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Wie werden die Steuerzahler entlastet, Herr Taesler?

Der Finanzamts-Chef sagt im SZ-Gespräch, wie es dieses Jahr mit der Steuererklärung läuft.

© dpa

Pirna. Im Durchschnitt werden jedem Arbeitnehmer, der eine Einkommen-steuererklärung abgibt, 823 Euro pro Jahr erstattet. Eike Taesler vom Finanzamt Pirna sagt, worauf es in diesem Jahr ankommt.

Eike Taesler (51) ist seit August 2017 Leiter des Pirnaer Finanzamtes. Jährlich laufen dort 500 Millionen Euro durch.
Eike Taesler (51) ist seit August 2017 Leiter des Pirnaer Finanzamtes. Jährlich laufen dort 500 Millionen Euro durch. © Norbert Millauer

Welche Entlastungen gibt es für Arbeitnehmer und Familien 2018?

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Da wie schon in den Vorjahren der Grundfreibetrag steigt, müssen Arbeitnehmer erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 9 000 Euro überhaupt Steuern zahlen, bei Ehepaaren verdoppelt sich der Betrag. Und auch der Kinderfreibetrag steigt um 72 Euro auf 7 428 Euro. Außerdem wird der Steuertarif zum Abbau der „kalten Progression“ leicht verändert. Beide Änderungen verringern die jährliche Steuerbelastung.

Inwieweit werden die Aufwendungen für die eigene Altersvorsorge berücksichtigt, und was ändert sich bei den Werbungskosten für Arbeitnehmer?

In die gesetzliche Rentenversicherung, in ein berufliches Versorgungswerk oder in einen Rürup-Sparvertrag können Arbeitnehmer, Beamte und Selbstständige bis zu 23 712 Euro, das sind 350 Euro mehr als 2017, steuerfrei einzahlen. Wer sich in diesem Jahr Arbeitsmittel anschafft, profitiert von der deutlich besseren Abschreibungsregel. Die sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgüter wie etwa Computer oder Laptops können bis zu einer Summe von 952 Euro sofort abgeschrieben werden und minimieren so auch die Steuerlast.

Die Digitalisierung der Steuererklärung und der Finanzämter schreitet immer mehr voran. Inwieweit profitieren die Bürger davon?

Es müssen nicht mehr zwingend alle Belege eingereicht werden. Das Finanzamt hat jedoch die Möglichkeit, entsprechende Quittungen und Rechnungen bei Bedarf anzufordern. Und wer seine Steuererklärung papierlos mit einem elektronischen Zertifikat oder bei „Mein Elster“ übermittelt, hat zwei Monate mehr Zeit für die Erstellung der Einkommensteuererklärung, kann sich also bis zum 31. Juli 2018 für die Abgabe der Erklärung für 2017 Zeit lassen.

Wie viele Steuerpflichtige im Landkreis nutzen diese Möglichkeit bereits?

Knapp zwei Drittel der Steuerpflichtigen geben ihre Steuererklärung elektronisch ab, bei denen, die sich steuerlich beraten lassen, sind es 80 Prozent. Bei den Selbstständigen und gewerbetreibenden Unternehmern, die von Steuerberatern vertreten werden, geben annähernd 99 Prozent mittels Elster ab. Wer die verlängerte Abgabefrist nutzen will, registriert sich dazu einfach kostenlos unter www.elster.de und erhält ein Zertifikat, mit dem die Steuererklärung dann elektronisch ohne Unterschrift versendet werden kann.

Nach dem Umzug der Behörde ins zentrale Finanzamt nach Pirna gibt es seit einem Jahr Servicetage in Freital. Was ist dort möglich und wie werden diese Termine seither angenommen?

Das Angebot hat zum Ziel, den von der Standortauflösung betroffenen Bürgern die Erledigung ihrer steuerlichen Pflichten zu erleichtern. Bei den Terminen bekommen die Bürger Hilfe bei steuerlichen Fragen. Die Finanzamtsmitarbeiter nehmen zum Beispiel Steuererklärungen und Anträge entgegen, händigen Vordrucke oder Broschüren aus, nahezu alle im Rahmen der persönlichen Vorsprache anfallenden Arbeiten können damit an zentraler Stelle vor Ort erledigt werden. Und die Beratungstage haben eine große Resonanz, zu jedem Termin zählen wir mehr als 250 Personen, die mit ihren Anliegen zu uns kommen.

Wird es weiter Servicetage geben?

Ja, wir werden das fortsetzen. Die nächsten acht Termine im Bürgerbüro des Landratsamtes in der Hüttenstraße 14 jeweils an einem Dienstag stehen bereits fest.

Wie lange müssen Steuerpflichtige im Landkreis auf ihren Steuerbescheid warten?

Arbeitnehmer müssen im Schnitt mit einer Bearbeitungsdauer von etwa 40 Tagen rechnen. Bei Selbstständigen dauert es im Finanzamt Pirna reichlich 60 Tage. Wer jedoch bei der Abgabe trödelt, zahlt Verspätungszuschläge, was im Ermessen des Bearbeiters liegt. Ab dem kommenden Jahr gibt es dafür jedoch weniger Spielraum.

Das Gespräch führte Bettina Spiekert. Termine für die Servicetage in Freital: jeweils von 8 bis 18 Uhr. 17. April, 24. April, 8. Mai, 15. Mai, 22. Mai,

29. Mai, 5. Juni und 12. Juni.