistische Kleinod ist Schwerpunkt des 31. Filmfestes. Die Besorgung der Filme glich einer Agentenmission. Der zweite Teil des Filmfest-Tagebuchs.

Symbolbild verwandter Artikel

Ein exklusiver Blick aufs Dresdner Filmfest

„Kuba“ ist ein Schwerpunkt beim 31. Filmfest Dresden, das am Dienstag beginnt. Wir zeigen vorab zwei Kurzfilme - und verlosen Freikarten.

Doch bevor die ersten sechs Bewerber um die begehrten Goldenen Reiter zu sehen waren, wurde das Festival eröffnet. Der große Saal der inzwischen gar nicht mal mehr so frisch renovierten Schauburg war bis auf den letzten Platz gefüllt. Und auf der Bühne herrschte angenehme Weiblichkeit. Eins gilt: Je stärker ein Festival gefördert wird, desto mehr Grußworte gibt es zu Beginn. Das ist meistens etwas langatmig, da macht auch die Veranstaltung am Dienstag keine Ausnahme. 

Doch einen Höhepunkt markiert eine Frau: Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch macht die ganz großen Themen auf. Nationalismus, die Gefährdung der freien Kunst und der Unmut über Europa. Manch einer fragt sich, was das noch mit Kurzfilmen zu tun hat. Doch die Beiträge der nächsten Tage werden international und hochpolitisch sein. Da ist es nur folgerichtig, dass die Vertreterin der Gastgeberstadt ein bisschen dick aufträgt. Interessantes Detail: Auch später, bei der ersten Runde Kurzfilme, ist Klepsch dabei, fast undercover in einer dunklen Ecke sitzend. Ehrliches Interesse darf gelobt werden!

Natürlich, beim großen Klassentreffen der Dresdner Filmschaffenden hat sie wenig Widerworte zu erwarten. Die Stimmung ist herzlich und das Foyer von „Ach Mensch, eeewig nicht gesehen“-Rufen durchdrungen. Englische, Spanische und Deutsche Wortfetzen fliegen durch den Raum. Inklusiv soll das Festival sein, es gibt Untertitel auf Deutsch und Englisch und die Gebärdendolmetscher werden wie immer herzlich empfangen. Vor jedem Film stehen außerdem via Kopfhörer kurze, akustische Erklärungen bereit. Dass aber nach drei Jahren Inklusionsoffensive immer noch nur ein kleiner Teil der Veranstaltungen derart aufbereitet ist, lässt Potenzial für die nächsten Jahre übrig.

Angsteinflößend schön

Ein absoluter Höhepunkt des Abends ist der erste Film im internationalen Wettbewerb. „Juck“, dem die Beschreibung als Dokumentation überhaupt nicht gerecht wird, begleitet eine schwedische Tanzgruppe. Fünf junge Frauen haben sich einen recht eigentümlichen Tanzstil zu eigen gemacht – hauptsächlich tragen sie Schuluniformen und bewegen ihre Hüften ruckartig vor und zurück. Das funktioniert ein bisschen wie beim Bauchtanz, ist nur eher martialisch als sinnlich. Was genau dahintersteckt, erklärt der Film dankenswerterweise nicht explizit. Der Zuschauer begleitet die Tänzerinnen stattdessen in die U-Bahn und auf die Straße, wo sie mit ihren Performances eher spöttische Blicke ernten. Auch Handyvideos werden gemacht, die Schwedinnen kontern mit eigenen Filmaufnahmen. Ein kleiner Aufmerksamkeitskrieg in Schweden, dabei wagen sie es lediglich, unkonventionell zu tanzen.

Filmisch ist das großartig aufbereitet. Handyvideos von Unterstützerinnen, die sich selbst beim „Juck“ gefilmt haben, wechseln sich mit Szenen von der Straße und im Studio gedrehten Szenen ab. Vor allem letztere, vor dunkelgrauem Hintergrund und mit kalter Beleuchtung von oben, machen die Tänzerinnen zu Statuen – monumental und beinahe angsteinflößend. Eine radikale Un-Weiblichkeit, die gerade deshalb so wahnsinnig schön ist.

Es bleibt nur ein großes Problem übrig: Wohin soll das Thalia-Kino mit seinen Eierlikör-Vorräten? In den letzten Jahren war die Bar auf der Görlitzer Straße immer der zentrale Treff des Filmfestivals, doch am Dienstag war dort wenig Betrieb. Der Bardienst war extra auf drei Leute aufgestockt worden, doch die standen jetzt etwas irritiert und unbeschäftigt hinter dem Tresen. „Das wird wohl heute nichts mehr“, sagte einer der drei und machte Feierabend. Bedeutet ein weibliches Filmfest weniger Alkoholkonsum? Das wäre gut für den Körper, aber schade für die Stimmung.

Der SZ-Kurzfilm

"Fest" von "Nikita Diakur" wurde bei der Eröffnung des Filmfestes gezeigt. Und ist nun hier, bei sächsische.de zu sehen. Viel Vergnügen!

Die Sächsische Zeitung verlost zwei Karten für das Filmfest. Wenn Sie an dem Gewinnspiel teilnehmen wollen, senden Sie bitte eine Mail an: [email protected]ächsische.de