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"Wir müssen unsere Oberschule erweitern"

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) über Pläne der Stadt, mögliche Gewerbeansiedlungen und die Zukunft der Jugendarbeit.

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) steht vor der Oberschule Wilsdruff. Diese muss einen Anbau bekommen. Die Stadt bemüht sich um eine Förderung.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) steht vor der Oberschule Wilsdruff. Diese muss einen Anbau bekommen. Die Stadt bemüht sich um eine Förderung. © Daniel Schäfer

Herr Rother, Corona bestimmte 2020. Wie lief das Jahr in Wilsdruff?

2020 war sehr ereignisreich. Wir haben vieles fertigstellen können. So haben wir trotz der Einschränkungen, die Corona im Bauablauf und bei Lieferzeiten mit sich brachte, unser Gymnasium den Kindern übergeben. Am Landbergweg haben wir weitere 40 Kitaplätze geschaffen. Wir haben eine europaweite Ausschreibung für das Städtebaufördergebiet Innenstadt erfolgreich abgeschlossen, den barrierefreien Anbau unserer Stadtverwaltung für die Bürger geöffnet, den Breitbandausbau weiter vorgetrieben und in unsere freiwillige Feuerwehr investiert. Mit dem Kalkofen in Blankenstein konnten wir ein weiteres historisches Kleinod erhalten. Außerdem haben wir den Prozess der Straßenumbenennung begonnen. Und dies alles unter den Bedingungen der Corona-Situation. Im Gegensatz zum Frühjahr wird deutlich, dass es immer mehr Menschen gibt, die im näheren Umfeld Betroffene kennen. Mein Eindruck ist, dass viele Wilsdruffer sehr verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen.

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Sie erwähnten das Thema Straßenumbenennungen. Das ist einerseits wegen Namensdopplungen nötig, aber es könnte für manche Bürger sehr emotional werden. Wie wollen Sie das verhindern?

Seit einigen Monaten veröffentlichen Heimtatforscher im Amtsblatt historische Betrachtungen der Straßenzüge. Parallel dazu führen wir Diskussionen mit den Bürgern, den Ortschaftsräten und den Stadträten. Das läuft sehr intensiv. Wir erhalten Vorschläge, die wir allen Betroffenen zur Kenntnis geben. Jeder Ortschaftsrat weiß um die Vorschläge der anderen Orte und kann gut einordnen, wo die Bedenken am größten sind. Bereits jetzt gibt es bei vielen Straßennamen einen breiten Konsens. Wir geben dem Findungsprozess viel Zeit und hatten ursprünglich fünf Jahre hierfür vorgesehen. Erst dann werden wir sehen, ob wir steuern müssen. In diesen Fällen werden wir Kriterien aufstellen, nach denen die doppelt und dreifach vergebenen Straßennamen umbenannt werden sollen. Ich hoffe, dass wir darauf verzichten können und vorher eine große Einigkeit erreichen. Aktuell haben wir so viel Schwung, dass wir die Umbenennungen vielleicht eher abschließen können.

Was lief 2020 nicht so gut?

Den Einbruch in unser Heimatmuseum möchte ich an erster Stelle nennen. Beim Thema Hochwasserschutz für die Anlieger der Wilden Sau mahlen mir die Mühlen viel zu langsam. Hier ist bei den Entscheidungsträgern das letzte Hochwasser offenbar zu sehr in Vergessenheit geraten. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und werden weiter geduldig dranbleiben. Wir brauchen den Hochwasserschutz. Für uns hat der Schutz von Menschen und Sachwerten eine deutlich höhere Bedeutung als der Eingriff in ein Gewässer oder einen Naturraum. Ich hätte mir auch gewünscht, dass der Planfortschritt unserer Ortsumfahrung Wilsdruff weiter vorangeschritten wäre. Die Verkehrssituation, zu der es nach Unfällen auf der Autobahn kommt, ist oft unerträglich. Obwohl das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) intensiv daran gearbeitet hat, hatte ich mir größere Fortschritte erhofft.

Wie wollen Sie das Heimatmuseum besser schützen?

Zum einen sollen vor allem im Bereich der Fenster mechanische Sicherungen Eindringlinge abwehren, zum anderen soll ein Alarmsystem verbaut werden, welches die Sicherung auf elektronischem Wege gewährleistet. Mit dem Anbau der Oberschule ist geplant, die Sicherheitstechnik nochmals anzupassen.

Wie wird es mit der Westumfahrung und der A4-Auffahrt weitergehen?

Im August und September wurden die Pläne für die Ortsumgehung in unserer Stadtverwaltung ausgelegt. In diesem Zusammenhang gab es einigen Schriftverkehr zu Grundstücksangelegenheiten mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Mehrere Eigentümer haben durch ihren Rechtsbeistand Stellungnahmen eingereicht, welche zurzeit im Lasuv bearbeitet werden. Dies betrifft die eigentliche Umgehungsstraße. Und dann wäre da noch der Umbau der A4-Anschlussstelle: Hierzu gab es nach dem Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren am 16. September vertiefte Gespräche mit einem vom Umbau betroffenen Grundstückseigentümer. Am 30. November konnte dazu eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Derzeit werden die Planunterlagen vom Lasuv geändert und im Januar 2021 der Landesdirektion zur Prüfung eingereicht.

Gibt es einfache Lösungen für offene Grundstücksfragen an der Ortsumfahrung?

Das ist schwer einzuschätzen. Ich denke, dass das öffentliche Interesse an der Umfahrung deutlich höher zu bewerten ist als einzelne Grundstücksinteressen. Und diese Position haben wir als Stadt Wilsdruff klar vertreten.

2020 sorgte der Jugendklub für Schlagzeilen. Einige Jugendliche verwüsteten die ehemalige Gaststätte Sachsenperle, die Stadt schloss den Jugendtreff. Gibt es Tatverdächtige und wie geht es mit dem Jugendklub weiter?

Zum Stand der Ermittlung kann nur die Polizei informieren. Die Jugendarbeit in Wilsdruff wird neu geordnet. Der Landkreis hat sich in seiner letzten Sitzung für Pro Jugend als Verantwortliche der Jugendarbeit in Wilsdruff entschieden. Wir haben bei Pro Jugend nachgefragt, wie die Vorstellungen im Detail aussehen. Schülertreff, Schulsozialarbeit, mobile Jugendarbeit und auch die Jugendklubs sind wichtige Themen. Dazu wollen wir uns im Januar treffen.

So könnte der künftige Anbau der Wilsdruffer Oberschule nach seiner Fertigstellung an einem verschneiten Wintertag aussehen.
So könnte der künftige Anbau der Wilsdruffer Oberschule nach seiner Fertigstellung an einem verschneiten Wintertag aussehen. © Architekt Dirk Fellendorf

Die Corona-Pandemie hat vielen Wirtschaftszweigen zugesetzt. Wie spürt das Wilsdruff bei den Gewerbesteuereinnahmen?

Wir rechnen mit über acht Millionen Euro Steuereinnahmen in diesem Jahr. Mit den Erstattungen von Bund und Land für die Steuerausfälle sind wir bei den Einnahmen im Plan. Mit Blick auf die Situation ist das sehr gut. 2021 werden die Auswirkungen erst so richtig zu spüren sein. Daher werden wir vorsichtig planen.

Gibt es Firmen, die sich in Wilsdruff ansiedeln wollen?

Ja, bereits im Dezember ist die Baugenehmigung zur Erweiterung der Firma Fahrrad XXL in Kesselsdorf erteilt worden, Baubeginn ist im Frühjahr 2021. Zudem wird eine ortsansässige Firma in Mohorn eine neue, zusätzliche Niederlassung errichten. Für ein weiteres Grundstück in Mohorn liegt ein Kaufangebot vor. Kommt dieser Kauf zustande, wäre das Gewerbegebiet komplett ausgelastet. Für das Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe haben wir eine Anfrage für den Neubau einer Produktionsstätte auf circa vier Hektar erhalten. Hier bereiten wir aktuell die planerischen Voraussetzungen vor.

Welche größeren Vorhaben will Wilsdruff 2021 anpacken?

Die Frage kommt zu früh. Wir sind noch mitten in der Haushaltsplanaufstellung. Einigkeit besteht im Stadtrat aber schon zur Erweiterung der Oberschule. Hier haben wir schon Vorsorge mit dem Förderantrag getroffen und hoffen auf eine Bewilligung 2021. Ich kann mir auch vorstellen, wieder einen erheblichen Anteil in die Werterhaltung unserer Einrichtungen zu investieren. Wir haben einige Dorfgemeinschaftshäuser, Feuerwehrgerätehäuser, Schulen, Turnhallen, Kindergärten, Spiel- und Sportplätze. Da gibt es immer was zu tun.

Wie lange bleibt der Funkturm noch stehen?

Da will ich nicht spekulieren. Am Ende wird das von den Eigentümern und der Genehmigungsbehörde im Landratsamt entschieden.

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An oberster Stelle wünsche ich mir, dass wir alle gesund bleiben, die Pandemie überwunden wird und wir im Laufe des Jahres schrittweise zur Normalität zurückkehren können. Weniger „ich“ und mehr „wir“ ist für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt ebenso wünschenswert. Und für unsere Stadt und unsere Ortsteile wünsche ich mir, dass es weiterhin gelingt, Historisches zu bewahren und offen für eine gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft sein.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

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