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Rekord beim Dresden-Marathon

Läufer aus 61 Nationen und eine Siegerzeit, die aufhorchen lässt – der Marathon durch die Landeshauptstadt überrascht.

© Matthias Rietschel

Tino Meyer

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Zwölf Fähnchen wehen im aufkommenden Mittagswind überm Siegerpodest. Das erinnert ein bisschen an Olympia, und irgendwie stimmt das sogar. In Rio war das auch so an den Sportstätten, nur waren es bei den Sommerspielen vor zwei Monaten ein paar Fahnen mehr. Größer sind die dort auch gewesen, also eher Flaggen.

Tausende liefen beim Marathon mit.
Tausende liefen beim Marathon mit. © Matthias Rietschel
Der Schnellste: Kyen Joseph Munywoki aus Kenia.
Der Schnellste: Kyen Joseph Munywoki aus Kenia. © Ronald Bonß
Wegen des Marathons waren am Sonntag zahlreiche Straßen in Dresden gesperrt.
Wegen des Marathons waren am Sonntag zahlreiche Straßen in Dresden gesperrt. © Matthias Rietschel
Michal Majoros aus Tschechien wird Fünfter.
Michal Majoros aus Tschechien wird Fünfter. © Ronald Bonß

Verstecken muss sich der Piepenbrock-Dresden-Marathon allerdings nicht – selbst wenn der Name schon gewöhnungsbedürftig klingt. So international wie bei seiner 18. Auflage am Sonntag ist der Laufklassiker durch die sächsische Landeshauptstadt jedenfalls nie gewesen. Und das scheint gerade in diesen gesellschaftspolitisch aufgeregten wie aufregenden Zeiten bestimmt nicht selbstverständlich.

Aus insgesamt 61 Nationen kommen die exakt 7 597 gemeldeten Teilnehmer der vier angebotenen Strecken – und die Sieger des Hauptrennens über die 42,195 Kilometer wieder aus Kenia. Das ist wenig überraschend, eher gefühlt immer so. Sieger aus Afrika gehören zu diesem Marathon, speziell in der jüngeren Vergangenheit, genauso dazu wie das trotzdem immer wieder erstaunlich besetzte Starterfeld – von A wie Afghanistan oder Australien bis Z wie Zwickau. „Mit vier Prozent ausländischen Teilnehmern haben wir mal angefangen, jetzt sind wir bei 17 Prozent“, sagt Rennleiter Peter Eckstein und ist darauf sichtlich stolz. So kann sächsisch offenbar auch laufen.

Für mehr Aufsehen sorgt die Siegerzeit von Joseph Kyengo Munywoki. 2:10:21 Stunden – das ist mehr als eine Ansage.

Der nächste Bundesliga-Aufstieg

„Das ist der Aufstieg von Dresden in die Marathon-Bundesliga“, schreit Streckensprecher Artur Schmidt ins Mikrofon. „Das ist erst mein zweiter Marathon und mit Abstand der schnellste“, sagt dagegen Munywoki zehn Minuten später in gebrochenem Englisch und einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit, als würde er so ein Top-Resultat täglich vollbringen können.

Zwischen Banane und Melone, die er entspannt verspeist, erklärt der 24-Jährige zudem, happy zu sein – und den Anfang des Rennens fast schon verbummelt zu haben. Stimmt: 65:52 Minuten benötigt Munywoki für die erste Runde durch Dresden, 64:30 danach. „Negative split“ heißt das im Leichtathletik-Jargon, wenn der zweite Teil schneller gelaufen wird. Für Gerald Henzel wiederum, den Vorsitzenden des Dresden-Marathon-Vereins, bedeutet es, „dass sogar eine 2:09 drin gewesen ist. Wie das klingt“, meint Henzel, früher selbst ein starker Läufer mit einer Bestzeit von 2:30 Stunden, und er gerät jetzt genauso ins Schwärmen wie Eckstein: „Das sind bombastische Zeiten, die ich so nicht erwartet habe. In meinen kühnsten Träumen dachte ich an eine 2:12. Und jetzt das – Wahnsinn!“

Der Rennleiter verweist darauf, dass ja auch der Zweite, Vincent Kipchumba, bereits im Vorjahr auf Platz zwei in damals 2:15:22, mit seinen 2:10:32 diesmal fast drei Minuten unter dem alten Streckenrekord geblieben ist. Das kostet zum einen ordentlich, nämlich 5 000 Euro an den Sieger (2 000 für Platz eins sowie die ausgelobten 3 000 für eine Zeit unter 2:13), bringt jedoch vor allem mehr Renommee.

Auch wenn es die beschriene Bundesliga im Marathon nicht gibt, schauen insbesondere Top-Athleten und ehrgeizige Hobbyläufer ganz genau, was wo wie möglich ist. Und mit dieser Zeit reiht sich Dresden nun nicht nur ein in die Top sechs der deutschen Marathonveranstaltungen, wie Eckstein vermutet.

Munywokis Siegerzeit ist vielmehr die viertbeste in diesem Jahr bislang gelaufene – nach Berlin, Hamburg sowie Köln und vor Düsseldorf, Hannover, Münster, … Und das bei der Strecke! Der Kurs durch die Neustadt, den Großen Garten und am Terrassenufer entlang ist zwar richtig schön, aber nicht wirklich schnell mit seinen Kopfsteinpflasterpassagen, Kurven und Anstiegen bei den Brücken, die sich bei entsprechendem Tempo gut und gerne als kleine Berge anfühlen – jedenfalls für Otto-Normal-Läufer. Munywoki meint indes mit der Höflichkeit des Siegers: „It’s okay!“

Als er auf die Zielgerade einbiegt, sind alle überrascht – Streckensprecher, Munywoki selbst und auch sein Manager, am meisten jedoch die Organisatoren. Ein richtig schönes Foto mit Zielband gibt es jedenfalls nicht. Mit den so schnellen Kenianern hatte noch niemand gerechnet.