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Will jemand dem Dreieckrennen schaden?

Eine anonyme Anzeige gegen den MSC-Verein sorgt für Unruhe im Zittauer Gebirge. Verein und Polizei halten dagegen.

© SZ-Archiv/Sampedro

Von Holger Gutte

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Ein anonymer Brief sorgt für Wirbel unter Motorsportfreunden. Der unbekannte Absender hat ihn als Anzeige verschickt. Der Brief richtet sich gegen den Vorstand des „MSC Oberlausitzer Dreiländereck“, vor allem aber gegen den Vorsitzenden des Vereins. Gegen den 50-jährigen Betreiber eines Versicherungs-Maklerbüros in der Neustadt in Zittau läuft seit einigen Monaten ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Görlitz wegen des Verdachts der Veruntreuung. Der Mann soll Gelder, die er zugunsten seiner Kunden bekam, nicht an diese ausgezahlt haben.

Der Verfasser der anonymen Anzeige fragt nun, wie beim MSC die Spenden verbucht werden und ob es dafür Spendenbescheinigungen gab. Er fragt sich auch, ob die Vereinsmitglieder eventuell für entstandene finanzielle Schäden haften müssen, und ob der Verein Schwierigkeiten mit Sponsoren bekommt? Es heißt, mehrere Mitglieder des MSC sollen die Anzeige verfasst haben. Das jedoch glauben Stefan Fiedler und Peter Liersch nicht. Die beiden gehören dem Vereinsvorstand an, Stefan Fiedler ist sogar stellvertretender Vorsitzender des MSC. „Das Ermittlungsverfahren gegen ihren Vereinsvorsitzenden hat nichts mit dem MSC zu tun, versichern sie. Es richtet sich einzig und allein gegen ihn als Versicherungs-Makler. Weil der Makler den Verein da nicht mit hineinziehen will, habe dieser sofort seinen Vorsitz niedergelegt, schildert Stefan Fiedler.

Keiner der Vereinsmitglieder hat sich bisher an den Vorstand gewandt oder Bedenken geäußert, weil er solche Befürchtungen hatte, wie sie in der Anzeige geschildert werden. Für Stefan Fiedler und Peter Liersch deuten mehrere Anhaltspunkte darauf hin, dass die Anzeige nicht von einem Vereinsmitglied stammt. Denn der würde in einer Anzeige den Vereinsnamen nicht falsch schreiben. „Schon seit drei Jahren gehen bei uns solche anonymen Anzeigen ein“, sagt Stefan Fiedler. Die beiden Vorstandsmitglieder wollen auch nicht spekulieren, ob hier jemand dem Verein MSC Oberlausitzer Dreiländereck schaden will oder einer bestimmten Person. „Wir können mit ruhigem Gewissen sagen: Mit dem Verein haben die Anschuldigungen nichts zu tun“, erklären sie.

Die Finanzen werden, wie bei einem Verein üblich, jedes Jahr bei der Kassenprüfung offengelegt. Und es wird nicht nur intern im Verein geprüft, sondern gleichzeitig auch von einem Steuerbüro. Zudem gebe es im Verein eine klare Aufgabentrennung, so Fiedler. Für die Finanzen sind ein Schatzmeister und ein weiteres Vereinsmitglied zuständig und nicht der Vereinsvorsitzende, schildert er. Deshalb ist auch der Schatzmeister für die Spenden sowie für deren Quittungen verantwortlich. Der Verein hat auch nichts mit der gGmbH zu tun, die die ehemalige Jugendherberge neben dem „Jägerwäldchen“ an der Rennstrecke erworben hat. Gesellschafter sind hier zwei Privatpersonen und der Zittauer Verein „Come back“. „Wir nutzen lediglich die Garagen davon und dürfen Teile der Grundstücksfläche für unser Material zum Lagern verwenden“, berichtet Stefan Fiedler. Er ist froh, dass bis jetzt kein Sponsor des Oberlausitzer Dreieckrennes abgesprungen ist.

Der beliebte Rundkurs auf der 5,9 Kilometer langen Strecke zwischen Saalendorf, Jonsdorf und Waltersdorf wird in diesem Jahr zum sechsten Mal ausgetragen. Die Vorbereitungen dafür laufen quasi schon seit dem Ende des letzten Rundkurses. Etwa 250 Fahrer werden am 8. und 9. September 2018 wieder starten. Der Verein rechnet mit 8 000 Zuschauern, so wie in den letzten Jahren. Und da werden die unter 14-Jährigen gar nicht mitgezählt, weil sie freien Eintritt zum Rennen haben.

Auf Nachfrage der SZ bestätigt der Pressesprecher der Polizeidirektion, Thomas Knaup, dass das an die SZ Zittau adressierte, anonyme Schreiben auch der Polizei bekannt ist. „Nach inhaltlicher Prüfung ergibt sich aus diesem jedoch kein Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung“, schildert Thomas Knaup. Grundsätzlich geht die Polizei auch anonymen Hinweisen nach und prüft diese auf strafrechtliche Relevanz. Sie ist gesetzlich zur Verfolgung von Straftaten verpflichtet, gleich, auf welchem Weg sie Kenntnis von einem Sachverhalt erhält, fügt er hinzu. „Für die Ermittlungen der Polizei ist es dennoch von Vorteil, Ross und Reiter zu kennen, ohne dass sich diese hinter dem Schleier der Anonymität verstecken“, berichtet er .

Turnusmäßig steht nun beim MSC Anfang März die Vollversammlung an. Dann wird wieder ein neuer Vorstand gewählt.