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Hoyerswerda

Wieder kullerten Neustädter Ostereier

Das Waleien ist ein selten gewordener sorbischer Brauch. In Neustadt/Spree wird er am Leben erhalten.

© Archivfoto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Sonntag war Klein-Ostern und damit das Ende der Osterzeit. Dazu gehört(e) manchenorts ein Spiel, das früher in sorbischen Gegenden zum unverzichtbaren Brauchtum zählte. Gepflegt wird es noch heute in einem Spreetaler Ortsteil: das Waleien.

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Eine Woche nach dem eigentlichen Osterfest treffen sich in Neustadt/Spree seit vielen Jahren die Kinder mit den Eltern und Großeltern auf dem Festplatz an der Spree. Dort hat der Heimatverein eine Rutsche gebaut, die jedes Jahr wieder zum Waleien hervorgeholt wird. Ganz zur Freude der Kinder, die ihre selbst bemalten Ostereier mitbrachten. Wer keine bemalt hatte, ging freilich auch nicht leer aus: Der Heimatverein hatte volle Körbchen mit schön verzierten Eiern mitgebracht.

Regelwächterinnen in Trachten

Das Waleien erfolgte wieder nach dem alten sorbischen Ritual. Dass es eingehalten wird, darüber wachten die Neustädter Frauen in ihren sorbischen Trachten. Inge Bieder ist eine der Ältesten von ihnen und erinnert sich noch heute an ihre Kindheit; da war Waleien ein beliebtes Kinderspiel zur Osterzeit. Inge Bieder ist eine von vielen im Heimatverein, die dafür sorgt, dass die Tradition über die Generationen in Neustadt/Spree erhalten bleibt. Gut so, den Kindern macht es immer wieder Spaß. Während die Ostereier die Rutsche hinunterkullerten, saßen Eltern und Großeltern bei Kaffee und Kuchen, gebacken von den Frauen des Heimatvereins, andererseits bei Steaks vom Grill und einem Bierchen gemütlich zusammen.

Aber was ist nun das „Waleien“ eigentlich? Nun, auf einem Parcours, auf einer abschüssigen Bahn, werden Ostereier abwärts gerollt – natürlich nicht einfach so, sondern nach festen Regeln: Zunächst legt ein Kind eines seiner Eier in eine Grube, die sich am Ende der Bahn befindet. Ein zweites Kind versucht, dieses Ei zu treffen, in dem es ebenfalls ein Ei die Bahn hinabrollen lässt. Gelingt ihm dies (und knickt das idealerweise noch die Schale des getroffenen Eies an), so erhält der „Werfer“ das Ei des ersten Spielers. Verfehlt er es, so bleibt das Ei neben seinem für diesmal verschont gebliebenen Ziel in der Grube und das nächste Kind ist an der Reihe. Das Spiel endet, wenn alle Eier in der Grube liegen – oder eben alle ihren neuen Besitzer gefunden haben. Auf einer hübschen 25-Pfennig-DDR-Briefmarke von 1982 ist dieses Spiel, sorbisch „Walkowanje“, in Szene gesetzt worden. Aber gepflegt wird es heute in der Hoyerswerdaer Gegend nur noch selten – etwa in Neustadt/Spree.

Vorbereiten auf 600 Jahre Spreewitz

Für den Heimatverein Neustadt/Spree e.V. war es der Auftakt zur Saison. Neben den gemeinsamen Radtouren der Vereinsmitglieder und dem 14-tägigen Tanzen für alle, die dazu Lust haben, bereitet sich speziell der Neustädter Sorbische Hochzeitszug auf das Jubiläum „600 Jahre Spreewitz“ vor. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Brautpaare zusammenzubekommen“, sagte der Vorsitzende des Heimatvereins, Stefan Krautz. „Auch bei uns wird die diesbezügliche Personaldecke immer dünner“. Geschuldet ist das Ganze der demografischen Entwicklung, die auch um Neustadt/Spree keinen Bogen macht. Die Einwohnerzahl ist rückläufig. „Deshalb freue ich mich jedes Jahr wieder, wenn unsere Jüngsten beim Ostereierwaleien viel Spaß haben“.