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Wieder Streit um Sodanns Bücher

Der Ex-Tatort-Kommissar hat einen Zuschuss für die Betriebskosten beantragt. Dazu gibt es jetzt einen Kompromiss.

© Arno Burgi/dpa

Von Jürgen Müller

Stauchitz. Daran gibt es wohl keinen Zweifel. Die DDR-Bibliothek des Schauspielers und früheren Tatort-Kommissars Peter Sodann hat den Ort Staucha bekannt gemacht. Deutschlandweit wurde auch in überregionalen Medien darüber berichtet, Besucher kommen in Bussen von überall her in den kleinen Ortsteil der Gemeinde Stauchitz. In der Bibliothek lagern fast eine halbe Million Bücher, aufgereiht in zehn Kilometer langen Regalen. Bücher, die zwischen 1945 und 1989 gedruckt wurden und in den Buchhandel kamen. Die Bibliothek, die vom „Verein zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945-1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur“ unterstützt wird, finanziert sich durch Eintrittsgelder und den Verkauf von Exemplaren, die mehrfach vorhanden sind.

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Doch diese Gelder reichen nicht aus, um die Unkosten zu decken. Deshalb wurde schon 2010 ein Vertrag zwischen der Gemeinde und Peter Sodann abgeschlossen, in dem festgelegt ist, dass der Verein bis zum 31. Dezember 2014 von der Zahlung der Betriebskosten befreit ist. Bis dahin sollte sich die Bibliothek selbst tragen und der Verein die Betriebskosten aufbringen. Doch das gelang nicht. Die Gemeinde einigte sich auf einen Kompromiss, deckelte den Zuschuss für die Betriebskosten – hauptsächlich handelt es sich um Kosten für das Heizöl – auf 5 000 Euro für die Jahre 2015 und 2016.

Doch im Vorjahr wurde erneut ein Antrag auf 5 000 Euro Zuschuss gestellt. Für das kommende Jahr möchte der Verein 2 000 Euro im Jahr aus der Vereinsförderung erhalten. Das Problem dabei: Für die Förderung ihrer Vereine hat die Gemeinde insgesamt nur 10 000 Euro im Jahr zur Verfügung. Deshalb soll die Förderung für den Verein zusätzlich zu den 10 000 Euro aus dem Haushalt bezahlt werden.

Beschlossen ist die neue Vereinsförderrichtlinie aber noch nicht. „Es war bisher auch schon so, dass der Verein der Bibliothek den Zuschuss aus dem Haushalt bekam“, so der Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert (parteilos). Im Gemeinderat ist man sich aber uneins über Geld für die Bibliothek, egal, aus welchem Topf das fließen soll. Gemeinderätin Christel Prusseit (FDP) ist strikt dagegen: „Herr Sodann macht das als Hobby, wieso sollten wir als Gemeinde dafür Geld geben?“, fragte sie. Schon vor längerer Zeit sei Herr Sodann gebeten worden, mal die Einnahmen und Ausgaben der Bibliothek aufzulisten und gegenüberzustellen. Das sei bis heute nicht geschehen. „Wir haben überhaupt keinen Überblick“, sagte sie.

Für einen Zuschuss von 2500 Euro, also der Hälfte dessen, was bisher gezahlt wurde, sprach sich Stefan Gleisberg aus: „Herr Sodann braucht Planungssicherheit.“ Auch Andre Geißler (CDU) ist ein strikter Befürworter. „Hut ab vor dem, was Herr Sodann trotz seines Alters von 82 Jahren leistet. Täglich ist er acht Stunden in der Bibliothek. Wir haben schon die Gewerbemesse verloren, die Markttage wurden reduziert. Wenn jetzt auch noch die Bibliothek wegfiele, können wir hier in Schönheit sterben“, sagte er. Bauamtsleiter Dirk Zschoke ist im Vorstand des Vereins. Er weiß, dass auch Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) in der Bibliothek tätig waren. Diese wurden über Zuschüsse finanziert. Die Zuschüsse seien weggefallen, Herr Sodann finanziere jetzt einen Arbeitsplatz aus eigener Tasche. „Es ist eine großartige Sache, dass wir die Bibliothek im Ort haben, Staucha ist dadurch bekannt geworden. Wenn Herr Sodann das nicht mehr macht, dann haben wir es an der Backe“, so Zschoke.

Der Gemeinderat einigte sich schließlich, dass es für das Jahr 2017 einen Zuschuss von 2 500 Euro für die Betriebskosten gibt. Danach werde die Bibliothek möglicherweise mit 2 000 Euro über die Vereinsförderung unterstützt.

Peter Sodann selbst ist ob der Diskussion verärgert und enttäuscht. Er will sich zum dem Thema nicht mehr äußern, war auch zur Gemeinderatssitzung nicht anwesend. „Was ich mache, finde ich sehr ehrenwert. Was man mit mir macht, ist eine Schande“, sagt der Schauspieler und frühere Intendant des Theaters Halle erst kürzlich gegenüber der SZ.

Sodann, der in Meißen geboren wurde und in Weinböhla aufwuchs, macht sich längst Gedanken, wie die Bibliothek einmal fortgeführt werden kann. Den Vereinsvorsitz hat er bereits abgegeben. Er möchte jetzt eine Genossenschaft gründen, sucht mindestens 100 Leute, die dieser Genossenschaft beitreten. Mit Anteilen und der Genossenschaft und durch Spenden soll die Bibliothek finanziert werden, so seine Vorstellung. Bis zu seinem 85. Geburtstag, also in knapp drei Jahren, will er das hinkriegen. Auf Zuschüsse der Gemeinde wäre die Bibliothek dann wohl nicht mehr angewiesen.