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Der neue Steine-Profi aus Wilsdruff

Nicht die Spur der Steine, sondern die Liebe führte einen Portugiesen nach Braunsdorf bei Wilsdruff. Hier möchte er nun sein Glück perfekt machen.

Luis Mendes hat sich Ende März 2021 selbstständig gemacht. Der Braunsdorfer möchte sich im Garten- und Landschaftsbau verwirklichen. Helfen soll dabei seine 20-jährige Berufserfahrung.
Luis Mendes hat sich Ende März 2021 selbstständig gemacht. Der Braunsdorfer möchte sich im Garten- und Landschaftsbau verwirklichen. Helfen soll dabei seine 20-jährige Berufserfahrung. © Daniel Schäfer

Zu Pflastersteinen hat Luis Mendes eine besondere Beziehung. Mit ihnen kann er kleine Meisterwerke schaffen. Besonders gern greift er zu weißen Kalk- und schwarzen Basaltsteinen. Aber auch die kleinen Granitsteine haben es ihm angetan. Diese verlegt der 47-Jährige in einem Rekordtempo. Gelernt hat er das in seinem Heimatland Portugal. In seiner Wahlheimat Braunsdorf möchte er sich nun eine Existenz aufbauen.

Mit Unterstützung seiner Frau Ines Schneider-Mendes hat er sich vor wenigen Tagen selbstständig gemacht. Beide hoffen, dass das gutgeht. "Ich weiß, dass er es gut kann", sagt seine Frau. Den Beruf des Pflasters hat er nicht gelernt. Die Fertigkeiten hat er sich nach seinem fünfjährigen Dienst bei der portugiesischen Marine autodidaktisch angeeignet. "Mein Land ist berühmt für diese Arbeiten", sagt er.

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Steinverlegekunst seit über 600 Jahren

In Lissabon, in dessen Nähe Mendes aufgewachsen ist, gibt es sehr viele kunstvoll gestaltete Plätze. Die Böden von Portugals Hauptstadt werden von Abertausenden handgeschlagenen Kalk- und Basaltsteinen bedeckt.

Die Steinlegetechnik wurde in Lissabon bereits um 1500 angewendet. Der damals das Land regierende König Manuel der Glückliche ließ das erste Kopfsteinpflaster an einem Kloster in Lissabon verlegen. Später kamen kunstvolle Mosaikpflaster wie das Zick-Zack-Muster und Wellenmosaike hinzu. Von Lissabon aus verbreitete sich das Handwerk der Calceteiros - wie die Pflasterer in Portugal heißen - über das ganze Land.

Dennoch. Es gab auch Vorbehalte, ob die Fertigkeiten und der Verweis auf die große Handwerkskunst aus Portugal reichen werden, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Bürokratie ist nicht ganz ohne. Und was passiert, wenn ein Auftraggeber nicht zahlen will, fragt seine Frau. Diese und ähnliche Bedenken hörte sie auch im Freundes- und Bekanntenkreis.

Corona-Pandemie hat nicht abgeschreckt

Luis Mende hat weder das noch die Corona-Pandemie abgeschreckt. Er sieht kein Risiko. "Das ist eine Dienstleistung, die immer gebraucht wird", sagt er. Und ganz neu sei die Situation nicht. In Portugal sei er schon zehn Jahre selbstständig gewesen. Er arbeitete unter anderen auch auf dem Gelände der Weltausstellung Expo 1998 in Lissabon mit.

Doch dann geriet Portugal in eine wirtschaftliche Krise. Viele Portugiesen gingen ins Ausland. Auch Mendes heuerte bei einer Firma an, die ihn als Saisonarbeiter nach Deutschland schickte, um zu pflastern. Ein Auftrag führte ihn nach Hamburg zur Baustelle der Elbphilharmonie, ein anderer zum Hamburger Denkmal für die ermordeten Juden im Zweiten Weltkrieg.

2010 zog er komplett nach Deutschland um. Obwohl er mit dem Wechsel der Jahreszeiten hier noch seine Schwierigkeiten hat - "das Wetter ist komisch" -, gefällt es ihm hier sehr gut. "Deutschland ist ein Land zum Leben, es ist sehr stabil und sicher." Sein Glück perfekt machte, dass er hier seine Frau fürs Leben kennenlernte, zu der er dann auch gern nach Braunsdorf zog.

Obwohl Luis Mende seit 20 Jahren Steine verlegt, hat er keine Knieprobleme. Er arbeitet in der Hocke.
Obwohl Luis Mende seit 20 Jahren Steine verlegt, hat er keine Knieprobleme. Er arbeitet in der Hocke. © privat
Dieses Mosaik hat Luis Mendes geschaffen.
Dieses Mosaik hat Luis Mendes geschaffen. © privat
Auch diese Art Muster beherrscht er.
Auch diese Art Muster beherrscht er. © privat

Auch in Deutschland arbeitete er bei Garten- und Landschaftsbaubetrieben. Einige Arbeiten machten ihm Spaß, andere nicht. Denn am liebsten pflastert er. Er setzt aber auch gern Mauern - hier vor allem mit Sandstein, weil sich dieser gut bearbeiten lässt. Da er als Angestellter aber nicht selbst bestimmten konnte, was er machte soll, wuchs in ihm der Drang, sich selbstständig zu machen.

Endlich eigener Chef sein

Sein eigener Herr zu sein, soll sich auch im Winter auszahlen. Bisher musste er sich in der kalten Jahreszeit arbeitslos melden, weil seine Arbeitgeber wegen der Witterung den Betrieb einstellten. Luis Mende möchte auf die dreimonatige Winterpause verzichten und hofft, auch für diese Zeit Aufträge zu bekommen.

Er und seine Frau wissen, dass man nicht nur Können braucht, um Aufträge zu bekommen. Dazu ist auch Werbung notwendig. "Wir wollen noch Flyer drucken", sagt seine Frau. Und auch eine Homepage soll noch entstehen. Bis es soweit ist, hofft Mendes, dass die "Mund-zu-Mund-Propaganda" und das Hinweisschild am Hof hilft und ihm weitere Auftraggeber beschert.

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