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Recyclinganlage dicht - was wird aus A17-Sanierung?

Der Betonbruch wurde bisher von Dresden nach Kesselsdorf gefahren, bis die Behörden die Anlage sperrten. Wie es nun weitergeht.

In Kesselsdorf wurde eine Recyclinganlage für den Autobahn-Beton eingerichtet, jedoch ohne Genehmigungen.
In Kesselsdorf wurde eine Recyclinganlage für den Autobahn-Beton eingerichtet, jedoch ohne Genehmigungen. © Daniel Schäfer

Riesige, grauweiße Berge türmen sich an der Inselallee in Kesselsdorf. Damit keiner aufs Gelände fährt, wurde an der Zufahrt ein Wall gebildet. Daneben parkt eine Baumaschine. Kein Mensch ist zu sehen. Es ist still, nur die Pappeln entlang des Zschonerbachs rascheln im Sommerwind.

Bis zum 22. Juni ging es hier noch sehr laut zu. Auf dem Grundstück im Gewerbegebiet Kesselsdorf wurde Abrissbeton von der nahe gelegenen Autobahnbaustelle auf der A17 nahe dem Dreieck Dresden-West verarbeitet. Bis das Umweltamt des Landkreises die Anlage sperrte. Begründung: Es liege keinerlei Genehmigung für den Betrieb einer solchen Recyclinganlage vor.

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Es ist ein Fall, der in diesen Größenordnungen selten vorkommt und dessen Dimension erst nach und nach klar wird. Und bei dem sich nun auch die Frage stellt, inwieweit die Bauarbeiten auf der A17 eventuell verzögert werden.

Autobahnbeton ist verschlissen

An der Autobahn A17 wird seit Frühjahr gearbeitet. Es gilt, etliche Kilometer Betonoberfläche auszubauen und mit Asphalt zu ersetzen. Bisher wurden schon etwa 8.500 Kubikmeter abgebrochen. Bis zum geplanten Ende der Bauarbeiten im Spätherbst kommen noch etwa 12.000 Kubikmeter hinzu. Denn die Fahrbahn ist nach knapp 20 Jahren bereits so geschädigt, dass Reparaturen nichts mehr bringen.

Die Schäden entstanden wegen der extremen Belastungen durch den Schwerlastverkehr, aber auch aufgrund eines Phänomens, welches landläufig als Betonkrebs bezeichnet wird. Der tritt auf, wenn im Baustoff zu viel Alkalikieselsäure enthalten ist. In der Fahrbahn bilden sich feine Risse, in die Wasser eindringt. Der Beton platzt regelrecht auseinander.

Deshalb lässt die bundeseigene Autobahn GmbH nun abschnittsweise die A17 erneuern. Damit ist das Bauunternehmen Richard Schulz mit seiner Tochtergesellschaft im brandenburgischen Schwarzheide beauftragt. Schulz ließ den abgebrochenen Beton nach Kesselsdorf abtransportieren.

Recyclinganlage war Behörden unbekannt

Das Grundstück an der Inselallee 14 lag lange brach, bevor es vor wenigen Monaten vom Bauunternehmer René Papai aus dem Moritzburger Ortsteil Boxdorf gekauft wurde. "Das ist unser Grundstück, wir haben das gekauft und können dort machen, was wir wollen", sagte er zuletzt auf Anfrage von Sächsische.de. Papai stellte in Kesselsdorf eine Brecheranlage auf und verarbeitete den A17-Betonbruch zu Recyclingmaterial. Er hatte vor, den aufgearbeiteten Betonbruch als Baumaterial zu vermarkten. Das bestätigte er am Telefon noch im Juni gegenüber der SZ. Seitdem hüllt er sich in Schweigen.

Denn Mitte Juni ging im Wilsdruffer Rathaus eine anonyme Anzeige ein. Erstmals bekamen nun die Behörden mit, dass es im Gewerbegebiet Kesselsdorf eine solche überhaupt Anlage gab. Am 22. Juni erschienen unangekündigt Kontrolleure des Umweltamtes des Landkreises an der Inselallee. "Aktuell darf kein weiteres Material auf das Grundstück verbracht und das vorhandene Material auch nicht bearbeitet werden", erklärt Heiko Weigel, Beigeordneter im Landratsamt.

Denn Recyclingplätze müssen genehmigt werden. Notwendig ist ein Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Dabei wird im Vorfeld begutachtet, welche Umweltauswirkungen eine solche Anlage hinsichtlich Lärm, Staub und Schadstoffe entwickeln könnte.

Brecher einfach auf die grüne Wiese gestellt

Laut Landratsamt wurde für Kesselsdorf nie ein solches Verfahren beantragt. Mit anderen Worten: Bauunternehmer Papai stellte seinen Brecher einfach auf die grüne Wiese und legte los. Er füllte dabei auch das Gelände auf, um eine ebene Arbeitsfläche zu haben.

Inzwischen, heißt es aus dem Landratsamt, habe der Unternehmer umfangreiche Unterlagen vorgelegt. "Im Ergebnis wird das Landratsamt sowohl ein Baugenehmigungsverfahren als auch ein immissionsschutzrechtliches Verfahren führen. In den Verfahren geht es um Lagerung, Behandlung und Einbau des Fräsmaterials vom Autobahnbau", erläutert Weigel. Dies werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Behörde entscheidet über Sanktionen

Wer schon einmal mit solch einem Verfahren zu tun hatte, weiß, dass damit mindestens Monate gemeint sind. Manche Immissionsschutzverfahren dauern Jahre. Die Recyclinganlage in Kesselsdorf, so viel ist klar, wird noch lange stillgelegt bleiben.

Bei der Baufirma Richard Schulz nimmt man die Situation erstaunlich gelassen und pragmatisch hin. "Auf die Bauarbeiten hat das keinen Einfluss. Es gibt im Raum Dresden mehrere Recyclinganlagen, in die wir das Material transportieren können", sagt der Geschäftsführer der Baufirma Schulz. In welche dieser Anlagen er den Betonbruch nun gibt, möchte er nicht sagen.

Auch seitens der Autobahn GmbH heißt es, die Arbeiten an der A17 gehen wie geplant weiter. "Auf den Ablauf des Bauvorhabens hat weder eine vorläufige noch eine endgültige Sperrung eine Auswirkung", sagt Timo Möhring, Sprecher der Autobahn GmbH, Niederlassung Ost.

Und die Firma Papai? Die sitzt nun erst einmal auf einem großen Haufen Beton-Recyclingmaterial und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, illegal gehandelt zu haben. Über eventuelle Sanktionen, heißt es aus dem Landratsamt, entscheide man im Laufe des Verfahrens.

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