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Wilsdruff wird verkabelt

Die Enso liefert eigentlich Strom und Gas – und steigt nun in den Internetmarkt ein. Der Bedarf ist groß.

© dpa

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Die riesigen Masten am Ortsrand von Kesselsdorf sind vom Büro aus zu sehen. Ganz normale Hochspannungsleitungen, oder? Jens Schaller kneift die Augen zusammen und schaut in die Ferne. „Ja, aber da ganz oben, das einzelne Kabel, das ist eben keine Stromleitung. Das ist ein Lichtwellenkabel“, sagt der Abteilungsleiter für Informationsnetze bei der Energie Sachsen Ost AG (Enso). Auf der Leitung, auch als Glasfaser bekannt, haben sich inzwischen ein paar Krähen niedergelassen und ahnen gar nicht, dass sie auf Wilsdruffs Internet-Zukunft schaukeln. Denn die Enso will das Stadtgebiet und den Ortsteil Kesselsdorf verkabeln. Dann könnten Nutzer hier auch mit 40 bis 100 Megabit pro Sekunde im Netz unterwegs sein.

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Das Problem: Abends wird die Surf-Geschwindigkeit langsamer

Die Deutsche Telekom verfügt in Wilsdruff und Kesselsdorf über ein Kupferkabel-Netz. Unternehmer und Privatleute sind darüber verärgert, vielen reichen die Kapazitäten längst nicht mehr aus. „Ich weiß von einigen Firmen, dass sie sich auf eigene Rechnung einen schnelleren Anschluss gelegt haben“, berichtet Kesselsdorfs Ortsvorsteher Türk Müller. Auch habe er öfters Anfragen von Einwohnern, wann endlich schnellere Anschlüsse in die Wohngebiete kommen. „Mir wurde berichtet, dass die Geschwindigkeit in den Abendstunden, wenn viele privat im Netz unterwegs sind, nachlässt“, sagt Müller. Bei den Funklösungen sei es ähnlich – die Kapazitäten würden kaum den Bedarf decken. Auch Wilsdruffer Internetnutzer können davon ein Lied singen. „Die Kunden bezahlen den vollen Preis fürs schnelle Internet, zum Surfen steht dann aber diese Geschwindigkeit oft nicht zur Verfügung“, berichtet Bürgermeister Ralf Rother (CDU). Schon lange habe man nach Alternativen gesucht und sei jetzt froh, dass sich die Enso engagiere.

Die Lösung: Enso will firmeneigenes Netz für den Markt öffnen

Der Energieversorger Enso unterhält ein firmeneigenes Datennetz. Die Glasfaserkabel verlaufen parallel zu Stromleitungen und Gastrassen und verbinden 90 Standorte. „Damit steuern und überwachen wir unser gesamtes Versorgungsgebiet, alle Schaltstationen und Anlagen“, erklärt Jens Schaller. Schon seit Mitte der 90er-Jahre biete man über dieses Netz für Großkunden schnelle Datenübertragungen an. Das soll nun ausgebaut und für den breiten Markt geöffnet werden.

Das Vorbild: Erfolgreiches Pilotprojekt in Großenhain

Geplant ist, Kesselsdorf und Wilsdruff ähnlich wie Großenhain im vergangenen Jahr zu erschließen. Bei dem Pilotprojekt hatte die Enso das im Betriebsgelände ankommende Glasfaserkabel verlängert und von da aus die einzelnen Straßenzüge im Stadtgebiet Großenhains erschlossen. Die Glasfaserverbindungen münden an den Schaltschränken der Deutschen Telekom. Ab dort nutzt die Enso dann die Telekom-Kupferleitungen, die in die Wohnungen führen. Die Methode wird als „Vectoring“ bezeichnet. Das Glasfaserkabel sorgt dafür, dass höhere Übertragungsraten möglich sind als im herkömmlichen Kupferkabelnetz. „Wir können zwischen 40 und 100 Megabit pro Sekunde anbieten“, sagt Schaller. In Großenhain funktioniert das Netz seit Oktober, etwa 100 Kunden habe man bereits gewinnen können.

Das Ziel: Acht Kilometer Leitung müssen neu verlegt werden

Die Enso will von ihrem Betriebsgelände in Kesselsdorf aus – hier sind Zentrallager und Zählerprüfung untergebracht – zunächst den Ort erschließen und von da aus ein Glasfaserkabel nach Wilsdruff und in die einzelnen Straßenzüge verlegen. Auch das Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe wird angeschlossen. Insgesamt wird man 24 Telekom-Verzweiger anpeilen und dabei acht Kilometer Kabel ziehen. Die Investitionskosten liegen bei 673 000 Euro und werden komplett vom Energieversorger aufgebracht. „Ziel ist es, ab dem zweiten Quartal zu bauen und bis Oktober dieses Jahres fertig zu sein“, sagt Schaller.

Die Kosten: Preise orientieren sich am Branchen-Primus

Die Enso möchte verschiedene Pakete anbieten – von Internetflatrate mit 25 Mbit/s bis hin zum kombinierten 100-Mbit/s-Internet mit Telefonanschluss und bis zu drei Rufnummern. Die Preise sollen sich zwischen 30 und 50 Euro bewegen und damit an den Konditionen der Deutschen Telekom orientieren.