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Wacklers neues Gefahrenstofflager

Der Logistiker hat mehrere Millionen Euro in Wilsdruff investiert, um eine Nische zu besetzen. Damit entstehen neue Arbeitsplätze.

Wackler-Niederlassungsleiter Markus Hecker und die Leiterin der Abteilung, Kathleen Dietrich, zeigen die neue Gefahrenstoffhalle des Logistikers.
Wackler-Niederlassungsleiter Markus Hecker und die Leiterin der Abteilung, Kathleen Dietrich, zeigen die neue Gefahrenstoffhalle des Logistikers. © Norbert Millauer

Regale, so weit das Auge reicht. Markus Hecker freut sich über den Anblick. Endlich. Das neue Lager seiner Firma mit einer Gebäudefläche von 17.000 Quadratmetern kann in Betrieb gehen.

Viereinhalb Jahre hat sein Team gebraucht, um den Planungs- und Bauprozess für dieses riesige Gebäude abzuschießen. Jetzt ist es geschafft.

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"Uns fällt ein Stein vom Herzen." Bei einem "ganz normalen" Lager wäre das viel schneller gegangen, sagt der Niederlassungsleiter des Wilsdruffer Logistikers Wackler, der vom Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe aus agiert. Doch das, was hier entstanden ist, ist ein besonderes Lager - es ist ein Gefahrenstofflager.

Markus Hecker weiß, welche Assoziationen das auslöst. "Giftige oder atomare Stoffe lagern wir hier nicht", versichert der Niederlassungsleiter bei einem Rundgang. Vielmehr werden hier Fässer, Dosen und Kanister zwischengelagert, deren Inhalte von den Behörden als Gefahrenstoff eingestuft werden. Dazu stehen dem Logistiker 19.400 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung.

Pragmatische Ideen der Feuerwehr

In der Planungs- und Bauphase waren viele Abstimmungen notwendig, vom Katastrophenschutz bis zum Arbeitsschutz, erzählt der Niederlassungsleiter. Auch die Stadtfeuerwehr Wilsdruff wurde angehört. "Sie hatte pragmatische Ideen, die sich im Bau niedergeschlagen haben." Das Ergebnis ist ein absolut sicheres Lager. "Die baurechtlichen Anforderungen haben wir deutlich übertroffen", sagt Hecker.

Das Lager besteht aus 14 gleichgroßen Hallenabschnitten. Eine Vorgabe der Behörden, die sich bei einer Havarie auszahlen soll. Das ist aber nicht die einzige Vorsichtsmaßnahme. Das größte Gefäß, das Wackler lagert, wird 1.000 Liter Inhalt haben. Sollte es an so einem Behältnis ein Leck geben, gibt es Wannen und Fässer, die die gesamte Menge auffangen können. Tropft etwas auf den Boden, stehen Bindemittel bereit. Darüber hinaus hat jedes Teillager drei Bodeneinläufe, die über ein Rohrsystem zu einem 1.200 Kubikmeter großen, unterirdischen Tank führen. Im Havariefall fließt nichts in die Umwelt, versichert Markus Hecker.

So sieht die Einfahrt zum neuen Gefahrenstofflager der Firma Wackler Spedition und Logistik im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe aus.
So sieht die Einfahrt zum neuen Gefahrenstofflager der Firma Wackler Spedition und Logistik im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe aus. © Norbert Millauer
Das neue Gefahrenstofflager hat eine Gebäudefläche von 17.000 Quadratmetern.
Das neue Gefahrenstofflager hat eine Gebäudefläche von 17.000 Quadratmetern. © Norbert Millauer
Mit diesen modernen Staplern werden die Kanister, Fässer und Kartons ein- und ausgelagert.
Mit diesen modernen Staplern werden die Kanister, Fässer und Kartons ein- und ausgelagert. © Norbert Millauer
Das Gefahrenstofflager ist riesig und besteht aus 14 Teillagern.
Das Gefahrenstofflager ist riesig und besteht aus 14 Teillagern. © Norbert Millauer
So sieht der Bodeneinlauf aus, der zu einem unterirdischen Tank führt.
So sieht der Bodeneinlauf aus, der zu einem unterirdischen Tank führt. © Norbert Millauer
Mit diesen Bergefässern wird die Flüssigkeit, die aus kaputten Behältern läuft, aufgefangen.
Mit diesen Bergefässern wird die Flüssigkeit, die aus kaputten Behältern läuft, aufgefangen. © Norbert Millauer

Die Erfüllung der Vorgaben hat ihren Preis. Rund 25 Millionen Euro hat Wackler in diese Halle investiert. Das soll sich auszahlen. Denn weit und breit gibt es kein ähnlich großes Lager, sagt Hecker. Die nächsten Lager - die allerdings kleiner sind - befinden sich in Halle/Saale, Stuttgart und Heilbronn. Potenzielle Lieferanten werden Hersteller aus der chemischen Industrie sein. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gibt es eine Menge Unternehmen, die in dieser Branche tätig sind, sagt Hecker. Viele sind schon seit Jahren Partner, weil Wackler für diese Firmen Waren fährt. "Die Frage nach einem Lager kam immer wieder auf". Denn viele Chemiefirmen haben ein Problem.

Hecker erklärt es an einem Beispiel. Zurzeit ist es so: Ein Chemiebetrieb produziert 20 Tonnen von einem Produkt. Das entspricht einer Lkw-Ladung. Diese wird ausgeliefert und verkauft. Um das nächste Produkt herzustellen, muss die Anlage sehr aufwendig gereinigt werden. "Für die Firmen ist es aber interessant, statt 20 Tonnen 100 Tonnen zu produzieren." Der Stillstand in der Produktionsanlage wäre dann viel geringer. Ein eigenes Lager würde den Firmen helfen, ist den meisten aber offenbar zu teuer. Denn dieses müsste die gleichen harten Kriterien erfüllen, die an das neue Wackler-Lager gestellt werden. Deshalb hofften viele Chemiebetriebe auf das Engagement eines Dritten - in diesem Fall von Wackler.

Hektische Wochen beginnen

Wackler kann nun brennbare und leicht entzündbare Flüssigkeiten im großen Mengen in Wilsdruff zwischenlagern. Das sind Konsumgüter wie Spraydosen mit brennbarem Butangas - vom Rasierschaum bis zum Autolack -, Bremsenreiniger, andere Reiniger, Nitroverdünnungen und Desinfektionsmittel.

Im Inneren des Lagers werden die Stoffe halbautomatisch ein- und ausgelagert. In den Gängen werden die Stapler von den Mitarbeitern gefahren, am Regal selbst werden diese Geräte automatisch gesteuert, erklärt Hecker.

Während andere Firmen derzeit nicht wissen, wie es weitergeht, wird es bei Wackler nun hektisch. "Wir haben schon Signale von einigen Kunden." Die ersten Lieferungen werden Anfang Februar erwartet. Nach und nach wird sich das Lager füllen.

Neue Arbeitsplätze entstehen

Markus Hecker stellt aber auch klar: "Wir sind ein passives Lager, wir öffnen keine Verpackungseinheiten." Das heißt, Wackler füllt nicht um, sondern lagert und stellt Sendungen mit Kartons und Kanistern zusammen. Die Mitarbeiter haben also keinen direkten Umgang mit den Gefahrenstoffen. Von Wilsdruff aus werden Autowerkstätten, der Einzelhandel und Industriebetriebe beliefert. "In Zukunft können es auch Schulen und Kindergärten sein."

Das neue Lager schafft auch Arbeitsplätze. Hier soll eine sehr stabile Mannschaft aufgebaut werden, die aus speziell geschulten Verwaltungsmitarbeitern und Lageristen besteht. Die Inbetriebnahme startet mit einem 30-köpfigen Team. Davon wurden zwölf Mitarbeiter neu eingestellt. "Mit dem Füllgrad des Lagers werden mit Sicherheit 25 bis 30 Mitarbeiter dazukommen", so der Niederlassungsleiter.

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Unter normalen Bedingungen würde Wackler die Halle mit einem Fest einweihen. Doch in Pandemiezeiten ist das nicht möglich. "Das tut richtig weh", sagt Markus Hecker. Man habe auch keine Zwischenschritte feiern können, obwohl es die Leute verdient hätten. Nach Corona wird gefeiert. "Das ist absolut sicher."

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