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Wilsdruff: Ein E-Auto für 150 Euro im Monat

Der Präzisionsbauteile-Hersteller PMG hat sich eine ganz besondere Fahrzeugflotte zugelegt. Damit verfolgt das Unternehmen mehrere Ziele.

Silvio Michel, René Nowak, Robert Pätzold und David Rriedrich (von links) von der PMG Precision Mechanics Group aus Wilsdruff stehen vor einem kleinen Teil der neuen Fahrzeugflotte mit dem E-Motor.
Silvio Michel, René Nowak, Robert Pätzold und David Rriedrich (von links) von der PMG Precision Mechanics Group aus Wilsdruff stehen vor einem kleinen Teil der neuen Fahrzeugflotte mit dem E-Motor. © Daniel Schäfer

René Nowak hat diese Entscheidung noch nicht bereut. Seit knapp einen Monat fährt er einen E-Volkswagen. Er musste ihn auch nicht kaufen. Seine Firma PMG stellt ihm diesen als Dienstwagen zur Verfügung. Seither pendelt er damit von seiner Wohnung in Dresden-Nickern zur Arbeit ins Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe. "Das Auto fährt sich hervorragend, das Raumgefühl ist besonders. Einige technische Neuheiten macht dieses Auto noch sicherer", sagt 52-Jährige begeistert, der in der Firma als Qualitäts- und Umweltmanager arbeitet. Neben Nowak konnten auch zehn andere Mitarbeiter mithilfe der Firma auf ein E-Auto umsteigen.

Große Fotovoltaikanlage ist ans Netz gegangen

Für die Geschäftsführer David Riedrich und Torsten Freudenberg, die den Hersteller von Präzisionsbauteilen für die internationale Luft- und Raumfahrtindustrie gemeinsam leiten, ist das "gelebte" Nachhaltigkeit. Wer es ernst damit meine, muss jetzt anfangen, auf umweltfreundliche Technologien umzusteigen, sagt Riedrich.

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Die E-Fahrzeuge sind Teil eines gut zwei Millionen Euro schweren Investitionsprogramms, zu dem auch eine der größten Fotovoltaikanlagen der Region gehört. Diese ging Ende Juli ans Netz und versorgt nun nicht nur die Produktion des Flugzeugteileherstellers mit Strom. Auch die Mitarbeiter profitieren vom grünen Strom. Sie können während der Arbeit ihr Fahrzeug kostenfrei aufladen.

Mitarbeiter René Nowak von der PMG Precision Mechanics Group aus Wilsdruff steht vor einem VW ID4, der zu der Fahrzeugflotte mit dem E-Motor gehört.
Mitarbeiter René Nowak von der PMG Precision Mechanics Group aus Wilsdruff steht vor einem VW ID4, der zu der Fahrzeugflotte mit dem E-Motor gehört. © Daniel Schäfer

Für Riedrich und Freudenberg, die das neue Geschäftsfeld am Freitag mit einem kleinen Fest feierlich in Betrieb genommen haben, ist das ein großer Erfolg. "Fast genau vor einem Jahr haben wir unseren Mitarbeitern angekündigt, uns stärker für nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen", sagt Riedrich.

Die Geschäftsführung war angetreten, irgendwann CO2-neutral zu wirtschaften. Dieses Ziel habe man nun erfüllt, obwohl die EU das erst bis 2045 verlangt. "Die Skepsis, die es nach der Vorstellung der Pläne gut vor einem Jahr in der Belegschaft gab, ist inzwischen bei vielen zerstreut worden." Das Interesse für die neue Technik hat sogar zugenommen.

PMG möchte in der Region noch bekannter werden

Auch viele Geschäftspartner haben das inzwischen honoriert. Ebenso erfreulich sei, dass es sich in Wilsdruff und Umgebung herumgesprochen hat. Die entsprechenden Firmen-Aufkleber auf den Autos wirken offenbar. Das freut Riedrich. Schließlich habe man diesen nicht ganz unwichtigen Nebeneffekt einkalkuliert. PMG möchte in der Region noch bekannter werden und sich als attraktiver Arbeitgeber darstellen. Dabei sollen die Elektro-Autos helfen.

Eigentlich sollte die komplette Fahrzeugflotte im Mai auf dem Hof stehen. Die Tesla-Fahrzeuge wurden aber erst im Juni, die E-VWs erst im Juli geliefert. Noch immer ist die Flotte nicht ganz vollständig. PMG wartet noch auf sieben Volkswagen. Diese sind zwar bestellt. Doch der Autohändler konnte noch keinen Liefertermin nennen, sagt Riedrich.

Er hofft, dass seine Firma und damit auch seine Mitarbeiter diese noch in diesem Jahr bekommen. "Uns ärgert es sehr, dass wir die Fahrzeuge nicht bereitstellen können. Wir haben es den Mitarbeitern versprochen." Dass VW die Autos nicht liefern kann, sind wohl die Tücken der gegenwärtigen Zeit, in der es für bestimmte Bauteile Lieferengpässe gibt.

Der Präzisionsteilehersteller PMG arbeitet im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe.
Der Präzisionsteilehersteller PMG arbeitet im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe. © Daniel Schäfer
Die Betriebsfeier fand unter der neuen Solaranlage statt. Hier wurde die neue Flotte von E-Autos eingeweiht.
Die Betriebsfeier fand unter der neuen Solaranlage statt. Hier wurde die neue Flotte von E-Autos eingeweiht. © Daniel Schäfer
Die Geschäftsführer Torsten Freudenberg und David Riedrich begrüßen Mitarbeiter und Gäste.
Die Geschäftsführer Torsten Freudenberg und David Riedrich begrüßen Mitarbeiter und Gäste. © Daniel Schäfer
Geschützt von der Sonne hat die Firma PMG die Neuinvestition gefeiert.
Geschützt von der Sonne hat die Firma PMG die Neuinvestition gefeiert. © Daniel Schäfer

Mit denen hat auch René Nowak zu kämpfen. "Die eingebaute Software ist störanfällig", sagt er. Selbst Fachwerkstätten des Konzerns fehlt die Ausrüstung, um Fehler schnell zu beheben. Denen sei es nicht möglich, Ersatzteile zu beschaffen. "Im Moment gibt es keine." Deshalb steht sein Fahrzeug seit mehren Tagen in der Werkstatt. Dort muss eine Pumpe ausgewechselt werden. Bisher konnte ihm noch kein Termin genannt werden, wann er es wieder abholen kann. Volkswagen kann das Ersatzteil nicht liefern.

Anfangsprobleme der neuen Technologien

Wenn er es wieder fahren kann, wird zumindest ein Problem noch mittelfristig ungelöst bleiben. Nowak wohnt in einer Mietwohnung, zu der aber keine Aufladestation gehört. Seine Vermieter wollen das noch nicht. "Es ist ein Riesenvorteil, dass ich mein Auto hier in der Firma aufladen kann", sagt Nowak. Voll aufgetankt, kann er eine Woche damit pendeln.

Auch finanziell lohnt es sich, dass Auto zu fahren, da seine Firma die Kosten für die Unterhaltung komplett übernimmt. "Mit der betrieblichen Förderung zahle ich für das Auto im Monat 130 bis 150 Euro netto. Das ist schon lukrativ."

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Trotz dieser Schwierigkeiten ist PMG-Chef Riedrich überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das seien Anfangsprobleme der neuen Technologien. Auch René Nowak nimmt es gelassen. Eigentlich wollten er und seine Frau komplett umsteigen. Sie sind vorsichtig geblieben und haben ihren Benziner behalten. "Wir sind noch in der Testphase." Nach zwei Jahren wolle man entscheiden.

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