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Wilsdruff: Viel zu tun auf der Autobahn und bei Bränden

Die ruhigen Tage bei der Wilsdruffer Feuerwehr sind gezählt. Vor allem die Unfälle auf der A4 fordern die Einsatzkräfte.

Von Maik Brückner
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Hinter Wilsdruffs Stadtwehrleiter Falk Arnhold und seinen Kameraden liegt ein sehr einsatzstarkes Jahr.
Hinter Wilsdruffs Stadtwehrleiter Falk Arnhold und seinen Kameraden liegt ein sehr einsatzstarkes Jahr. © Daniel Schäfer

Drei große Brände, mehrere schwere Verkehrsunfälle auf der A4. Immer wieder wird die Hilfe der Wilsdruffer Feuerwehr benötigt. Zusammen mit Stadtwehrleiter Falk Arnhold zieht Sächsische.de eine Bilanz des Einsatzjahres 2021.

Auch 2021 wieder viele Einsätze

Die Wilsdruffer Wehren wurden 2021 zu insgesamt 195 Einsätze (2020: ebenfalls 195 Einsätze) gerufen. Dort leisteten sie insgesamt 4.513 und damit rund 1.500 Einsatzstunden mehr als 2020, sagt der Stadtwehrleiter. Es gab drei große Brände. Am 19. Januar brannte es in einer Gewerbehalle an der Nossener Straße in Wilsdruff, am 19. Oktober brach in einer Scheune und einer Garage in Kleinopitz ein Feuer aus. Und am 15. Dezember stand eine Werkstatthalle in Braunsdorf in Flammen. Ursache waren technische Defekte oder ein fahrlässiger Umgang durch den jeweiligen Betreiber.

Der Brand einer Scheune und einer Garage im Wilsdruffer Ortsteil Kleinopitz war einer der schwersten Brände, zu denen die Wilsdruffer Wehren ausrücken mussten Ihnen gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Wohnhäuser zu verhindern.
Der Brand einer Scheune und einer Garage im Wilsdruffer Ortsteil Kleinopitz war einer der schwersten Brände, zu denen die Wilsdruffer Wehren ausrücken mussten Ihnen gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Wohnhäuser zu verhindern. © SZ/Maik Brückner

Autobahnen bleiben ein Schwerpunkt

Die Autobahnen sorgten weiter für viel Arbeit. Insgesamt 52-mal (2020: 30 Einsätze) rückten die Ortswehren Wilsdruff und Kesselsdorf mit Rüstwagen und dem Hilfslöschfahrzeug HLF 20 aus. Schwerpunkt war die A4. Dort kam es am 30. März in Richtung Dresden, sowie am 4. Mai und am 9. Juni in Richtung Erfurt zu schweren Unfällen, bei denen auch Menschen starben. Übers Jahr gesehen ist eine Tendenz zu erkennen. "Mit Beendigung der Baustellen auf der A4 ist wieder Normalität eingekehrt", sagt Stadtwehrleiter Arnhold.

Feuerwehr ist auf technisch sehr guten Stand

"Die Anforderungen an uns in puncto Technik und Personal sind hoch, gerade beim Thema Technische Hilfeleistung auf A4 und Bundesstraße 173", sagt Arnhold. Davon konnte sich Innenminister Roland Wöller persönlich bei dem Unfall am 4. Mai 2021 überzeugen können, in dem sein Fahrzeug verwickelt war.

Aus Sicht der Stadtwehrleitung ist die Gesamtwehr und ihre Ortswehren - auch nach dem Kauf von fünf neuen Fahrzeugen - auf das Modernste ausgestattet. Dafür sei die Stadtwehrleitung dem Bürgermeister, der Verwaltung und dem Stadtrat dankbar. "Unsere Leistungsfähigkeit müssen wir jede Woche von Neuem unter Beweis stellen", so der Feuerwehrchef.

Feuerwehr sieht noch Bedarf

Wünsche habe man keine, sagt Arnhold, aber es gibt ein Fahrzeug, das man noch bräuchte. Benötigt wird ein Großtanklöschfahrzeug mit einem 8.000 bis 10.000 Liter fassenden Tank, um für Flächen- und Waldbrände auch außerhalb des Stadtgebietes und auf der A4 gerüstet zu sein. Die Brände im vorigen Jahr hätten leider wieder bestätigt, dass diese Anschaffung wohl noch notwendig ist, so Arnhold.

Die fünf neuen Feuerwehrfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Wilsdruff und ihre Fahrer: Falk Arnhold, Daniel Menzel, Daniel Quint, Christian Oertel, Stefan Wagner, Uwe Zschunke und Heiko Fritzsche (von links nach rechts).
Die fünf neuen Feuerwehrfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Wilsdruff und ihre Fahrer: Falk Arnhold, Daniel Menzel, Daniel Quint, Christian Oertel, Stefan Wagner, Uwe Zschunke und Heiko Fritzsche (von links nach rechts). © Daniel Schäfer

Corona ist auch bei der Feuerwehr ein Thema

"Es werden große Anstrengungen in Bezug auf Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen unternommen", so Arnhold. Denn eine Feuerwehr wie die Wilsdruffer, die zu unterschiedlichen Einsätze gerufen wird, kann über Jahre hinweg wegen Corona nicht auf Aus- und Weiterbildung verzichten. Würde man das tun, würde die Qualität der Einsätze darunter leiden. "Und es würden sich Fehler einschleichen, was im schlimmsten Fall dann nicht mehr zum gewünschten Einsatzerfolg führt."

Um das zu vermeiden, wurden im Mai 2021 mit der regelmäßigen Ausbildung - allerdings unter Auflagen - begonnen. "Konkret muss sich jeder vor Dienstbeginn einem dokumentierten Schnelltest vor Ort unterziehen, egal ob geimpft oder nicht geimpft." Für den Feuerwehrchef ist dieses Vorgehen geeignet, um Sicherheit in den Feuerwehralltag zu bringen. Dazu werden Ehrenamtliche auch nicht benachteiligt.

Impfstatus ist bei der Feuerwehr zweitrangig

"Wir sind alle mit großem Engagement ehrenamtlich tätig. Im Allgemeinen machen wir hier keine Unterschiede zwischen den Kameraden, die geimpft oder nicht geimpft sind", sagt der Stadtwehrleiter. "Es geht darum, anderen zur Hilfe zu eilen und Leben zu retten." Dazu opfern alle ihre Freizeit und setzen dabei ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Seiner Meinung nach sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt. "Ein großer Teil ist geimpft", so Arnhold, viele auch geboostert. Der Kesselsdorfer Arzt Dr. Michael Klug hat für die Feuerwehr Impfungen an einem Sonntag ermöglicht. Dafür sei er dankbar.

Nahezu konstante Mitgliederzahlen

Aktuell haben die Wilsdruffer Wehren 283 Aktive, 2020 waren es 287 und im Jahr zuvor 268. Die stärkste Ortswehr ist mit 44 Mitglieder die Wilsdruffer. Dicht gefolgt wird sie von Mohorn-Grund mit 41 Aktiven. Leicht zurückgegangen ist die Zahl der aktiven Atemschutzgeräteträger. 2021 gab es 98, 2020 waren es 106 und 2019 genau 2019.