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Wieder Ärger um den Gelben Sack

Der Entsorger Kühl nimmt in Freital keine andersfarbigen Tüten mehr mit – wegen der Vorschriften.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Gesund und Fit

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Freital. Der Protest kam per Post. „Offener Brief“ steht darüber, das Schreiben gilt vor allem der Firma Kühl Entsorgung und Recycling in Heidenau. Kopien liegen aber auch dem Oberbürgermeister der Stadt Freital und der Sächsischen Zeitung vor. Verfasser ist Volkmar Fischer aus dem Ortsteil Hainsberg. Und der ist richtig sauer. „Wir sind der Meinung: So darf es nicht weitergehen!“, schreibt Fischer.

Gemeint ist die Müllabfuhr, genauer gesagt: die Abholung der Gelben Säcke. Schon seit Längerem, notiert Fischer, habe er es satt, durch die halbe Stadt zu fahren, um sich Gelbe Säcke zu besorgen. „Immer wieder passierte es, dass dort keine Säcke vorrätig waren“, schildert er, auch im Namen einiger Nachbarn. Deshalb habe er sich dann im Geschäft große blaue Müllsäcke gekauft und diese genutzt. „Das ging so bis 2017.“ Der Ärger folgte im Januar dieses Jahres. Plötzlich nahmen die Männer der Firma Kühl die blauen Säcke nicht mehr mit. „Wir wissen von keiner Information Ihrerseits an die Bürger über diese veränderte Handhabung“, schreibt Volkmar Fischer an Kühl.

Nicht nur der Anwohner aus Hainsberg hat ein Problem mit den Gelben Säcken. Kürzlich in der Stadtratssitzung berichtete Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU), dass in der Vorweihnachtszeit in seinem Büro verärgerte Freitaler gestanden hätten. „Die beschwerten sich darüber, dass es keine Gelben Säcke gab“, schilderte Rumberg. Ihren Müll hätten die Bürger übrigens mitgebracht und auch nachdrücklich im Bürgermeisterbüro stehengelassen.

Hier gibt es Gelbe Säcke

In Freital: Wertstoffhof Saugrund, Pfennigpfeifer Wilsdruffer Straße, Getränkehandel Miersch am Dorfplatz in Niederhäslich, Edeka Pesterwitz, Autohaus Büttner in Kleinnaundorf, Getränkemarkt Fristo Poisentalstraße, Schreibwarenladen Priebs Potschappel, Obstkelterei Herrmann in Weißig

In Bannewitz: Postagentur Müller, Bäckerei Langholz, Kulturtankstelle, bei CIGO im Real, Fundgrube Richter in Wilmsdorf, Simones Reisebüro in Possendorf, Landhandel in Hänichen, Pflegeheim Goppeln

In Kreischa: im Rathaus

In Wilsdruff: Bürgerbüros der Stadt in Wilsdruff und Kesselsdorf, Radio Kirchner am Markt, Pfennigpfeifer Meißner Straße, Bäckerei Goldbach in Oberhermsdorf und Kleinopitz, Baumarkt Bahnhofstraße Mohorn

In Rabenau: Bürgerbüro im Rathaus

In Tharandt: Bürgerbüro im Rathaus

Quelle: Abfallzweckverband Oberes Elbtal

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„Ach, der Gelbe Sack! Ich kann es nicht mehr hören“, sagt auch Mathias Priebs und schüttelt den Kopf. Priebs betreibt ein Schreibwarengeschäft und Büromaterialhandel in Potschappel, direkt gegenüber dem Rathaus – und gibt die Gelben Säcke im Auftrag der Recyclingwirtschaft aus. „Aber ich gebe zu, ich war schon manchmal soweit, das hinzuschmeißen“, gesteht er. Denn obwohl seine Mitarbeiter immer rechtzeitig und mit mindestens 14 Tagen Vorlauf beim Recyclingunternehmen Kühl die Kisten mit neuen Säcken bestellen, klappt die Lieferung mitunter nicht. Im Herbst 2017, erzählt der Unternehmer, habe es mal sechs Wochen gedauert, bis neue Säcke da waren. „Und wir müssen uns von den Kunden sagen lassen, wir bekämen es nicht auf die Reihe“, berichtet Priebs. Dabei verteilt der Händler die Säcke kostenlos – er verdient keinen Cent an der Herausgabe der Mülltüten.

Zeiten der Kulanz sind vorbei

Für das Abholen der Umverpackungen, also all das, was in den Gelben Sack kommt, ist in der Region die Firma Kühl Entsorgung und Recycling aus Heidenau zuständig. Kühl muss auch die Gelben Säcke bereitstellen. „Wir hatten im vergangenen Jahr, speziell im Oktober, massive Lieferschwierigkeiten“, bestätigt Kühl-Geschäftsführerin Sylvia Bauknecht. Ursache war, dass wiederum der Hersteller der Säcke einen Engpass hatte. „Das betraf auch andere Regionen in Deutschland“, sagt Bauknecht. Weil die Abgabestellen, darunter auch viele Bürgerbüros, bald keinerlei Säcke mehr ausgeben konnten, habe man bei Kühl akzeptiert, dass die Bürger ihre Verpackungen auch in selbstgekaufte, andersfarbige Säcke entsorgten. „Aus unserer Sicht war das verständlich und wir haben die Säcke mitgenommen.“

Aber irgendwann sei es eben mit der Kulanz vorbei, so Bauknecht. Seit Jahresanfang 2018 werden daher nur noch Gelbe Säcke mitgenommen. So schreibt es auch das Duale System Deutschland, das die Hoheit über den kompletten Verpackungsmüll hat, vor. Bauknecht: „Das ist keine Kleinlichkeit von uns, sondern wir halten uns damit nur an die Vorgaben.“ So müsse der Sack beispielsweise durchsichtig sein.

Allerdings ist das Engpass-Thema beim Gelben Sack kein neues Problem. Immer wieder mal kam es in den vergangenen Jahren, und somit auch unter den Vorgängern der Firma Kühl, zu Lieferschwierigkeiten. Und daran sind die Verbraucher nicht ganz unschuldig. Zum einen werden in Freital und Umgebung überproportional viele Säcke verbraucht. „Der deutschlandweite Durchschnitt liegt bei 25 Säcken pro Kopf im Jahr“, sagt Sylvia Bauknecht. In der Region Freital-Pirna aber habe diese Zahl bereits die 30 überschritten. Zum anderen sammle Kühl weniger Säcke ein als ausgereicht werden. Bauknecht: „Die Säcke werden zweckentfremdet.“

Wofür? Bauknecht kann es nur ahnen. „Umzüge, Gartenabfälle – ich weiß es nicht genau, aber ich sehe an den Zahlen, dass da etwas nicht stimmt.“ Das bestätigt auch Mathias Priebs. „Ich kenne Leute, die holen jede Woche eine Rolle ab. Ich habe es aufgegeben, mit denen zu diskutieren. Es ist nicht meine Aufgabe, die Menschen zu erziehen.“ Wofür solche Mengen noch so gebraucht werden, kann man unter anderem gut bei der Internet-Plattform Ebay nachvollziehen. Dort tauchen die gehamsterten Mülltüten wieder auf – sie werden für einen Euro pro Rolle verhökert.