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Willkommen bei Graf Dracula

Die Wurgwitzer Karnevalisten feiern dieses Jahr ihre 50. Saison. Eines hat sich in der Zeit nicht geändert: Die Liebe zum Detail.

© Karl-Ludwig Oberthuer

Von Tobias Winzer

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Freital. Was macht das Besondere des Karnevalsclubs Wurgwitz (KCW) aus? Präsident Uwe Gnauck muss nicht lange überlegen. „Das ist die Gestaltung des Saals. Das zeichnet uns aus. Da legen wir sehr viel Wert drauf“, sagt der 57-Jährige und führt ins Dracula-Schloss. Die Wände sind kunstvoll bemalt. Ein prunkvoller Kronleuchter ziert die Decke. Auf der Galerie sitzt ein Skelett an der Orgel. Über den Köpfen der Besucher hängt eine riesige Spinne mit leuchtenden Augen und sich strampelnden Beinen. „Wir wollten etwas Gruseliges machen. Und dachten, zur 50. Saison muss es auch prunkvoll sein. Also kamen wir auf die Idee, ein Dracula-Schloss zu bauen“, sagt Gnauck.

Das dazu passende Motto war schnell gefunden. „Der KCW wird 50 Jahr, zur Feier lädt Graf Dracula“, heißt der Slogan der Jubiläumssaison. Am kommenden Sonnabend steht die zweite Faschingsveranstaltung an, bis 17. Februar folgen weitere. Veranstaltungsort ist das Alfred-Damm-Heim an der Pesterwitzer Straße – wie immer.

Der Karnevalsclub entstand Ende der 60er-Jahre aus dem Dorfclub heraus. Am 15. Februar 1969 wurde zum ersten Mal in der Turnhalle des Alfred-Damm-Heims gefeiert. Das Motto damals: „Hafenfest am Hammerteich.“Die Vereinsmitglieder bauten einen Schiffsrumpf aufs Parkett, der als Bühne diente. Die Chronik des vergangenen halben Jahrhunderts zeugt vom Einfallsreichtum der Karnevalisten, ist aber auch ein Spiegel der Zeitgeschichte. 1990 wurde passend zum Mauerfall unter dem Motto „Visafrei bis Shanghai“ gefeiert. 2007 hieß der Slogan passend zur Schließung der Oberschule in Wurgwitz: „Bald dauert unser Schulweg einen Tag, denn die nächste Schule steht in Prag.“

Präsident Uwe Gnauck, der im wirklichen Leben als Kraftfahrer arbeitet und seit 1980 regelmäßig bei den Faschingsveranstaltungen dabei ist, kann sich an die Zusammenarbeit mit den Behörden zur DDR-Zeit erinnern. „Das Programm musste beim Rat des Kreises eingereicht werden“, sagt er. „Das heißt, wir haben eine abgeschwächte Version eingereicht und dann am Abend eine schärfere Version gespielt.“ Heute, so Gnaucks Erfahrung, sind politische Anspielungen im Programm nicht mehr so gewünscht beim Publikum. „Die Leute wollen nicht nachdenken. Die Leute wollen lachen.“

Nicht verändert hat sich in all den Jahren hingegen die aufwendige Gestaltung des Saals. Am 2. Januar begann der Umbau der Turnhalle. 14 Tage später war alles fertig. Die Orgelpfeifen, an dem das Skelett sitzt, wurden aus alten Teppichrollen gebaut. Auch die Spinne ist Marke Eigenbau. Die Beine werden mit einem Mini-Motor bewegt. „Es gibt viele Schlosser, Tischler und andere Handwerker im Verein“, sagt Gnauck. „Die können sich hier verwirklichen.“ Das Sahnehäubchen ist die Bemalung der eingezogenen Wände. Ein Vereinsmitglied, der als Restaurator arbeitete, begründete diese Tradition. Dessen Tochter führt sie nun fort. Und das, obwohl sie in Düsseldorf wohnt und den gewaltigen Aufwand nur gestemmt bekommt, indem sie eine Woche Urlaub nimmt.

Präsident Gnauck freut sich über dieses Engagement. „Ohne dieses würde es auch nicht funktionieren.“ Er sieht aber auch, dass die Mitgliederzahlen im Verein stetig sinken – von einstmals 70 auf nun 50. „Und weil alle beruflich eingespannt sind, machen wir den Aufbau zum Teil mit 15 Mann. „Neue Mitglieder sind sehr gern gesehen.“