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Der ultimative Weihnachtsbaum aus Kleinopitz

Andreas Gropp zieht Kiefern, Fichten und Tannen auf. Auch die trockenen Sommer konnten dem Erfolg nicht viel anhaben. Nun ist die nächste Ernte fällig.

Hochsaison im Tannenhof Kleinopitz: Andreas Gropp verkauft vor allem Nordmanntannen.
Hochsaison im Tannenhof Kleinopitz: Andreas Gropp verkauft vor allem Nordmanntannen. © Norbert Millauer

Es grünt. Dutzende Bäume füllen das ehemalige Gewächshaus am Rand von Kleinopitz. Große Bäume, kleine Bäume. Blaufichten, ein paar Kiefern und Serbische Fichten, vor allem aber Nordmanntannen. "96 Prozent aller Weihnachtsbäume, die wir verkaufen, sind Nordmanntannen. Das ist der ultimative Weihnachtsbaum", schwärmt Andreas Gropp und greift sich wahllos ein Exemplar heraus.

Gleichmäßig gewachsen, weiche Nadeln, immergrüne Äste - die Nordmanntanne hat allen anderen Nadelbaumarten den Rang abgelaufen. Sie piekst nicht, nadelt nicht und sieht auch nach zwei Wochen Aufenthalt in der warmen Wohnstube noch frisch aus. Sie hat nur einen Nachteil: Sie riecht längst nicht so intensiv wie ihre Verwandten.

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Anzucht im Gewächshaus

Andreas Gropp führt ins Gewächshaus nebenan. Die Tür schließt er schnell hinter sich, es ist am frühen Vormittag noch frostig. Der Baumnachwuchs, der hier steht, soll keine eiskalte Luft abbekommen. Auf den Arbeitstischen reihen sich Tausende zukünftige Weihnachtsbäume aneinander. Ein Teil ist erst wenige Zentimeter groß. "Die Aussaat vom vergangenen Jahr", erklärt Gropp.

Der Kleinopitzer Gartenbauingenieur betrieb bis vor acht Jahren eine Gärtnerei am Ortsrand. Gemüse- und Balkonpflanzen wurden hier gezogen, aber die Heizkosten fraßen den Gewinn immer mehr weg. Gropp sattelte um, setze ab 2013 auf Weihnachtsbäume und benannte die Gärtnerei in Tannenhof Kleinopitz um. "Den Schritt habe ich nie bereut. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung des Betriebs", sagt er.

Wie früher die Gemüsepflanzen werden hier nun die Weihnachtsbäume produziert. Zunächst werden dazu sogenannte Torfquelltöpfe aufgestellt. Das Substrat speichert Wasser besonders gut. In jeden einzelnen Topf kommt ein Samenkorn. Nach gut 14 Tagen ist das erste Grün zu sehen. Wasser und Dünger lassen die Sämlinge wachsen, schon bald setzen sie erste Nadeln an.

Die jungen Bäumchen wachsen zunächst zwei bis drei Jahre im Gewächshaus heran. Dabei werden sie mehrmals umgetopft, bevor sie endgültig im Wald ausgepflanzt werden.
Die jungen Bäumchen wachsen zunächst zwei bis drei Jahre im Gewächshaus heran. Dabei werden sie mehrmals umgetopft, bevor sie endgültig im Wald ausgepflanzt werden. © Norbert Millauer

Umzug auf Weihnachtsbaumplantage

Ein Jahr später haben sie ihre Größe verdoppelt und es bildet sich der erste Maiwuchs. Bis zum stattlichen, mannshohen Weihnachtsbaum dauert es nun noch gut zehn Jahre. Insgesamt 24 bis 36 Monate gedeihen die kleinen Bäumchen im Kleinopitzer Gewächshaus. Allerdings ist das kein Selbstläufer. Sie müssen gepflegt und umgetopft werden.

Sind die Bäumchen gut drei Jahre alt, verlassen sie den Tannenhof und werden an den sächsischen Forst übergeben. "Die Förster pflanzen sie auf Plantagen in den Wald", erklärt Andreas Gropp. Nun liegt das Gedeihen der Tannen in den Händen der Waldarbeiter. Sie sorgen dafür, dass die Bäumchen nicht vom Wild angeknabbert werden und kümmern sich um die Pflege.

Im Gegensatz zum Leben im Gewächshaus müssen die Bäume aber mit den Launen der Natur zurechtkommen. Die drei heißen, extrem trockenen Sommer haben vor allem der jüngsten Generation geschadet. Da betrage der Ausfall schon mal um die 30 Prozent, sagt Andreas Gropp. "Insbesondere die Neupflanzungen haben noch nicht so kräftige Wurzeln. So lange Trockenperioden halten sie nicht durch."

Trockenheit hilft der Optik

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Trockene Jahre wirken sich positiv auf die Optik eines Weihnachtsbaumes aus. Denn Nordmanntannen tendieren dazu, an der Spitze zu schießen, wie Experten das nennen. Das führt dazu, dass sie oben mitunter recht dünn aussehen und der Abstand der obersten Zweigebenen groß ist. In trockenen Jahren sprießt der Baum nicht so extrem und sieht deshalb auch oben schön dicht und gefällig aus.

Andreas Gropp wäre es trotzdem lieber, es gäbe mal wieder ein ganz normales Jahr mit viel Regen und gemäßigtem Sommer. "Dem Wald geht es schlecht." Selbst in Kleinopitz macht sich das Wasserdefizit bemerkbar. Für die Tannenproduktion braucht der Baumgärtner Wasser, das er aus einem eigenen Teich in die Berieselungsanlage leitet. "Noch reicht es aus, aber es wird weniger."

Topfbäume mit Anwachsgarantie

Von den Witterungsturbulenzen der vergangenen Jahre ist nichts zu sehen, wenn man die Verkaufshalle des Tannenhofes - ein ehemaliges Gewächshaus - betritt. Erst einmal erinnern Warnhinweise und Desinfektionsmittelspender an eine ganz aktuelle Krise.

Schon im Sommer hat man sich beim Tannenhof Gedanken gemacht und ein Hygienekonzept entwickelt. Der Verkaufsbereich wurde vergrößert, ein Einbahnstraßensystem auf den Betonboden markiert. 30 Kunden gleichzeitig kann er in die Halle lassen. Leider sei der Glühwein- und Kinderpunschausschank der Corona-Krise zum Opfer gefallen, entschuldigt sich Andreas Gropp. "Aber dafür gibt es eine andere Überraschung." Verraten will er die nicht.

Er zeigt lieber seine Bäume. Hunderte verkauft der Tannenhof jede Saison. Sie sind zwischen einem und zwei Meter groß, es gibt auch Exemplare im Topf zum späteren Auspflanzen. "Mit Anwachsgarantie", versichert der Tannenexperte. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern, die die Bäume im Wald ausgraben, dabei die Wurzeln kappen und die Bäume in den Topf setzen, seien die Kleinopitzer Topfbäume tatsächlich im Gefäß gewachsen. Damit haben sie eine optimale Basis, wenn sie ausgepflanzt werden.

Der Weihnachtsbaumkauf als Erlebnis: Ein ehemaliges Gewächshaus wurde zur attraktiven Verkaufshalle umfunktioniert. Glühwein gibt es dieses Jahr allerdings nicht.
Der Weihnachtsbaumkauf als Erlebnis: Ein ehemaliges Gewächshaus wurde zur attraktiven Verkaufshalle umfunktioniert. Glühwein gibt es dieses Jahr allerdings nicht. © Norbert Millauer

Privathaushalte kaufen mehr Weihnachtsbäume

Wer dieses Jahr kaum zum Käuferkreis gehört, sind die Geschäftskunden. Andreas Gropp berichtet, er habe sonst ganz viele Firmen und Gaststätten mit Weihnachtsbäumen beliefert. "Viele haben gleich mehrere Bäume genommen, einen für die Gaststube, einen für die Terrasse, einen für das Treppenhaus." Dieser Markt sei eingebrochen.

Dafür ist die Nachfrage für den Privathaushalt in die Höhe geschossen. "Liegt vielleicht daran, dass viele nicht wegfahren und sich nun wenigstens einen schönen Baum gönnen." Aber ist das noch zeitgemäß? Weihnachtsbäume sind letztendlich Wegwerfprodukte, zehn bis zwölf Jahre gehegt und gepflegt, dann geschmückt und nach 14 Tagen im Wohnzimmer einfach entsorgt.

Andreas Gropp holt einen Zettel hervor. Er hat sich mal einige Zahlen notiert. Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet in seiner Standzeit 145 Tonnen Kohlendioxid, filtert 300 Tonnen Staubpartikel und bildet 100 Tonnen frischen Sauerstoff. Zudem ist die Plantage auch Lebensraum für Tiere, insbesondere Insekten. Ein Baum aus Kunststoff käme niemals auf diese Ökobilanz, im Gegenteil. Und duften kann er schon gar nicht.

Tannenhof Kleinopitz, Freitaler Straße 4, geöffnet montags bis freitags 9 bis 18 Uhr sowie sonnabends 9 bis 15 Uhr

Und hier gibt es außerdem Weihnachtsbäume (Auswahl):

  • Gärtnerei Nietzold in Freital, Dresdner Straße 170
  • Blumen Röhringer in Freital, Weißeritzpark und in Tharandt, Roßmäßlerstraße 14
  • Toom Baumarkt in Freital, Hüttenstraße
  • am Lidl in Freital, Ecke Dresdner Straße/Wilsdruffer Straße
  • Obi-Baumarkt in Bannewitz, An der Zschauke
  • Baumschule Kreiser in Gombsen, Lockwitzer Straße 4
  • Försterei Hirschbach, Reinberger Weg 30, am 11. Dezember 14-16 Uhr, am 12. Dezember 9 bis 13 Uhr, am 17. und 18. Dezember 14 bis 16 Uhr sowie am 19. Dezember 9 bis 13 Uhr
  • Zum Selberschlagen: am 11. Dezember von 14 bis 16 Uhr Weihnachtsbaumplantage Straße "Schenkberg" in Höckendorf sowie am 13. Dezember von 9 bis 13 Uhr im Revier Karsdorf, Treff am Waldstadion Oelsa

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