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Wilder Schnittlauch am Elbufer

Am Spülsaum und auf den Deichen wächst die Pflanze – manche denken, sie ist giftig.

Von Udo Lemke

Landkreis. Da, wo die allermeisten anderen Pflanzen kapitulieren müssen, lässt er sich nieder: Auf den mit Sandstein gepflasterten Ufern an der Elbe, ja selbst ein Dach an der Elbklause in Niederlommatzsch hat er besiedelt – der Wilde Schnittlauch. Was ihn dazu befähigt, erklärt Karin Bernhardt, die Sprecherin des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, so: „Er ist als Zwiebelpflanze an karge Lebensbedingungen angepasst und verträgt auch eine zeitweise Austrocknung der Standorte. Deshalb kann er auch versteinte Uferbereiche bzw. Uferbefestigungen besiedeln.“

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Und das tut der Wilde Schnittlauch am gesamten Elbelauf in Deutschland von der Sächsischen Schweiz bis nach Hamburg. Aber er ist auch im Gebirge, etwa in den Alpen, heimisch. „Natürliche Vorkommen des Schnittlauchs gibt es auf zeitweise feuchten Schotterflächen und steinigen Quellbereichen im Gebirge, teilweise auch auf wechselfeuchten Wiesen sowie auf Schotterflächen, Kies- und Schlämmbänken und in versteinten Bereichen an den Ufern großer Flüsse. Er wird deshalb auch als Stromtalpflanze bezeichnet.“ In Sachsen sind seine natürlichen Vorkommen auf das Elbtal beschränkt. „Möglicherweise wurde er bei der Befestigung der Elbufer im 19. Jahrhundert auch zusätzlich bewusst ausgesät.“

Wilder Schnittlauch ist essbar und nicht giftig, wie manche meinen. Verwendet werden die in unserer Region bis zu 30 Zentimeter langen grünen im Querschnitt runden, röhrenförmigen Laubblätter mit einem Durchmesser von zwei bis sechs Millimetern. Der lateinische Name des Wilden Schnittlauchs ist Allium schoenoprasum. Allium heißt Lauch und schoenoprasum setzt sich aus den griechischen Wörtern schoinos für Binse und prason für Lauch zusammen, was also Binsen-Lauch heißt, was sich auf die Form der Blätter bezieht. In der Küche kann man den Wilden Schnittlauch als Würzbeigabe für Salate, Pestos, Brotaufstriche oder Omelette verwenden. Allerdings ist sein Geschmack viel intensiver als der seiner kultivierten Verwandten, die es im Laden zu kaufen gibt. Er ist zwiebelartig, das Aroma liegt zwischen dem des Gartenschnittlauchs und dem des Knoblauchs. „Deshalb ergänzt das Kraut ideal Quarks und Gemüse, kann in selbst gemachter Kräuterbutter verwendet werden und bildet eine wichtige Zutat in Wildkräutersalz.“

Außerdem lassen sich mit den abgezupften Blüten grüne Salate und andere Spreisen dekorieren. Wilder Schnittlauch bildet unter der Erde eine dünne Zwiebel von eiförmiger bis zylindrische Form mit einen Durchmesser zwischen einem halben und einem Zentimeter aus. Diese Zwiebeln können sich unterirdisch vegetativ vermehren und so Tochterzwiebeln bilden, weshalb der Wilde Schnittlauch oft vielblättrige Horste bildet, die Gebiete flächendecken besiedeln können. Dass auch unscheinbare Pflanzen mit ihren Wurzeln festes Gestein sprengen können, ist bekannt. Und wie verhält es sich mit dem Wilden Schnittlauch? „Nach unserem Kenntnisstand kommt es zu keiner Schädigung der Uferbefestigungen“, so Landesamtsprecherin Karin Bernhardt.

Das bestätigt Klaus Kautz, der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Dresden, dass die Elbe als Bundeswasserstraße für den Bund betreut: „In unseren Augen richtet er keinen Schaden an den Anlagen an.“ Neben seiner Verwendung als Küchenkraut hat der Schnittlauch noch einen weiteren Nutzen.

Die rosa bis lila leuchtenden Blütenkugeln bieten Bienen und anderen Insekten Nektar und Pollen. Wenn der Wilde Schnittlauch an der Elbe blüht, ist das außerdem ein Genuss fürs Auge.