merken
PLUS Freital

A17-Baustelle: Amt stoppt Betonrecycling

Im Gewerbegebiet Kesselsdorf wird der Betonbruch von der A17 verarbeitet - ohne Genehmigung, wie eine Kontrolle ergab. Der Betreiber hat jetzt ein Problem.

In Kesselsdorf wird der Abbruchbeton von der A17 wiederverwertet - ohne Genehmigung.
In Kesselsdorf wird der Abbruchbeton von der A17 wiederverwertet - ohne Genehmigung. © Daniel Schäfer

Vor ein paar Tagen am Telefon klang Jens Papai noch ganz sicher. "Ich kann auf meinem Privatgrundstück machen, was ich möchte", polterte er in den Hörer, schimpfte im tiefsten bayrischen Dialekt seiner ursprünglichen Heimat auf "die Saubatzen" von der Konkurrenz, die ihn verpfiffen habe und sagte dann etwas ruhiger: "Wir machen doch nichts Illegales, das wäre ja völlig verrückt."

Inzwischen dürfte er etwas kleinlauter geworden sein. Denn die von ihm betriebene Recyclinganlage für Betonbruch im Gewerbegebiet Kesselsdorf ist nicht genehmigt. Das stellte das Landratsamt bei einer Kontrolle vor Ort fest. "Auf dem Grundstück befindet sich eine größere Menge zwischengelagerter, nicht gefährlicher Abfälle. Die Lagerung ist genehmigungspflichtig. Eine Genehmigung existiert derzeit nicht", teilte Birgit Hertzog, Leiterin des Umweltamtes, auf Nachfrage mit.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

5.000 Kubikmeter Beton angenommen

Dabei handelt es sich um Mengen, die nicht zu übersehen sind. Die Firma Papai, ein in Moritzburg ansässiges Bauunternehmen, recycelt in Kesselsdorf den Beton von der nahegelegenen A17-Baustelle. Laut bundeseigener Autobahn GmbH, die mit ihrer Niederlassung Ost unter anderem für Sachsen zuständig ist, wurden bis Mitte Juni rund 5.000 Kubikmeter nach Kesselsdorf geliefert.

Das entspreche etwa einem Viertel der Gesamtmenge, die bei den Arbeiten, die noch bis November gehen, anfallen. Die Autobahn GmbH lässt im Großraum Dresden mehrere Abschnitte sanieren. Die maroden Betonoberflächen werden abgefräst oder abgebrochen und mit Asphalt ersetzt. Derzeit finden Arbeiten zwischen dem Dreieck Dresden-West und der Abfahrt Dresden-Gorbitz statt.

Auftragnehmer ist die Lausitzer Tochtergesellschaft der Firma Richard Schulz. Dort beteuerte man bisher ebenfalls, das mit der Recyclinganlage alles rechtens sei. "Das ist eine temporäre Anlage, dafür braucht man keine Genehmigung", versicherte der Firmenchef vor wenigen Tagen. Inzwischen sagt er dazu nichts mehr.

Anonyme Anzeige im Rathaus

Auf die Schliche kam die Behörde dem Betreiber nach einem anonymen Anruf Anfang Juni in der Stadtverwaltung Wilsdruff. Dort prüfte man den Sachverhalt und war verwundert. "Für den Betrieb der Anlage ist aus unserer Sicht eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz erforderlich", erläutert Bauamtsleiter André Börner. Weil im Rathaus keinerlei Informationen zu einem solchen Genehmigungsverfahren vorlagen, stellten die Wilsdruffer Anzeige beim Landratsamt.

Als Mitarbeiter der Behörde am 22. Juni in Kesselsdorf zur Kontrolle anrückten, bot sich ihnen ein interessanter Anblick. Zwar war die Brecheranlage nicht mehr vor Ort, aber dafür lagerten riesige Berge mit Betonbruch auf dem Grundstück. Teilweise hatte Papai das Gelände, welches in Richtung Zschonerbach abfällt, mit dem Material aufgefüllt, um für die Maschinen eine ebene Arbeitsfläche zu schaffen.

Umweltamt droht mit Stilllegung

Das geschah innerhalb weniger Wochen. Wie René Papai selbst gegenüber der Zeitung am Telefon äußerte, gehört ihm das Grundstück seit Frühjahr. Perspektivisch plane er dort etwas anderes. Die Brecheranlage mit Lagerplatz werde nur übergangsweise dort betrieben, der Beton komme wieder weg. "Das ist keine Recyclinganlage, sondern eine Baustelle", argumentiert Papai.

Im Landratsamt sieht man das etwas anders. "Wir haben dem Betreiber zunächst die weitere Annahme von Material untersagt sowie die Stilllegung und Beseitigung der Anlage angedroht", teilt Umweltamtsleiterin Hertzog mit.

Weiterführende Artikel

A17-Baustelle: Ärger um Abbruch-Beton

A17-Baustelle: Ärger um Abbruch-Beton

Das Material wird zu einer Recyclinganlage in Kesselsdorf gefahren, für die es offenbar keine Genehmigung gibt. Der Betreiber wiegelt ab.

Die Firma Papai wurde zudem aufgefordert, unverzüglich Stellung zu nehmen. Hertzog: "Nach dem Ergebnis der Anhörung wird das Landratsamt über weitere Schritte entscheiden." Papai selbst verschweigt gegenüber der Presse nun zu dem Vorgang: Eine neue Anfrage, wie er mit der Situation nun umzugehen gedenke, ließ er unbeantwortet.

Mehr zum Thema Freital