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Chats verraten Motorraddiebe

Die jungen Männer aus Klipphausen und Wilsdruff brachen auch in eine Gaststätte ein. Vor Gericht scheitert der Versuch, die Taten zu verklären.

Das ist eines der Motorräder aus DDR-Produktion, das in Wilsdruff gestohlen wurde. Jetzt standen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.
Das ist eines der Motorräder aus DDR-Produktion, das in Wilsdruff gestohlen wurde. Jetzt standen die mutmaßlichen Täter vor Gericht. © Polizei Freital

Von Walter Neuwirth

Es ist eher selten, dass Angeklagte vor Gericht selbst die Motivation für ihre Taten beleuchten. In Dippoldiswalde war das jetzt der Fall. Vor dem Schöffengericht standen zwei junge Männer, denen ein Einbruch in die Gaststätte Parkstadion in Wilsdruff sowie in eine Lagerhalle zur Last gelegt wurde. Aus der Halle sollen sie zwei Motorräder gestohlen haben.

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„Zu viel Zeit gepaart mit Dummheit und Alkohol“, so skizzierte der ältere Angeklagte, 23 Jahre und in Klipphausen lebend, reumütig die Ursache seiner Taten. Laut der Staatsanwaltschaft handelte er zusammen mit einem 18-jährigen Wilsdruffer, der zur Tatzeit im März 2020 noch minderjährig war.

Spontan eine Flex dabei gehabt

Beide schilderten dem Gericht nun, dass sie während dieses Zeitraumes öfter mit ihrer Clique unterwegs gewesen seien und es dabei dann zu allerlei „Dummheiten“ gekommen sei. So habe man sich an einem Abend quasi spontan dazu entschlossen, in die genannte Gaststätte einzubrechen. Eher zufällig habe man auch eine Flex bei sich gehabt, mit der man das Fenster öffnete und aus dem Lokal Bier und Schnaps entwendete.

Bei den Motorraddiebstählen sei man ebenfalls eher planlos zu den Lagerhallen in Wilsdruff gelangt, wo man dann die provisorisch verschlossene Tür aufgedrückt und entriegelt hatte und danach zwei Motorräder im Gesamtwert von 4.000 Euro in eine angrenzende Lagerhalle verbracht hatte.

Diebstahl oder Dummejungenstreich?

Während der 18-jährige Angeklagte vollumfänglich gestand, sein entwendetes Motorrad in der Folgezeit zerlegen und in Teilen gewinnbringend weiterverkaufen zu wollen, versuchte der Anwalt des 23-Jährigen das drohende Urteil zu mildern. Er wollte den Diebstahl der Motorräder eher als Dummejungenstreich ohne Diebstahlsabsicht sehen. Die Motorräder habe sein Mandant ohne Diebstahlsabsicht in eine andere Halle verbracht.

Das Gericht ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass das Aufdrücken und Entriegeln eines wenn auch nur provisorisch verschlossenen Tores einen Einbruch darstellt und das Verbringen der Motorräder in eine nahegelegene Halle auf dem Gelände mit der Absicht geschah, die Fahrzeuge bzw. deren Teile danach gewinnbringend weiterzuverkaufen.

„Es ist einem Geschädigten nicht zuzumuten, dass er die Gegend und mehrere Hallen nach seinem Eigentum absucht“, so die klare Haltung des Gerichts. Die Handlungen erfüllen alle Tatbestandsmerkmale eines Einbruches, so laute auch die geltende Rechtsprechung. Ebenfalls wollte das Gericht nicht die angeblich spontane Entscheidung zu dem Gaststätteneinbruch gelten lassen, da man eine „Flex“ nicht grundlos abends mit sich führt.

Verräterische Chatverläufe

Im Prozess verlesen wurden auch Handy-Chatverläufe der Clique, die belegten, dass man sehr wohl und auch bereits im Vorfeld diese Dinge ausgiebig besprochen und geplant hatte. Von Zufall oder ungeplanter Aktion also keine Spur.

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So verurteilte das Gericht den 18-Jährigen im Hinblick auf sein Alter sowie sein vollumfängliches Geständnis nach Jugendstrafrecht zu 50 Arbeitsstunden und einem Täter-Opfer-Ausgleich. Den 23-jährigen Angeklagten verurteilte das Gericht auch aufgrund seiner bisherigen Vorstrafen zu acht Monaten Freiheitsstrafe, setzte diese jedoch auf Bewährung aus, sowie zu 120 Arbeitsstunden, die er aufgrund seiner aktuellen Kurzarbeit als Kfz-Mechaniker auch leisten kann.

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