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Wie weiter mit den Problem-Jugendlichen?

Ein Jugendtreff an der Elbgalerie Riesa sorgt für Ärger. Eine einfache Lösung gibt es nicht, sagt die Leiterin des Riemix.

© .Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Die Aufregung war groß, nachdem die SZ Anfang März über einen Vorfall an der Elbgalerie berichtet hatte. An der Laderampe hinter dem Kinovorplatz wurde dort ein Mitarbeiter des Einkaufszentrums von Jugendlichen geschlagen, als er diese des Platzes verweisen wollte. Schon zuvor war die Gruppe wegen ihres Verhaltens aufgefallen, wie nicht nur der Geschädigte berichtete. Auch im Netz überschlugen sich die Kommentare. „Ärgerlich ist nicht nur die Körperverletzung, sondern auch die Scherben, die dann überall rumliegen“, schrieb beispielsweise ein Riesaer.

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Die Schlägerei selbst wird die Polizei aufarbeiten müssen. Doch schon im März hatte Revierleiter Herrmann Braunger zu Recht angemerkt, die Polizei könne lediglich bei den Straftaten helfen. Das Problem, die Jugendlichen wortwörtlich „von der Straße zu holen“, das sei eigentlich Aufgabe von Sozialarbeitern. Auch darauf wies schon mancher Leser hin. „Fakt ist, Anlaufstellen und Betreuung für Jugendliche sind gestrichen“, schrieb etwa Steffen Görke. Dort liege ein Teil des Problems.

Anja Müller sieht den Jugendtreff ebenfalls als Aufgabe für Sozialarbeiter. Sie ist Teamleiterin bei Outlaw in Riesa. Der Kinder- und Jugendhilfeträger betreibt in der Stadt das Riemix, das Offene Jugendhaus, und ist auch mobil an drei verschiedenen Standorten im Einsatz. Der letzte Vorfall an der Elbgalerie war auch in ihrem Haus ein Thema, erzählt Müller.

Eine einfache Lösung für das Problem werde es aber wohl nicht geben. „Ganz einfach weil es immer Jugendliche gibt, die nicht das machen, was Erwachsene für richtig halten oder die die Angebote der Jugendhäuser für sich nicht nutzen wollen. “ Vor vielen Jahren habe es in Riesa schon einmal eine ähnliche Gruppe gegeben. Die Outlaw-Mitarbeiter habe es damals viel Überzeugungsarbeit gekostet, bis diese Gruppe im Stadtpark angesiedelt werden konnte. „Aber häufig wollen die Jugendlichen auch wahrgenommen und gesehen werden, vielleicht auch bewusst provozieren.“ Daran könne Jugendarbeit erst einmal wenig ändern. Was sie aber sehr wohl könne: Alternativen anbieten. Die gibt es schon, sagt Müller – etwa mit dem Offenen Jugendhaus. Schwierig werden könnte es aber, die Jugendlichen überhaupt zu dieser Alternative zu bewegen. „Wir können nicht einfach hingehen und sagen, schaut doch mal vorbei. Da ist viel Beziehungsarbeit nötig, bis sie sich darauf einlassen.“ Ein halbes Jahr würde es wohl bis zu den ersten Ergebnissen dauern. – Herausgehen und vor Ort mit den jungen Leuten sprechen – das sind zudem klassische Aufgaben eines Streetworkers. Womit sich das zweite Problem zeigt. Sprungbrett, der zweite soziale Träger, ist mit seiner mobilen Kinder- und Jugendarbeit eher im Stadtteil Weida aktiv, Outlaw verfügt derzeit laut Anja Müller nicht über genügend Personal. „Als ich 2011 hier angefangen habe, hatten wir noch viereinhalb Stellen, die von der Stadt gefördert wurden.“ Hinzu kamen noch anderthalb Stellen, die der Landkreis auch heute noch finanziert. Mittlerweile sei aber eine der städtisch finanzierten Stellen weggefallen. Gleichzeitig habe sich das Arbeitsaufkommen aber erhöht, weil Outlaw heute mehr Angebote betreut als noch vor sieben Jahren.

Die Mitarbeiter werden also heute eigentlich an anderen Stellen gebraucht. „Wenn Sie mich fragen, ob man mehr Streetworker bräuchte: Ja, denn soziale Arbeit ist nie zu viel.“ Das sei letztlich aber auch eine Frage des Geldes. „Soziale Arbeit zählt zu den freiwilligen Leistungen, und ich habe Verständnis dafür, dass die Kämmerin schauen muss, wie der Haushalt ausgeglichen gestaltet werden kann. Da mache ich der Stadt keinen Vorwurf.“ Nur könne man dann solche Brennpunkte nicht angehen, ohne dass andere Angebote darunter leiden. Im Idealfall müsste die Stadt also mehr Stellen zur Verfügung stellen – wahrscheinlich sogar für zwei Personen. Und das bei akutem Fachkräftemangel in der Branche. Selbst wenn das Geld vorhanden wäre, alles andere als eine leichte Aufgabe.

Gut möglich, dass sich der Jugendtreff über den Sommer eher Richtung Elbe verlagert. Dann wäre zumindest genug Zeit, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.