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Wie Wikipedia zu Einträgen kommt

© Thorsten Eckert

Die weltweite Enzyklopädie gibt zu jedem Thema Auskunft. Einige Beiträge entstehen auch in Radeberg.

Von Thomas Drendel

Radeberg. Mit Wikipedia wird die Welt zu einem Dorf. – Für Klaus Schönfuß aus Radeberg hat der Satz eine ganz besondere Bewandtnis. Nicht nur, dass er sich jede nur erdenkliche Information auf seinen Bildschirm holen kann. Über die Online-Enzyklopädie lernte er Menschen kennen, die in Kanada, den USA, Lettland und Australien wohnen. So Gerry und Joice Naumann, die in den Wäldern Kanadas leben. Sie sind Sohn und Schwiegertochter von Georg Naumann, der 1926 gemeinsam mit dem Trapper und Tierpräparator Max Hintsche nach Kanada auswanderte. Beide stammen aus Radeberg.

„Gerry Naumann wusste kaum etwas über seinen Vater. Joice wurde durch einen Artikel über Georg Naumann auf mich aufmerksam. Seitdem schreiben wir uns regelmäßig E-Mails“. Ähnlich lief es mit den Australiern. Die Wissenschaftler der Universität Sydney meldeten sich auf einen Artikel über den Radeberger Forscher Theodor Arldt. Beide Beiträge hatte Klaus Schönfuß nicht nur in einem regionalen Chronikbuch veröffentlicht, sondern auf Wikipedia.

Forschung über einen fast vergessenen Radeberger

Begonnen hat alles 2006. Damals gab der Diplom-Ingenieur für Feingerätebau, der unter anderem bei Robotron, Bosch und der Firma Prettl gearbeitet hatte, seinen Beruf auf und ging in Rente. Nur Garten und Haushalt waren ihm aber zu wenig. Er schloss sich der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte an und forschte über das Leben bedeutender aber vergessener Radeberger: Theodor Arldt, Max Hintsche, Georg Naumann, Heinz W. Muche, Johannes Conrad und anderen. Nach akribischer Recherche entstanden teils umfangreiche Artikel.

„Auf der Suche nach Informationen über Arldt bin ich auf die schwedische Wikipedia-Seite gekommen. Dort stand etwas über ihn, auf der deutschen war nichts zu finden. Das konnte nicht sein, sagte ich mir“. Das war für ihn Anlass, seinen ersten Wikipedia-Eintrag zu schreiben. „Das war der Beginn einer Leidenschaft, die immer größer geworden ist.“ Erst waren es Beiträge in deutscher Sprache, später kamen englische dazu. Zunächst hieß es vor allem aber, die Wikipedia-Regeln zu lernen: Nur Fakten in den Beiträgen, keine Wertungen, Unparteilichkeit und vor allem keine Wiederholungen von Inhalten, die schon an anderer Stelle bei Wikipedia zu lesen sind und nur genau recherchierte Angaben machen. „Ich habe mir ein Wikipedia-Konto angelegt, wie es die meisten Autoren haben. Darüber kommunizieren die Autoren auch untereinander.“

Korrekturen sind wichtig

Ganz wichtig: Jeder Autor der Enzyklopädie kann auch Artikel anderer Autoren ändern. „Ich hatte mal einen kleinen Streit mit einem Österreicher. Er hatte in einem meiner Artikel etwas korrigiert. Am Ende stellte sich heraus, dass ich recht hatte, er hatte etwas übersehen“. Korrekturen sind aber laut Klaus Schönfuß sehr wichtig. Einmal wird dadurch die Wikipedia immer besser. Außerdem prüft so jeder Autor lieber zweimal, ob auch alles in seinem Beitrag stimmt. „Die Korrekturen werden von Wikipedia registriert. Sie sind Minuspunkte für den Autor.“

Hat ein Wikipedia-Autor eine bestimmte Anzahl Artikel veröffentlicht und sich nur wenige Korrekturen eingefangen, dann steigt er in der Wikipedia-Hierarchie. Der Radeberger ist inzwischen Editor. Er kann beispielsweise Korrekturen in anderen Texten wieder rückgängig machen, falls sie nicht stimmen. Knapp eintausend Änderungen kann Klaus Schönfuß inzwischen vorweisen. Warum er für Wikipedia Beträge schreibt? „Weil sie weltweit gelesen werden, wie die Mails aus Kanada, den USA oder Australien zeigen. Publikationen in Chronikbüchern bleiben doch sehr lokal“, sagt er. Das ist aber nicht der einzige Ort im Internet, wo die Recherchen von Klaus Schönfuß nachzulesen sind. Seine Frau und er betreiben auch eine Internetseite. Dort sind ihre Texte zu lesen, es gibt einen Veranstaltungskalender und zahlreiche weitere Informationen.

www.teamwork-schoenfuss.de