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Wildschweine sollen draußen bleiben

Die Stadt Pulsnitz will mit einer Eilentscheidung das Stadtbad vor noch Schlimmerem bewahren.

Von Reiner Hanke

Pulsnitz. Es ist schon eine ziemliche Sauerei: Seit Mitte Oktober hat die Stadt Pulsnitz noch eine Baustelle mehr. Es ist das Naturbad Walkmühle. Das hat eine Rotte Wildschweine verwüstet, vermutlich mehrfach. Besonders schlimm erwischte es den Sportplatz, den das Schwarzwild regelrecht umpflügte. Aber auch die Liegewiese hat gelitten, wie CDU-Stadtrat Alexander Seifert jetzt anmerkte. Zum Beispiel im Bereich des Sprungturmes. Die Stadt schätzte den Schaden auf einen mittleren vierstelligen Betrag. Aber das ist nur eine Seite. Die andere, wie das Treiben der Wildschweine unterbunden werden kann. Eine Jagderlaubnis sei erteilt worden. Bisher habe er aber noch keine Erfolgsmeldung erfahren, lässt Kay Kühne, der Fachbereichsleiter Bau, wissen. Freilich könne es sein, dass das Freibad erst einmal abgegrast ist und die Tiere nicht so bald wiederkehren. Dafür gebe es aber keine Garantie. Genauso könne es anders kommen.

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Mit seinem vielfältigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm ist es ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus aller Welt. Es ist viel mehr als nur ein Museum.

Fakt ist: Die Schweine sind unerwünschte Gäste und sollen vom Badbesuch ausgeschlossen werden. Also wäre ein Zaun die effektivste Methode zum Schutz vor den Schwarzkitteln. Den gibt es bisher nur in Teilen. An anderen Stellen fehlt der Zaun oder ist kaputt. Bevor es aber Sinn habe, den Rasen instand zu setzen, müsse das Gelände sicher sein. Ein Wildzaun, wie ihn die Stadt zuerst ins Auge gefasst hatte, genüge wohl nicht, um Wildschweine wirksam fernzuhalten, sagt Kay Kühne und beruft sich auf Aussagen von Fachleuten. Das Bauressort habe sich umgehört. So gebe es nun das Angebot eines Zaunbauers aus Ottendorf-Okrilla. Dem sei ein Auftrag weggebrochen. Er könnte quasi unverzüglich loslegen. Zu bauen seien um die 500 Meter Zaun, vielleicht etwas mehr. Das Angebot liege bei 39 000 Euro, ein akzeptabler Preis, hätten Vergleich ergeben. Und die Chance, das Gelände relativ schnell dicht zu kriegen, mit einem feuerverzinkten Gitterzaun. Dann könnte auch zügig mit der Rasensanierung begonnen werden, damit im Mai die Gäste anrücken können. Per Eilentscheidung sei das alles noch möglich, wenn der Stadtrat die entsprechende Rückendeckung gebe. Dem kam die Sache am Montag mehr am Rande unter „Sonstiges“ etwas überraschend auf den Tisch. Mit der Investition würde die Stadt zugleich verhindern, dass sich Badegäste den Eintrittspreis sparen, weil sie die Schlupflöcher kennen und nutzen. Außerdem kam das Gespräch auf eine Verkleinerung des Sportplatzes, um dort weitere Parkmöglichkeiten zu schaffen. Es werde an Sommertagen oftmals eng am Bad. Dieser Vorschlag war nicht neu, fiel aber durch. Die Kinder sollten ihren Platz zum Kicken behalten. Denn auf der Liegewiese sei das ja auch nicht gern gesehen. Zur Debatte steht aber noch eine Erweiterung des Parkplatzes.

Manchem Stadtrat ging die Zaunentscheidung vielleicht etwas zu schnell. Vielleicht wäre es besser, im Frühjahr zu bauen. Jetzt könne der Winter hereinbrechen. Dann bleibe alles liegen. Im Frühjahr könnte es dann jedoch mit der Rasensanierung eng werden, fürchtet die Stadtverwaltung. Und der Zaun werde im kommenden Jahr auch nicht billiger, gab ein Stadtrat zu bedenken. Gestern versicherte Bauressortchef Kay Kühne gegenüber der SZ, er habe mit der Baufirma Rücksprache genommen: Der Bautrupp könne kommenden Montag anrücken. Der Zaun würde innerhalb von zwei Wochen stehen. Vom Rat gab es letztlich Rückendeckung für die Eilentscheidung, um weitere Schäden vom Naturbad abzuwenden. Den Rasen wolle sich dann der Bauhof annehmen. Zumindest im Bereich der Liegewiese sollte das kein Problem sein, schätzt Kay Kühne ein. Etwas schwieriger sieht es mit dem tief aufgewühlten Sportplatz aus. Dort wurde offenbar in der Vergangenheit Kohlenstaub aus dem früheren Pulsnitzer Elektrizitätswerk abgelagert. Der dunkle schwarze Dreck sei zutage gekommen und müsse wieder verdichtet werden. Eventuell wolle sich die Stadt in dem Bereich Unterstützung holen.