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Wiesen in Gefahr

Seltene Pflanzen zu schützen, ist schwieriger geworden – vor allem durch Konstruktionsfehler in den Förderprogrammen.

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© Manfred Müller

Von Manfred Müller

Kraußnitz. Die Motorsense knattert, während ein gutes Dutzend Naturfreunde auf der Kraußnitzer Finkenmühlenwiese mit Rechen und Heugabeln zugange ist. Auf der kleinen Lichtung nahe dem Linzer Wasser gedeiht das Knabenkraut, eins der wenigen Orchideengewächse, die in Mitteleuropa heimisch sind. Da das Knabenkraut sehr selten geworden ist, steht es streng unter Naturschutz. Damit Gras und Büsche die Orchideen nicht überwuchern, muss die Feuchtwiese hin und wieder gemäht werden. Nur so bekommen sie genügend Licht, um ihre purpurroten Blüten gen Himmel recken zu können. Auch für Amphibien und Reptilien ist die Finkenmühlenwiese ein idealer Lebensraum. Hier geben sich Laubfrösche, Erdkröten und Blindschleichen ein Stelldichein; Ringelnattern gehen auf Beutezug.

Die Finkenmühlenwiese befindet sich im Eigentum des Nabu-Regionalverbandes „Großenhainer Pflege“, und der mobilisiert seine Mitglieder mehrmals im Jahr zur Biotoppflege. „Bei kleinen Flächen wie dieser hier bedeutet das Handarbeit“, erklärt Verbandschef Lutz Runge. „Aber die Wiese ist wirklich ein Edelstein der Natur – da lohnen sich ein paar Schweißtropfen.“ Bei allen Bemühungen um die Tierwelt wird oft vergessen, dass auch viele Pflanzen selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht sind. Und dass sie – sei es als Lebensraum oder Nahrungsgrundlage – die Basis eines funktionierenden Biotops bilden. Deshalb hat der Nabu seit den 1990er Jahren in der Region fast 200 Hektar an Flächen erworben. Vor allem im Linzer Teichgebiet, im Seußlitzer Grund und in der Gävernitzer Heide werden seitdem Teiche und Bäche in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt, Wiesen gemäht und Wanderwege instand gehalten.

Aber die Pflege solcher für den Naturschutz relevanten Flächen wird immer schwieriger. Zum einen, weil sich immer weniger Enthusiasten finden, die bereit sind, mal einen Sonnabend für einen Arbeitseinsatz zu opfern. Zum anderen haben sich auch die finanziellen Rahmenbedingungen geändert. Gab es früher eine projektbezogene Förderung aus verschiedenen Natur- und Umweltfonds, so sind die Gelder heute an die Agrarförderung gebunden. „Die aber ist ein fürchterliches bürokratisches Monster“, sagt Lutz Runge. „Man muss die Flächen auf den Quadratmeter genau ausmessen, sonst läuft man Gefahr, die Fördermittel später zurückzahlen zu müssen.“

Ausufernde Bürokratie

Im Grunde sollen die EU-gesteuerten Beihilfen Landwirte dazu bewegen, ihre Flächen nicht überall intensiv zu bewirtschaften, sondern der Natur mehr Raum zu geben. Eigentlich eine gute Sache. Nur dass der Naturschutz dadurch wirtschaftlichen Zwängen und einer ausufernden Bürokratie unterworfen wird. „Mit dem Gras auf der Wiese hier kann man nun mal keine Hochleistungskuh füttern“, beschreibt Lutz Runge die Situation. Der Nabu-Regionalchef verweist auf das nach wie vor schwelende Konfliktpotenzial zwischen Naturschutz und Landwirtschaft.

Auch Sachsens Grüne kritisieren, dass die Biotoppflege durch nicht praxistaugliche Förderprogramme nahezu vollständig blockiert wird. „Die Erstellung der Richtlinien erfolgte ohne die Einbeziehung von Naturschutzpraktikern“, erklärt der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion Wolfram Günther. Sie hätten sich im Wesentlichen als nicht anwendbar erwiesen, und das damit ausgelöste Finanzierungschaos bringe Vereine und Naturschutzstationen an den Rand ihrer Existenz.

Günther ist überzeugt, dass die Biotoppflege in Förderprogrammen, die eigentlich der Agrarförderung dienen, nicht sinnvoll untergebracht ist. Die größten Probleme ergeben sich aus den langen Wartezeiten auf die Auszahlung der voraus finanzierten Pflegemaßnahmen. „Für einen privaten Naturfreund oder einen ohne Gewinnerzielungsabsicht arbeitenden Verein ist eine Vorfinanzierung von Naturschutzmaßnahmen von regulär mindestens zehn Monaten nicht zu leisten“, so Günther. Deshalb haben die Grünen den Freistaat aufgefordert, die Biotoppflege nicht allein den Unwägbarkeiten der EU-Förderung zu überlassen, sondern ein unkompliziertes und schnell wirksames Instrument aus Landesmitteln einzurichten. Außerdem sei es sinnvoll, ein landesweites Netz von Naturschutzstationen einzurichten, das die wichtigsten Biotoppflege- und Naturschutzmaßnahmen absichert.