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Wildtiere fühlen sich in Sachsens Städten immer wohler

Biber, Otter und Marder haben längst keine Scheu mehr, sich auch in dicht bewohnten Gebieten häuslich niederzulassen.

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Von Anika Kreller

Leipzig. Marder unter Motorhauben, Füchse auf Friedhöfen, Waschbären in Wertstofftonnen – die Wildtiere haben Sachsens Großstädte erobert. Viele Arten entdecken die urbanen Gebiete als Lebensraum und fühlen sich offensichtlich wohl. „Bei einigen Wildtieren nimmt der Bestand in den Ballungsgebieten seit einigen Jahren ständig zu“, sagt Thomas Rother vom Staatsbetrieb Sachsenforst in Pirna. „Vor allem Füchse, Marder und Waschbären breiten sich aus. Sie gehören inzwischen zur Normalität in den Städten.“

Leerstehende Häuser, Keller, Parkanlagen, Kleingärten – das menschliche Umfeld bietet den Tieren zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten. Vor allem vor natürlichen Feinden und jagenden Menschen sind sie in den Städten sicherer als in der Wildnis. Auch das ganzjährige Nahrungsangebot lockt die Tiere an. So verzeichnen Chemnitz und Leipzig seit einigen Jahren wachsende Bestände an Füchsen; in Dresden ist die Zahl der Tiere seit 2004 zumindest konstant.

„Allein in Leipzig leben derzeit über 200 Fuchspaare, die gemeinsam Junge großziehen“, sagt Leonhard Kasek vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Aber auch andere Waldbewohner sind auf dem Vormarsch. „Die Messestadt ist ebenso flächendeckend mit Waschbären versorgt“, ergänzt der Vorsitzende des Kreisverbandes Leipzig. „Und sie breiten sich weiter aus.“ Auch in Dresden und Chemnitz nimmt die Zahl der Tiere seit einigen Jahren beständig zu.

Auch Nutria wandern ein

Fuchs und Waschbär sind nicht die einzigen Wildtiere, die sich mittlerweile auch in der Stadt zu Hause fühlen. „In sächsischen Städten leben über 50 Säugetierarten“, erklärt Michael Meyer, Wildtierzoologe am Naturkundemuseum Leipzig. „Darunter sind auch viele nicht-heimische Arten, wie Mink oder Nutria, die erst durch Pelzfarmen hierher gelangt sind.“ Hunderte Insekten- und Vogelarten zogen mit.

Laut Kasek muss ein Tier drei Voraussetzungen erfüllen, damit es sich in der Stadt ausbreiten kann: Es sollte ein breites Nahrungsspektrum haben, darf nicht zu groß und muss möglichst anpassungsfähig sein. „Fuchs und Waschbär sind beispielsweise sehr gut für das Stadtleben geeignet“, schildert er. „Sie sind Allesfresser und passen ihr Verhalten leicht an die Umgebung an.“ Statt einen Bau zu graben sucht sich der Fuchs in der Stadt bereits vorhandenen Unterschlupf. Der Waschbär wird vom Einzelgänger zum Herdentier, um besser an Nahrung zu kommen. „Eine Mülltonne lässt sich zu dritt eben leichter umwerfen“, sagt Kasek. (dpa)