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Wildschweine wüten in Krippen

Die Schäden durch die Schwarzkittel sind dieses Jahr besonders hoch. Das könnte am Wetter liegen.

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Von Lars Kühl

Wildschweinrotten, die sich auf Obstwiesen austoben und sich Privatgrundstücke vornehmen, um sie kräftig umzuwühlen, sind seit Jahren keine Seltenheit. Aber das, was bei Joachim Zänker und seinem Nachbarn Jens Laubrich in den vergangenen Wochen umgegraben wurde, hat bisher ungeahnte Dimensionen erreicht.

Die zwei Grundstücke in Hanglage an der Friedrich-Gottlob-Keller-Straße in Krippen kurz vorm Abzweig nach Kleinhennersdorf sind völlig verwüstet. Joachim Zänker will sich nicht vorstellen, wie es hier aussah, als die Schwarzkittel wüteten. Der 68-Jährige wohnt in Alzey/Rheinland-Pfalz. Auf dem Familiengrundstück im Bad Schandauer Ortsteil hat er inzwischen zwei Ferienwohnungen für maximal sechs Leute. Für die obere befindet sich der Eingang hinter dem Haus, also in unmittelbarer Nähe zur umgepflügten Wiese.

„Wenn meine Gäste abends kommen und so eine Horde dann vor ihnen steht – na schönen Dank!“, malt sich Zänker ein Zusammentreffen aus. Zudem hätten seine Besucher auch Zugang zu einem Schuppen neben der Wiese, in dem sie Lebensmittel lagern können.

Chemikalie zum Schutz

Auf dem Nachbargrundstück, das seinem Cousin Jens Laubrich gehört, sieht es genauso schlimm aus: von Wildschweinen zerfurchte Erde bis an die Hausterrasse ran. Offensichtlich haben sich die Tiere unter dem aufgestellten Zaun durchgewühlt, erklärt Zänker. Seit Ende der 1990er stellt er die ungebetenen Gäste fest, doch so schlimm wie dieses Jahr sei es noch nie gewesen. „Es wird immer häufiger, immer tiefer, und die kommen immer näher an die Häuser ran.“

Zuletzt hatte Zänker auf Anraten eines befreundeten Jägers mit dem Mittel Armacol getränkte Lappen oberhalb des Grundstückes verteilt. Ob es wirkt, weiß er nicht. „Und es stinkt furchtbar, das kann man eigentlich keinem zumuten.“ Der nächste Schritt für ihn wäre ein Elektrozaun. „Aber das ist ja auch ein Kostenfaktor.“

Mit Unterstützung vom Landratsamt kann er nicht rechnen, wie Mario Kusch, zuständiger Referatsleiter, mitteilt. „Schäden durch Schwarzwild können nur durch konsequente Minimierung der Population verringert werden“, sagt er. Dafür seien die Jagdpächter in Absprache mit der Jagdgenossenschaft verantwortlich.

In Krippen ist das laut Auskunft des Landratsamtes die Jagdgenossenschaft Reinhardtsdorf. An die hat sich Zänker gewandt. Der gebürtige Dresdner ist alle paar Wochen in Krippen und schaut nach dem Rechten. Früher habe er die wildschweingeplagte Wiese gleich wieder in Ordnung gebracht. Doch inzwischen kann er das nicht mehr selbst leisten. Deshalb muss Zänker einen Hausmeister beauftragen. Das verursacht Zusatzkosten. Die will Zänker nicht mehr ohne zu Murren zahlen. Deshalb die Bitte an die Jagdgenossenschaft, Wildschweine zu schießen. Doch das ist nicht so einfach: Denn auf Flächen, wo Menschen wohnen und sich aufhalten, darf aus Sicherheitsgründen nicht gejagt werden.

Weiter oben, auf den Hängen, ist das Gelände so unwegsam, dass die Jäger kaum ran kommen, erklärt Jagdvorsteher Henryk Schultz. Auf keinen Fall mit dem Auto, um das geschossene Wild zu bergen. Dazu kommt, dass die Gebiete oberhalb von Krippen alte Steinbrüche mit gefährlichen Abbruchkanten sind.

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass es durch die extremen Witterungsbedingungen besonders viele Eicheln und Bucheckern gibt. Die Wildschweine haben viel Nahrung, brauchen aber als Ergänzung auch viel Eiweiß. Das finden sie vor allem in Insekten, die sie aus dem Boden wühlen. „Wildschweine zieht es dorthin, wo relativ leicht Nahrung zu beschaffen ist“, sagt Schultz und meint die Grundstücke der Menschen. Er rät den Betroffenen, einen richtigen Wildzaun, so wie beispielsweise bei den Obstplantagen in der Nähe von Krietzschwitz, aufzustellen. Die müssen im Boden eingegraben oder im unteren Bereich mit einer Querstange versehen sein.

Joachim Zänker macht allerdings noch ein ganz anderer Aspekt zu schaffen. Die Wildschweinrotten wurden schon mehrfach am Waldesrand beobachtet. Auf Pfaden, die von Sandsteinbrocken gesäumt sind. Treten die Tiere da drauf, fürchtet Zänker, dass die Steine dann den Hang hinunter rollen könnten. Ein neue Gefahr droht.