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Wilsdruffs Jugendklub vor dem Aus?

Streetworker Max Stürmer steht eng mit den Jugendlichen in Kontakt. Im Gespräch mit saechsische.de sagt er, wie hier die Jugendarbeit läuft.

Max Stürmer - Mitarbeiter des Jugendhilfevereins Pro Jugend -, hier zusammen mit Carolin Pollack, ist in Wilsdruff und Umgebung für die offene und mobile Jugendarbeit verantwortlich.
Max Stürmer - Mitarbeiter des Jugendhilfevereins Pro Jugend -, hier zusammen mit Carolin Pollack, ist in Wilsdruff und Umgebung für die offene und mobile Jugendarbeit verantwortlich. © Steffen Unger

Herr Stürmer, in den letzten Wochen machte der Wilsdruffer Jugendklub von sich reden. Weil sich die Jugendlichen nicht so verhielten, wie die Stadt das erwartet hatte, schloss das Rathaus den Klub. Als Streetworker haben Sie den Klub begleitet. Wie stellt sich für Sie die Situation dar?

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Ein völlig neues Lebensgefühl
Ein völlig neues Lebensgefühl

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In Wilsdruff hatte sich ein Jugendklub gegründet, der knapp zehn Mitglieder hat. Er befindet sich derzeit in einer Schwebesituation. Die Jugendlichen konnten einige Monate die frühere Gaststätte Sachsenperle nutzen - allerdings mit Unterbrechungen. Einmal wegen Corona und zum anderen Mal durch die Stadt. Sie hatte ihn gesperrt. Der Jugendklub sah nicht so aus, wie sich die Stadt das erhofft hat. Dort standen viele Pfandflaschen herum. In der Toilette waren mit Graffiti-Stiften Sprüche an die Fliesen gemalt worden. Es gab auch eine kaputte Türscheibe. Der Verursacher konnte aber schon ermittelt werden.

Was waren das für Sprüche, die es auf den Fliesen in der Toilette gegeben haben soll?

Ich würde sie als Partysprüche bezeichnen. Unter anderem hatte jemand „Der Jugendklub Wilsdruff ist legendär“ geschrieben. Für die einen ist das Dekoration, für andere ist das eine Schmiererei.

Es soll auch Probleme mit den Nachbarn gegeben haben.

In Wilsdruff gab es lange keinen Jugendklub. Nach der Gründung haben die Jugendlichen Veranstaltungen gemacht und hatten sehr viel Zuspruch erhalten. Ich fand es gut, dass die Jugendlichen das Gespräch mit den Nachbarn gesucht haben. Trotzdem gab es danach Beschwerden, dass es dort zu laut gewesen ist. Ich glaube, dass die Sachsenperle von den Nachbarn aus gesehen auch nicht so optimal ist, um daraus einen Jugendklub zu machen, wo sich Jugendliche treffen, laut Musik hören und feiern können. Das Haus steht zu nah an Einfamilienhäusern. Jugendliche hören nun mal gern laut Musik. Und sie gehen vor die Tür, um zu rauchen und zu quatschen. Manch einem Nachbarn ist das zu laut.

Wie geht es dort weiter?

Die Jugendlichen haben die Kündigung für die Räume bekommen, bis Ende März müssen sie das Gebäude räumen. Außerdem müssen sie noch Fördermittel abrechnen, die sie als Jugendklub beantragt und vom Landratsamt bekommen haben. Damit konnten sie unter anderem ihre Betriebskosten finanzieren. Ist das geschafft, muss die Gruppe überlegen, ob das auch das Ende des Vereins ist oder ob sie an einer anderen Stelle weitermachen wollen. Wir haben den Jugendlichen unsere Hilfe angeboten.

Wie viele Jugendklubs gibt es noch im Wilsdruffer Stadtgebiet?

Neben Wilsdruff gibt es noch zwei. Der größte mit derzeit knapp 20 Mitgliedern arbeitet in Mohorn. Dort wurde der Generationswechsel vor gut sechs Jahren erfolgreich vollzogen. Die Gruppe ist stabil und sehr aktiv. Sie beteiligt sich an Veranstaltungen im Dorf mit. Viele Prozesse haben sich dort etabliert, deshalb arbeiten sie sehr selbstständig. Auch in Kesselsdorf gibt es einen Jugendklub. Dort hatte sich 2020 eine neue Gruppe von sieben bis acht Leuten gefunden. Das ist der feste Kern, der die Organisation übernommen hat. Die Jugendlichen hatten es schwer, sich unter den Corona-Auflagen als Gruppe zu treffen. Sie möchten das bestehende Jugendklubgebäude renovieren.

Jugendliche haben heute viele Möglichkeiten, sich in der Freizeit zu beschäftigen. Hat das Interesse an der Arbeit im Jugendklub nachgelassen?

Das würde ich nicht sagen. Es gibt immer mal ein Auf und Ab. Es ist gut, dass es Jugendklubs gibt. Denn das Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen zu treffen, ist nach wie vor da. Die Jugendlichen treffen sich, um zu quatschen, ohne das Erwachsene dabei sind. Sie haben ihre Handys dabei, aber nicht für Online-Gaming, sondern um Musik zu hören. Und das können sie in den Klubs ungestört. Hier gibt es zum Teil auch Tischtennisplatten. Manche spielen dort Karten miteinander. Und sie treffen sich zum Grillen. In Mohorn hatten sich die Jugendlichen im Sommer einen Pool hingestellt und den befüllt. Oder sie machen zusammen Ausfahrten. Kurzum: In den Jugendklubs können sie sich ausprobieren.

Was hat sich geändert?

Die Angebote sind viel schnelllebiger und vielfältiger. Im Vergleich zu früher sind die Jugendlichen heute nicht mehr so stark an einen Ort gebunden, sie sind mobiler. Die Technik, sprich, die Handys, machen das möglich. Sie verabreden sich schnell zu einem Treffen. Das macht es für uns als Streetworker manchmal etwas schwieriger.

Und wie sieht Ihre Arbeit mit den Jugendklubs aus?

Wir stehen in regelmäßigem Kontakt. Außerdem gibt es ein- bis zweimal einen Jugendklubstammtisch für das Stadtgebiet, an dem die Stadtverwaltung, die Jugendlichen und wir zusammenkommen. Hier berichten die Klubs, was sie gemacht haben und was sie vorhaben.

Was steht als nächstes an?

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Wir planen, auch in diesem Jahr eine 48-Stunden-Aktion zu machen. Allerdings nicht wie in den Vorjahren im Mai, sondern wir versuchen sie, auf den Oktober zu setzen. Wir hoffen, dass es möglich ist. Im ganzen Landkreis gibt es 90 Gruppen, die sich daran beteiligen. In Wilsdruff waren in den letzten Jahren besonders die Jugendfeuerwehren sehr aktiv. Hier haben auch Schulen und Jugendklubs teilgenommen.

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