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Wilde Gärten sollen weichen

Anwohner sollen Platz für eine geplante Straße machen – dabei ist noch völlig offen, wann sie überhaupt gebaut wird.

© Lutz Weidler

Von Eric Weser

Wülknitz. Sie sind das kleine Stück Idylle hinterm Reihenhaus: In Wülknitz haben sich Anwohner der Straße Am Fußweg kleine Gärten angelegt. Mit Trampolinen, Wäschespinnen oder kleinen Schuppen, abgegrenzt durch Hecken und Zaunsfelder. Doch was nach einem normalen Stück Grünanlage aussieht, dürfte dort gar nicht existieren.

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So zumindest sieht es die Gemeinde. Schon seit Jahren sind Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) die Zustände ein Dorn im Auge. Er spricht von „baulichem Wildwuchs“. Die Gärten seien schlicht widerrechtlich entstanden. Der Gemeindechef stützt sich auf den Bebauungsplan für das Wohngebiet. Auf Papier legen solche Pläne fest, wo Gebäude stehen dürfen oder wo sich Grünflächen, Straßen oder Gehwege befinden können. Diese Vorgaben sind für die Flächeneigentümer bindend. Und genau darin besteht in Wülknitz das Problem. Denn dort, wo jetzt die Gärten liegen, soll laut Bebauungsplan eigentlich eine Verkehrsfläche sein – eine Straße.

Diese Straße ist aber bisher nicht entstanden. Denn so lukrativ, wie sich die damaligen Investoren das bei der Entstehung in den 1990er Jahren dachten, war das Baugebiet nicht. Die Erschließung geriet ins Stocken, der Vorhabenträger ging pleite. Wo eigentlich die Straße plus zwei weitere Reihenhaus-Blöcke hätten entstehen sollen, blieb eine Brache.

Die sei mit der Zeit zur illegalen Müllkippe geworden, sagt Johann Schmidt von der Firma Normbau aus Bielefeld. Dem Unternehmen gehören die Flächen, um die es bei der ganzen Angelegenheit geht. Aus Schmidts Sicht ist es ein Vorteil für das Wülknitzer Ortsbild, dass es die Gärten gibt. Ohne die Pflege der Hausbewohner würde es dort schlimm aussehen. Dass die Gemeinde auf den Festlegungen des Bebauungsplans besteht und deren Rückbau fordert, dafür hat er kein Verständnis.

Gemeindechef Hannes Clauß kennt die Verteidigungsreden für die wilden Gärten auch von den Bewohnern der Reihenhäuser. Doch der Gemeindechef will in der Sache nicht nachgeben. Er wolle der wilden Gärtnerei den Riegel vorschieben.

Hindernis für Vermietung

Der Zustand soll sich nicht verfestigen und eine Art Bestandsschutz erhalten. Clauß führt außerdem die Sorgen einer Reihenhaus-Eigentümerin an. Die bekomme ihre Immobilie nicht vermietet, weil der unzulässige Garten des Nachbarn so groß sei und dessen Hund dort frei umherlaufe.

Nun also will die Gemeinde Nägel mit Köpfen machen. Mit deutlicher Mehrheit hat der Gemeinderat dafür votiert, die Vorgaben aus dem Bebauungsplan durchzusetzen. Notfalls mit der Drohung von Ordnungsgeld, im krassesten Fall mit einer Ersatzvornahme. Das würde den Rückbau der Gärten auf Kosten des Flächeneigentümers bedeuten.

Derart eskalieren soll die Sache aber eigentlich nicht. Stattdessen sollen Gespräche mit dem Eigentümer beginnen, damit der die wilden Gärtner zum Rückbau animiert. Mehr noch: Auch über einen Verkauf der Brachflächen an die Gemeinde will man reden. Für den Fall, dass ein solcher Handel zustande kommt, will die Kommune die einst für die Reihenhaus-Bebauung vorgesehenen Flächen als Standorte für Eigenheime vermarkten.

Damit das funktioniert, müsste auch die derzeit nur auf dem Papier vorhandene Straße gebaut werden. Was die Gemeinde nach eigenem Bekunden auch machen würde. Johann Schmidt vom Flächeneigentümer Normbau sagt, er sei grundsätzlich zu Gesprächen bereit.

Die wilden Gärten in Wülknitz werden wohl weichen müssen.