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Wilsdruff: Kunstofftechnik-Spezialist überwindet Corona

Die Firma Goerlich musste unter den Corona-Schutzschirm. Die Auftragslage hat sich inzwischen deutlich verbessert. Deshalb wird Personal eingestellt.

Betriebsleiter Thomas Ehrlich steht in der Produktionshalle seiner Firma. Mit einer finanziellen Beteiligung hat er mit dazu beigetragen, der Goerlich Kunststofftechnik GmbH eine Zukunft zu geben.
Betriebsleiter Thomas Ehrlich steht in der Produktionshalle seiner Firma. Mit einer finanziellen Beteiligung hat er mit dazu beigetragen, der Goerlich Kunststofftechnik GmbH eine Zukunft zu geben. © Daniel Schäfer

Der Kesselsdorfer Kunstofftechnik-Spezialist Goerlich hat eine schwierige Zeit hinter sich. Im Juli 2020 beantragte die Geschäftsleitung ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. Das endet nun, da es mit der Firma wieder aufwärts geht. Betriebsleiter Thomas Ehrlich sagt, wie es dazu gekommen ist und was jetzt ansteht.

Herr Ehrlich, wie ist die Firma Goerlich durch die Corona-Krise gekommen?

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Zunächst besser als gedacht. Das erste Quartal 2020 lief für unsere Firma ganz gut. Wir sind gewachsen und konnten unseren Umsatz trotz Corona-Krise gegenüber 2019 um 30 Prozent steigern. Das hatten wir so nicht erwartet.

Warum?

Ursprünglich bestand das Unternehmen aus zwei Betrieben. 2019 hat die Geschäftsführung entschieden, den Standort in Leingarten (Baden-Württemberg) aufzugeben und die Produktion in Kesselsdorf zu konzentrieren, weil der Arbeitsmarkt insbesondere die Verfügbarkeit von Fachkräften hier in der Region deutlich besser war als im Süden. Auch die Automobilkrise, die sich 2018 und 2019 abzeichnete, bewog die Geschäftsleitung dazu, Leingarten mit seinen 50 Mitarbeitern aufzugeben. Ende 2019 war der Umzug abgeschlossen, alle Maschinen standen nun in Kesselsdorf. Das war ein erheblicher Kraftakt aller Mitarbeiter.

Und warum musste die Firma dann im Juli 2020 ein Corona-Schutzschirmverfahren beantragen?

Ab Mai brach der Umsatz um die Hälfte ein. Das setzte sich im Juni, Juli und August fort und lag zum Großteil an Abrufen der Automobilindustrie, aber nicht nur. Auch Firmen aus anderen Branchen hatten ihre Produktion runtergefahren und weniger bestellt. Keiner wusste ja in diesen Monaten, wie es weitergeht.

Konnten Sie nicht mit Kurzarbeit gegensteuern?

Nicht wirklich. Wir haben zwar auch dieses Instrument genutzt, aber die Standortschließung brachte Kosten mit sich. Diese Nachlaufkosten waren erheblich. Deshalb haben wir das Schutzschirmverfahren beantragt. Infolge des Verfahrens haben wir aber auch einige Mitarbeiter verloren.

Wie kam es dazu, dass das Verfahren so schnell abgeschlossen werden konnte?

Es gab ein Sanierungskonzept und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Der bisherige Gesellschafter Andreas Lindemann hat einen finanziellen Beitrag geleistet und mit der SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft, ein Tochterunternehmen der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, und mir wurden zwei neue Gesellschafter aufgenommen.

Was hat Sie bewogen, Anteile an der Firma zu übernehmen?

Für mich war klar, dass dieser Standort erhaltenswert und zukunftsfähig ist - und dass ich mich hier deshalb finanziell engagieren möchte.

Wie geht es mit dem Unternehmen weiter?

Wir gehen davon aus, dass das Insolvenzverfahren in den nächsten Wochen auch formal beendet werden kann. Wir wollen unsere Produktion weiter steigern und planen für dieses Jahr einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro, das ist eine halbe Million Euro mehr als 2020. Die Auftragslage ist seit dem vierten Quartal 2020 ausgezeichnet. Wir fahren seitdem über Plan und sind fast an der Kapazitätsgrenze.

Sind Einstellungen geplant?

Gegenwärtig haben wir 63 Mitarbeiter. Wir werden in diesem Jahr noch fünf bis zehn neue Mitarbeiter einstellen und suchen dazu Verfahrensmechaniker, Mechatroniker, einen Qualitätsingenieur und Auszubildenden im Formenbau wie auch als Verfahrensmechaniker. Wenn uns die Einstellungen gelingen, hätten wir 75 Mitarbeiter. Das ist eine Zahl, die der Standort verträgt. Ein weiteres Wachstum wäre nur mit einer Erweiterung der Produktion möglich.

Neben Ihrem Betriebssitz ist noch viel Platz. Wann wird diese Fläche bebaut?

Dort soll eine zweite Produktionshalle hin, die wir ursprünglich 2020 in Betrieb nehmen wollten. Der Neubau ist bereits genehmigt. Diese Investition haben wir im Zuge des Schutzschirmverfahrens verschoben. Wir müssen uns nun erst einmal konsolidieren und Aufträge für die Zukunft gewinnen. Wir betreiben aktuell 33 Arburg Spritzguss-Maschinen im Drei-Schicht Betrieb. Investitionen in die Technik gehen weiter, wir haben in eine Messmaschine und in neue Druckluftkompressoren investiert, um das technologische Niveau weiter zu heben.

Ein Wirtschaftsingenieur leitet den Betrieb

Der Wirtschaftsingenieur Thomas Ehrlich (48) arbeitete einige Jahre als geschäftsführender Gesellschafter bei der Ehrlich Werkzeug- und Gerätebau GmbH in Pirna. Nach deren Verkauf an ein anderes Unternehmen 2013 führte er dort bis Ende 2016 weiter die Geschäfte. 2017 war er für einen Hersteller von Ventilhauben in Brandenburg erst als Technischer Leiter und dann als Betriebsleiter tätig. Im April 2018 wurde er Betriebsleiter bei der Goerlich Kunststofftechnik.

Firma mit Wurzeln in Baden-Württemberg

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Die Goerlich Kunststofftechnik wurde 1978 in Leingarten bei Heilbronn (Baden-Württemberg) gegründet und ist seit August 1990 in Kesselsdorf ansässig. Gegenwärtig stellt das Unternehmen 350 verschiedene Kunststoffartikel in Stückzahlen von 1.000 bis fünf Millionen im Jahr her. 50 Prozent der Produkte werden in Autos deutscher Fahrzeughersteller verbaut. Andere Abnehmer sind große Heizungsbauer und Sanitärhersteller. Die Umsätze gehen zur Hälfte an deutsche Kunden, die andere Hälfte in die anderen EU-Länder.

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