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Willkommen in der Gießerei

Eine Pirnaer Traditionsfirma wird in Schmiedeberg weitergeführt. 25 Jobs sind gerettet, und es gibt noch mehr Vorteile.

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© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Pirna/Schmiedeberg. Die neue Halle auf dem Gelände der Schmiedeberger Gießerei ist fertig und diese Woche laufen dort die ersten Maschinen an. Die SG CNC Bearbeitungs GmbH nimmt mit 25 Mitarbeitern ihren Betrieb auf. Das war am Wochenende Anlass für eine Mitarbeiterfeier, zu der die Beschäftigten der Gießerei und ihrer neuen Tochterfirma mit Angehörigen eingeladen waren.

Dafür hat der Tochterbetrieb der Schmiedeberger Gießerei SG CNC Bearbeitungstechnik eine neue Halle gebaut.
Dafür hat der Tochterbetrieb der Schmiedeberger Gießerei SG CNC Bearbeitungstechnik eine neue Halle gebaut. © Frank Baldauf
Die wurde von Geschäftsführer Andreas Mannschatz (2. v.r.) und Holger Kappelt mit einem Mitarbeiterfest am Sonnabend eröffnet.
Die wurde von Geschäftsführer Andreas Mannschatz (2. v.r.) und Holger Kappelt mit einem Mitarbeiterfest am Sonnabend eröffnet. © Frank Baldauf

In Schmiedeberg ist es ein Neuanfang, damit setzt sich aber eine alte Firmentradition fort. Die SG CNC Bearbeitungs GmbH ist ein Nachfolgeunternehmen des Getriebewerks Pirna, das 1885 gegründet wurde und im vergangenen Jahr in Insolvenz gegangen ist. 25 Mitarbeiter, die bisher in Pirna beschäftigt waren, ziehen jetzt mit ihren Arbeitsplätzen nach Schmiedeberg um.

Hier hat die Gießerei für den neuen Tochterbetrieb in den vergangenen drei Monaten eine neue Halle errichtet mit 1 600 Quadratmetern Fläche. Die ersten Maschinen wurden hier schon vergangene Woche aufgestellt. Diese CNC-Bearbeitungszentren laufen seit Montag dieser Woche. Weitere Bearbeitungszentren sowie der Werkzeugbau ziehen in den kommenden Tagen nach Schmiedeberg um. Dann wird auch der Raum für die Messmittel eingeräumt. Der war zum Mitarbeiterfest noch gesperrt, weil der Boden erst am Freitag fertig geworden ist.

Die Produktion in der neuen Halle beginnt jetzt, während die Bauarbeiter noch weiter zu tun haben. Der Sozialtrakt wird jetzt errichtet. Er soll bis März kommenden Jahres fertig werden.

Das ging alles sehr schnell. Am 30. März hat die Gießerei mit dem Insolvenzverwalter des Getriebewerks den Kaufvertrag geschlossen. Im Mai hat sie den Grundstein für die neue Halle gelegt. Am 30. Juni kam die offizielle Übernahme des Betriebs. Wenn nun alle Maschinen nach Schmiedeberg transportiert sind, ist die Übernahme abgeschlossen.

Die Gießerei hat schon lange engen Kontakt zum Getriebewerk. Die Pirnaer hatten Gussteile aus Schmiedeberg weiterbearbeitet. 460 verschiedene Teile gingen nach Pirna. Die dortigen Mitarbeiter haben Flächen gefräst, Bohrungen angebracht, Teile geschliffen oder lackiert. Es hätte einen Riesenaufwand bedeutet, dafür eine neue Firma zu finden. So bleiben dieselben Maschinen und dieselben Mitarbeiter, nur an einem neuen Standort. Die Arbeit kann also nahtlos weitergehen und nicht nur das.

Ein Schritt zum Systemlieferanten

Für die Gießerei beginnt damit eine neue Ära, wie Geschäftsführer Andreas Mannschatz sagt. Die Gießerei gehört zum Dihag-Konzern und hat mit ihm das Konzept für die neue Tochterfirma ausgearbeitet. Denn das Unternehmen geht einen Schritt zum Systemlieferanten. Die Schmiedeberger können jetzt Teile produzieren, die fix und fertig zum Kunden geliefert werden. Der zweite Geschäftsführer Holger Kappelt nennt als Beispiel ein Ventilgehäuse. Das wird gegossen und erhält dann noch eine Reihe von Bohrungen, durch die später das Öl fließt. So kann es ohne weitere Bearbeitungsschritte direkt in einen Motor verbaut werden.

Die Gießerei geht diesen Entwicklungsschritt, auch wenn derzeit die wirtschaftliche Lage nur mittelmäßig ist. Das Unternehmen erwartet, dass es auch dieses Jahr den Umsatz aus dem Vorjahr wieder erreicht. Der lag bei 38,5 Millionen Euro. „Damit halten wir das Niveau in einem schwierigen Markt“, sagt Mannschatz. Dabei ist die neue Tochterfirma noch nicht mit eingerechnet. Wenn diese mit einbezogen wird, hoffen die Gießereichefs nächstes Jahr auf eine Steigerung. Derzeit hat das Unternehmen 278 Mitarbeiter. Dazu kommen noch 35 Beschäftigte von Leihfirmen und die 25 neuen Kollegen, die aus Pirna übernommen wurden. „Bis wir alle zusammenwachsen, das wird ein wenig dauern. Aber es wird funktionieren“, zeigt sich Mannschatz optimistisch.