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Wilsdruffer Firma zapft die Sonne an

Der Präzisionsteilehersteller PMG setzt auf grünen Strom. Auf dem Gelände wurde eine große Fotovoltaikanlage installiert. Es ist noch mehr geplant.

Die beiden Geschäftsführer David Riedrich (links) und Torsten Freudenberg stehen auf dem künftigen Parkplatz der Firma. Das Besondere: die Dächer der Carports sind mit Solarzellen bestückt.
Die beiden Geschäftsführer David Riedrich (links) und Torsten Freudenberg stehen auf dem künftigen Parkplatz der Firma. Das Besondere: die Dächer der Carports sind mit Solarzellen bestückt. © Daniel Schäfer

Es gibt besseres Wetter, um eine Fotovoltaikanlage der Presse vorzustellen. Als Torsten Freudenberg und David Riedrich zum Termin ins Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe laden, hat es gerade geschneit. Auf den Solarzellen liegt eine hauchzarte Schneeschicht. Tragisch ist das nicht, sagt Freudenberg. Denn die Anlage liefert noch keinen Strom. Das soll im Mai passieren.

Noch fehlt ein wichtiger Baustein der Anlage, die Trafostation. Dieses 30 Tonnen schwere, containergroße Gerät soll Anfang Mai geliefert und aufgestellt werden, sagt Freudenberg. Zusammen mit Riedrich leitet er den Präzisionsteilehersteller PMG, der sich gegenwärtig ein neues Tätigkeitsfeld auf dem Betriebsgelände erschließt.

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Unternehmen möchte nicht nur Energiekosten sparen

Denn die Fotovoltaikanlage, die sich auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern erstreckt und eine Leistung von 850 Kilowatt-Peak haben wird, gehört dann zu den größten in der Region. PMG kann damit Stromkosten einsparen. Im Monat werden das zwischen 4.000 und 6.000 Euro sein, rechnet Riedrich vor. Gegenwärtig gibt die Firma monatlich zwischen 9.000 und 12.000 Euro für Strom aus.

Die Fotovoltaikanlage der Firma PMG. Mit einer Fläche von 7.000 Quadratmetern und einer Leistung von 850 Kilowatt-Peak gehört sie bald zu den größten in der Region. Vorn sind die Carports zu sehen, im Hintergrund die Autobahn A 4.
Die Fotovoltaikanlage der Firma PMG. Mit einer Fläche von 7.000 Quadratmetern und einer Leistung von 850 Kilowatt-Peak gehört sie bald zu den größten in der Region. Vorn sind die Carports zu sehen, im Hintergrund die Autobahn A 4. © PMG/Print

Mit der Anlage wollen die beiden Unternehmer aber nicht nur Energiekosten sparen - sie wollen auch ein Zeichen setzen. PMG soll nachhaltig produzieren. "Unser ambitioniertes Ziel ist die komplette Kohlendioxid-neutrale Produktion am Standort Wilsdruff. In Zahlen bedeutet das 450 Tonnen Kohlendioxid-Einsparung pro Jahr", sagt Freudenberg. Perspektivisch soll das auch ein Wettbewerbsvorteil sein.

Hinter der Anlage wird noch ein Bienenhotel errichtet und eine Wiese angelegt. "Auf dem Wall und der Wiese haben wir 20 Kilogramm Spezialblumensamen verstreut. Wie hoffen, dass der aufgeht", sagt Freudenberg. Es soll eine naturnahe Wiese entstehen, ergänzt Riedrich.

Für weitere Halle derzeit kein Bedarf

Im Wilsdruffer Rathaus soll man über die Pläne zunächst gar nicht so erfreut gewesen sein. Lieber hätte man dort eine Produktionshalle gesehen. Freudenberg kann das verstehen. Doch gegenwärtig braucht seine Firma keine weitere Halle. "Wir würden sie bauen, hätten aber nichts zum Reinstellen", sagt er. Sollte man die Halle dennoch schneller als erwartet brauchen, könnte man die Fotovoltaikanlage abbauen und auf dem Hallendach installieren. Die Anlage, die eine Laufzeit von 25 Jahren hat, habe man so geplant.

David Riedrich (links) und Torsten Freudenberg, Geschäftsführer der Firma PGM Precision Mechanics Group GmbH, zeigen in ihrem Büro den Bauplan der Solaranlage.
David Riedrich (links) und Torsten Freudenberg, Geschäftsführer der Firma PGM Precision Mechanics Group GmbH, zeigen in ihrem Büro den Bauplan der Solaranlage. © Daniel Schäfer
Mit dem Bau der Solaranlage wurde Anfang Februar begonnen. Zum Fototermin am vergangenen Freitag war sie mit einer Schneeschicht überzogen.
Mit dem Bau der Solaranlage wurde Anfang Februar begonnen. Zum Fototermin am vergangenen Freitag war sie mit einer Schneeschicht überzogen. © Daniel Schäfer
So sieht das Carport mit den Solarzellen aus. Ab Ende Mai 2021 soll sie Anlage Strom liefern. Darunter soll künftig die E-Fahrzeugflotte stehen.
So sieht das Carport mit den Solarzellen aus. Ab Ende Mai 2021 soll sie Anlage Strom liefern. Darunter soll künftig die E-Fahrzeugflotte stehen. © Daniel Schäfer

Dass diese große Anlage jetzt gebaut wird, hatten die beiden Unternehmer vor der Corona-Krise beschlossen. Als sich die Pandemie dann bemerkbar machte, habe man schon gezweifelt, ob man dieses Projekt durchziehen wolle, gestehen sie. Immerhin kostet diese Investition gut eine Million Euro. Da aber von der Hausbank, der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), grünes Licht für die Finanzierung kam, nahmen Freudenberg und Riedrich das Vorhaben in Angriff.

Im Krisenjahr neue Kunden gefunden

Und das geschah parallel zum eigentlichen Geschäft. Seit 20 Jahren produziert PMG hochkomplexe Präzisionsbauteile für die internationale Luft- und Raumfahrtindustrie. Und das bis vor Corona ganz erfolgreich. Das erste Quartal 2020 war das beste seit sieben Jahren, sagt Riedrich, der für das Kaufmännische im Unternehmen zuständig ist. Dann der Absturz. Riedrich und Freudenberg bekamen die Schwierigkeiten der zivilen Luftfahrt zu spüren. Die Fluggesellschaften drosselten den Linien- und Ferienverkehr rapide. Es wurden weniger Flugzeuge gebraucht.

Doch nicht alle Branchen der Luftfahrt bekamen Probleme. Helikopter-Hersteller und Firmen, die Businessjets bauen, produzierten auf gleichem Niveau weiter. Das rettete die Wilsdruffer.

E-Fahrzeugpark soll erweitert werden

Um gegenzusteuern suchten sich Riedrich und Freudenberg neue Kunden und fanden sie in der Raumfahrt, der Bahntechnik, dem Spezialfahrzeugbau, der Medizintechnik und dem Motorsport. Das half, die Umsatzrückgänge aufzuhalten. In Zahlen sieht das so aus. 2019 schaffte PMG 7,5 Millionen Umsatz, 2020 fünf Millionen und für dieses Jahr hofft das Unternehmen auf 5,5 Millionen Euro. Geholfen habe auch das Instrument der Kurzarbeit, dass Riedrich und Freudenberg von Anfang an mit nutzen.

Trotz dieser Prognosen möchten die Unternehmer am Thema Nachhaltigkeit dranbleiben. Sukzessive soll ein Fuhrpark mit Elektrofahrzeugen angeschafft werden. Die ersten zehn Volkswagen und zehn Tesla werden noch in diesem Jahr den Mitarbeitern bereitgestellt. Jeder, der sich nach den Inforunden der Geschäftsführung dafür ernsthaft interessierte, bekommt ein Betriebs-Elektrofahrzeug.

Es sind nicht nur Mitarbeiter aus der Verwaltung, sondern auch aus der Produktion. Damit die ihre Fahrzeuge kostenfrei 'auftanken' können", lässt PMG Ladesäulen auf dem Betriebsgelände installieren.

Weitere Million wird investiert

Mit dem Angebot, das nochmal eine Million Euro kosten wird, wollen die Unternehmer einen zusätzlichen Anreiz schaffen, dass Mitarbeiter der Firma treu bleiben und andere noch hinzukommen.

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David Riedrich und Torsten Freudenberg haben optimistisch geplant. Denn neben der Fotovoltaikanlage entstanden zwei große Carports, unter denen 100 Fahrzeuge abgestellt werden. Gegenwärtig beschäftigt das Unternehmen 65 Mitarbeiter und acht Azubis. Praktischerweise wurden die Dächer der Carports mit Solarzellen bestückt. Beim SZ-Termin waren die ebenfalls mit Schnee bedeckt .

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