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Wiese für Wohnmobile

Rietschen will seit Jahren den Erlichthof für Caravans tauglich machen und ein Toilettengebäude bauen. Ein Projekt mit Tücken.

© André Schulze

Von Carla Mattern

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Der neue Erlichthofkalender mit der Jahreszahl 2016 ist zwar der aktuelle. Aber irgendwie der Zeit voraus. Er wagt ungewollt den Blick in die Zukunft. Auch auf der Internetseite der Schrotholzhaussiedlung, die zu einem virtuellen Rundgang einlädt, bekommen Neugierige mehr zu sehen, als tatsächlich da ist. Bei fast allen Gebäuden und Einrichtungen öffnet der Klick auf einen blauen Punkt nicht nur eine neue Seite mit Fotos der Handwerker- oder Übernachtungshäuser, der Gaststätten oder des Wolfsbüros, der Touristinfo oder des Museums-Gehöftes. Er informiert über Öffnungszeiten, Kontakte, Angebote, Veranstaltungen. Nichts tut sich dagegen bei dem Symbol für den Caravanstellplatz. Das ist normal, denn der Stellplatz ist bisher nur ein Projekt. Ein lange geplantes.

Das soll sich aber in diesem Jahr nun endlich ändern. Damit es dazu kommen kann, muss die Gemeinde Rietschen erst einmal Eigentümer des Grundstückes am Rietschener Feldweg werden. Das gehört dem Rietschener Johannes Mrusek. Er will nach Aussagen von Bürgermeister Ralf Brehmer aber nur verkaufen, wenn er im Gegenzug dafür andere Flächen bekommt. Ein reiner Flächentausch kommt aber nicht infrage, es müssen die betreffenden Grundstücke verkauft beziehungsweise gekauft werden. Ein bereits vor fünf Jahren angebahntes Geschäft sollte nun vollzogen werden. Im September 2011 hatte die Gemeinde mit dem Eigentümer einen Pachtvertrag abgeschlossen, in dem auch vermerkt war, dass auf dem Gelände ein Wohnmobilstellplatz errichtet werden soll. In einer Zusatzvereinbarung regelten die Verhandlungspartner, dass das Grundstück am Erlichthof gegen zwei Waldgrundstücke auf Rietschener Flur den Besitzer wechselt. Dabei ist bedacht worden, dass auch der Wert der Grundstücke etwa gleich ist.

So weit so gut. Doch gegen das Tausch-Kauf-Projekt verweigert das Landratsamt die Genehmigung. Der Grund: Der von der Gemeinde Rietschen veranschlagte Preis für den Wald wird als zu niedrig bewertet. Zwanzig Cent beziehungsweise 30 Cent je Quadratmeter hatte Rietschen angesetzt, genau den Preis, für den die Gemeinde die Flurstücke selbst erworben hatte. Das Amt fordert, den angesetzten Kaufpreis zu begründen oder ein Gutachten zum Flurstück in Auftrag zu geben, das klarstellt, warum der Preis gerechtfertigt ist. Den Aufwand nimmt die Gemeinde nicht auf sich. Sie reagiert aber auf den Hinweis aus dem Landratsamt und setzt den Preis herauf. Als Grundlage nutzt sie dazu eine Wertermittlung im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens aus dem vergangenen Jahr. Mit 41 Cent je Quadratmeter ist der Preis nun etwas mehr als doppelt so hoch beziehungsweise um elf Cent höher.

Doch was sagt dazu der Käufer? „Johannes Mrusek möchte genauso finanziell und flächenmäßig gestellt sein, wie es in der Vereinbarung 2011 festgeschrieben wurde“, so die Rietschener Kämmerin Sigune Hilke, die mit ihm verhandelt. Um das Projekt Wohnmobilstellplatz nicht ganz abzusagen, muss die Gemeinde nun also mit dem Eigentümer neu einig werden. Der Sache dienlich ist, dass der Eigentümer der Fläche am Feldweg in den vergangenen Jahren seine Vorstellung änderte. Er möchte jetzt ein Flurstück in Teicha haben, welches die Gemeinde 2007 gekauft hatte. Da sich alle einig sind, dass das Geschäft über die Bühne gehen soll, wurde in der jüngsten Sitzung nun der Gemeinderat informiert. Die Gemeinde zahlt für das Grundstück am Erlichthof rund 6 500 Euro an Johannes Mrusek, der wiederum kauft Gemeindewald im Wert von rund 6 700 Euro. Um die Grundstücksangelegenheiten kümmert sich der Bürgermeister, die Kosten dafür zahlt die Gemeinde. Wie Ralf Brehmer am Mittwoch auf Nachfrage sagte, liegen die Unterlagen beim Notar.

Guter Dinge ist Ute Thielsch vom Rietschener Bauamt. Ende Februar rechnet sie mit der Zusage für die beantragten Fördermittel. Dann steht dem Bau des Wohnmobilstellplatzes nicht mehr viel im Wege und in diesem Jahr stimmt dann irgendwann auch die Eintragung im Erlichthof-Kalender, was den Caravanstellplatz betrifft. Von vornherein erst für nächstes Jahr geplant sind die zu dem Projekt gehörenden zwei weiteren Objekte. Denn zum Stellplatz gehört ein Sozialgebäude mit Duschen, Toiletten und Aufenthaltsraum. Und an dem Erlichthof-Parkplatz, wo auch die Reisebusse halten, soll ein Toilettengebäude entstehen. „Es wird Zeit, dass was passiert. Wir überbrücken das schon viele Jahre, denn die eine öffentliche Toilette befindet sich in der Theaterscheune“, sagt Marion Girth von der Natur- und Touristinformation im Erlichthof.