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Wiesnhits und Singapuris

Beim Oktoberfest des neu gegründeten Rietschener Kulturvereins spielen Bayern auch für Soldaten auf.

© André Schulze

Von Carla Mattern

In Rietschen haben Enthusiasten einen neuen Verein gegründet - einen Kulturverein! Das ist so ähnlich ungewöhnlich wie die Aktion der Stadt Niesky vor wenigen Jahren, die ihr Museum um ein zweites Gebäude erweiterte, es ausstattete, eine weitere Museumsmitarbeiterin einstellte und eine sehenswerte Dauerausstellung kreierte.

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Aber was ist schon gewöhnlich an dem kleinen Rietschen? Dem Ort, der sich rühmen kann, zwischen Weißwasser und Niesky das einzige Kino weit und breit zu haben. Wenngleich natürlich der Kinoverein große Sorgen hat, wie es personell machbar ist, auch wochentags Filme zu zeigen. Oder auch die Anstrengungen der Gemeinde groß sind, der das Kino gehört, und die richtig viel Geld in die Hand nehmen muss, um das Kinogebäude zu sanieren.

Nun also ein Kulturverein für Rietschen. Ein bisschen entzaubern die Gründungsmitglieder ihr Projekt mit diesem Satz: „Ein neuer Verein in Rietschen widmet sich einer schon älteren Aufgabe.“ Und diese ältere Aufgabe hat erst einmal wenig mit Hoch-Kultur zu tun. Denn womit sich die Gründungsmitglieder um den Vereinsvorsitzenden Tilman Havenstein mit Hochdruck gekümmert haben beziehungsweise kümmern, ist das Oktoberfest. Nicht das Münchner mit seinen horrenden Bier- und VIP-Lounge-Preisen und der Anziehungskraft bei Touristen und Prominenten in aller Welt. Nein, sie wollen das Rietschener Oktoberfest wiederbeleben. Das soll klein sein, aber oho, das sagen jedenfalls begeistert Leute, die da schon feiern waren. Und viele von diesen Rietschener Oktoberfest-Fans haben im Oktober das Datum im Kalender dick angestrichen und zwar Jahr für Jahr für Jahr.

Aber dann die traurige Tatsache: Drei Jahre lang fielen das Bierzapfen aus, die Blasmusik, der Frühschoppen - eben die Oktoberfestgaudi in Rietschen. Der Daubitzer Tilman Havenstein bezeichnet das als drei Jahre Abstinenz und findet ernüchternd treffende Worte. Nun ist ja der kleine Ort am Rande des Truppenübungsplatzes nicht gerade arm an Feiern, die sich sehen lassen können. Und weit und breit ihresgleichen suchen. Was fällt da ein, erst recht im Zusammenhang mit dem Namen Havenstein? Das Countryfest im Daubitzer Mini-Ortsteil Walddorf. Dort liegt die Forest Village Ranch mit ihren vielen Festen im Jahreslauf für die Countrymusikliebhaber, die Trucker, die Linedancer, die Westernreiter, die Whiskybegeisterten und Saloongänger, die Biker, die Bisonbewunderer - und nicht zu vergessen: die Karnevalverrückten. Und nicht nur Daubitz feiert gut und gerne. Im Rietschener Erlichthof reiht sich ein Themenfest ans andere, gerade erst kamen wieder Tausende zum Natur- und Fischerfest, in Hammerstadt und Neuliebel werden Hof- und Familienfeste vorbereitet, Straßenfeste in Werda ...

Aber was vielen fehlte, das war das Oktoberfest. Ivonne Walter ist eines der Gründungsmitglieder des neuen Kulturvereins und sieht das so: „Die Familie Walter und der Getränkebetrieb waren immer beteiligt. Nach dem neunten Oktoberfest hat sich gezeigt, dass es ein neues Konzept braucht und mehr Schultern, die das tragen. Es freut mich, dass das jetzt der Fall ist“, sagt sie. Bei fast allen Oktoberfesten mitgefeiert hat Patrick Schultze. Er ist der neue Inhaber des Hähnichener Unternehmens Schwarz-Reisen und auch ein Gründungsmitglied des Kulturvereins. „Es hat mich geärgert, dass das Oktoberfest nicht mehr stattfand. Dann wurde ich angesprochen und freue mich, dass ich helfen kann“, sagt Patrick Schultze.

Beim Jubiläumsfest werden sie nicht kleckern, sondern klotzen. Zum Beispiel an zwei Tagen spielen die „Büchenbacher Musikanten“ aus Bayern im Festzelt auf, zum Oktoberfest am 21. Oktober und zum Frühschoppen mit schlesischem Schlachtschüsselessen am 22. Oktober. Dann werden bei Wiesnmusik auch Soldaten feiern. Auf dem Truppenübungsplatz sind Singapuris, zu der Zeit im Oktober, und es gab die Frage von der Kommandantur, ob auch sie Tickets bekommen können, erzählt der 49-jährige Tilman Havenstein. Denn auch zum Truppenübungsplatz bestehen Kontakte, beispielsweise über das sehr gut angenommene Tränkefest. Künftig das Organisieren dieses Festes zu unterstützen, anderen Vereinen unter die Arme zu greifen, historisches Material aufzuarbeiten, auch solche Aufgaben können sich die Kulturvereinsleute vorstellen. Aber erst nach einem gelungenen zehnten Rietschener Oktoberfest.

21./22.10. Oktoberfest und Frühschoppen; Vorverkauf Tickets: 30.9., 7.10., 9-12 Uhr, Rietschen, Ladestraße 9