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Wann fällt die Riesenantenne an der A4?

Der Wilsdruffer Förderverein zum Erhalt des Funkturms ist froh, dass der Eigentümer noch nicht gehandelt hat. Nun gehe der Kampf weiter.

Der rot-weiße Funkmast nahe der A 4 bei Wilsdruff ist ein Wahrzeichen der Region. Trotzdem soll er beseitigt werden.
Der rot-weiße Funkmast nahe der A 4 bei Wilsdruff ist ein Wahrzeichen der Region. Trotzdem soll er beseitigt werden. © Daniel Schäfer

Für Sabine Neumann und ihren Verein lief es 2020 besser als gedacht. Der Förderverein hat ein wichtiges Ziel zumindest vorläufig erreicht: den Erhalt der Riesenantenne auf der Birkenhainer Höhe. Entgegen den Plänen des Eigentümers, der Kölner Firma Media Broadcast, wurde die Antenne des früheren Mittelwellensenders nicht abgerissen. Eigentlich sollte das nach ersten Plänen des Unternehmens bereits 2019 geschehen.

"Ja, der Bleistift steht noch - das freut die Mitglieder und Freunde des Fördervereins sehr", sagt die Vereinschefin, die vor zwei Jahren antrat, den Masten zu erhalten. Damals startete sie eine Online-Petition, die von 4.323 Frauen und Männern - gut zur Hälfte aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - unterstützt wurde.

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Förderverein hat Pläne für 2021

"Wir schreiben uns die Tatsache, dass er bisher nicht sang- und klanglos 'gefällt' wurde, schon ein wenig auf die Fahne", sagt sie. Sie und ihre Mitstreiter seien nicht untätig gewesen. Man habe Gespräche auf allen Ebenen geführt, habe die Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen informiert und einen gewissen Druck auf den Eigentümer der Antenne aufgebaut. "Natürlich wird auch Corona uns in die Karten gespielt haben", sagt sie. Bisher habe sie noch keinerlei Zeichen bekommen, dass in naher Zeit ein Abriss stattfinden wird. Das stimmt sie optimistisch - und ermutigt sie.

Der Förderverein möchte auch 2021 weiter für den Erhalt des Turmes und der dazugehörigen Technik kämpfen. "Derzeit sind uns die Hände gebunden, aber sobald es Lockerungen gibt, wird es erst eine Vorstandssitzung und dann eine Mitgliederversammlung geben", sagt sie. Unter anderem ist geplant, in diesem Jahr eine coronabedingt abgesagte Veranstaltung auf dem Marktplatz in Wilsdruff nachzuholen. Als Vereinsvorsitzende wird sie weiterhin das Gespräch mit der Politik suchen. Vielleicht ist die Antenne langfristig zu retten. Ansonsten hat sie einen Plan B. Dieser sieht vor, zumindest die Technik zu erhalten, um so an den Turm zu erinnern.

Vorbild im Saarland

Ein Beispiel dafür könnte der Sender Überherrn im Saarland sein, sagt Wolfgang Lill, der sich ebenfalls für den Erhalt der Sendeanlage einsetzt, sich in seiner Freizeit für Rundfunktechnik interessiert und als ehrenamtlicher Redakteur des Portals radiomuseum.org arbeitet. Dort berichtet er ausführlich über den einst reichweitengrößten Langwellensender der Welt, der nahe der französischen Grenze steht.

Sabine Neumann leitet den Förderverein Funkturm Wilsdruff. Dieses Foto entstand fast genau vor einem Jahr vor der Antenne.
Sabine Neumann leitet den Förderverein Funkturm Wilsdruff. Dieses Foto entstand fast genau vor einem Jahr vor der Antenne. © Karl-Ludwig Oberthuer

Von dort wurde einst das Programm Europa 1 ausgestrahlt. Ähnlich wie in Wilsdruff war der Sender zu einem Wahrzeichen geworden. Allerdings gehörten zu ihm zuletzt vier Stahlmasten. Doch nachdem der Sendebetrieb Ende 2019 dort eingestellt wurde, wurden sie nicht mehr benötigt. Zunächst wurden die zwei 234 Meter hohen Antennen, dann die 276 und 270 Meter hohen Antennen umgelegt. Doch anderes als in Wilsdruff kaufte die dortige Gemeinde Überherrn Mitte 2016 das Objekt mit Hilfe einer Förderung für 120.000 Euro, um die Gebäude zu erhalten, sagt Lill.

Media Broadcast hält an ihren Plänen fest

Und was sagt die Media Broadcast zum Thema? "An der Situation in Wilsdruff hat sich aktuell noch nichts geändert", erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Man halte an den Plänen zum Rückbau der Antenne fest. "Es wurden alle erforderlichen Unterlagen bei den zuständigen Behörden eingereicht und geprüft", so der Sprecher.

Unklar bleibt, warum der Turm nicht wie geplant abgerissen wurde. "Die Gründe für die Verzögerungen sind vielschichtig, zu Details machen wir keine Angaben", so der Sprecher. Nur so viel möchte er preisgeben: "Die durch die Corona-Pandemie verursachten Einschränkungen haben auch die Vorbereitungen des Rückbaus der Antenne beeinflusst und diese zeitweise verzögert." Offen bleibt, wann der Turm fallen wird. "Ein Termin für den Beginn des Rückbaus steht derzeit noch nicht fest."

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Die vom Landratsamt Pirna erteilte Abrissgenehmigung indes gilt drei Jahre. Sollte in diesem Zeitraum nicht mit der Ausführung begonnen werden oder die Ausführung länger als zwei Jahre unterbrochen werden, erlischt sie. "Auf schriftlichen Antrag kann die Genehmigung jeweils um bis zu zwei Jahre verlängert werden", erklärt der zuständige Beigeordnete für Bau und Umwelt, Heiko Weigel, auf Nachfrage.

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