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Warum Wilsdruff nicht gleichmäßig wächst

Die Stadt ist für viele ein attraktiver Wohnort. Seit 1990 sind es rund 5.000 Einwohner mehr geworden. Die Ortsteile haben sich unterschiedlich entwickelt.

Kesselsdorf hat in den letzten Jahren enorm viel Einwohner gewonnen. Seit 1990 hat sich deren Zahl fast verfünffacht.
Kesselsdorf hat in den letzten Jahren enorm viel Einwohner gewonnen. Seit 1990 hat sich deren Zahl fast verfünffacht. © Daniel Schäfer

Der Trend bei den Einwohnerzahlen von Wilsdruff kennt seit Jahren nur eine Richtung: Es geht nach oben. Heute leben in der Stadt und ihren 13 Ortsteilen fast 15.000 Menschen. Im Vergleich zu 1990 wohnen auf dem heutigen Stadtgebiet rund 5.000 Frauen, Männer und Kinder mehr. Die Gründe für das Wachstum gegen den Trend - viele sächsische Kommunen haben in diesem Zeitraum Einwohner verloren - sind vielfältig.

Wilsdruff profitiert zum einen von der Nähe zu Dresden. Die Landeshauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer attraktiven Stadt entwickelt, die vor allen Akademiker und junge Menschen zum Wohnen und Arbeiten anzieht. Gleichzeitig profitiert die Stadt von der Nähe zu den Autobahnen A 4 und A 17. Hier entstanden große Gewerbegebiete, in denen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gibt es in der Stadt derzeit mehr 7.200 Arbeitsplätze.

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Schaut man sich die einzelnen Ortsteile an, verlief die Entwicklung sehr unterschiedlich. Besonders viele Einwohner hat Kesselsdorf gewinnen können. Im Vergleich zu 1990 wohnen hier heute fast fünfmal so viele Einwohner. "Das ist eine außergewöhnliche Entwicklung", sagt auch Bürgermeister Ralf Rother (CDU).

Zurückzuführen ist das auf Entscheidungen in den frühen 1990er-Jahren. Das damals selbstständige Kesselsdorf gehörte zu den ersten Kommunen Sachsens, die sowohl große Gewerbegebiete als auch große Wohnbaugebiete ausgewiesen haben - die auch bebaut wurden. Das habe Sondereffekte gebracht und so zu diesem enormen Wachstum geführt. Aus städtebaulicher Sicht wäre das jetzt nicht mehr zulässig, sagt der Rathauschef.

In den letzten Jahren ist an der Nossener Straße in Wilsdruff ein neues Wohngebiet entstanden. Das trug auch dazu bei, dass die Einwohnerzahl der Kernstadt weiter gewachsen ist.
In den letzten Jahren ist an der Nossener Straße in Wilsdruff ein neues Wohngebiet entstanden. Das trug auch dazu bei, dass die Einwohnerzahl der Kernstadt weiter gewachsen ist. © Daniel Schäfer

Ebenfalls deutlich zugelegt haben die östlichen, nahe Dresden gelegenen Orte Wilsdruff und Grumbach. Hier sind mehrere Wohngebiete entstanden. Auch das kleine Kaufbach hat im Vergleich zu 1990 deutlich mehr Einwohner. Heute sind es fast doppelt so viele wie nach der friedlichen Revolution. In diesem Ortsteil stehen die Häuser von jeher sehr weit auseinander, erklärt der Rathauschef. Deshalb konnten dort Lücken bebaut werden. Einen noch größeren Effekt brachten die Sanierung und der Neubau je eines Wohnhofes. "In beiden sind sehr viele Wohnungen entstanden", so der Bürgermeister.

Siedlungsstruktur spielt wesentliche Rolle

Auch Oberhermsdorf und Kleinopitz haben deutlich Einwohner gewonnen. Hier dürfte nicht nur die Nähe zu Freital und Dresden eine Rolle spielen, sondern auch die Siedlungsstruktur. Zwischen den bestehenden Häusern gab es größere Lücken, die in den letzten Jahren bebaut werden konnten. Hier entstanden nicht nur Ein- sondern auch Mehrfamilienhäuser, erklärt Rother.

In Kaufbach sind zwei größere Höfe zu Wohnhöfen umgebaut worden. Das ist ein Grund, weshalb der Ortsteil deutlich mehr Einwohner als 1990 hat.
In Kaufbach sind zwei größere Höfe zu Wohnhöfen umgebaut worden. Das ist ein Grund, weshalb der Ortsteil deutlich mehr Einwohner als 1990 hat. © Daniel Schäfer

Eine Sonderstellung nehmen Braunsdorf und Limbach ein. Beide Orte haben im Vergleich zu 1990 Einwohner verloren. Dem Ortsbild sieht man das nicht an, sagt Rother. Fast alle Häuser sind bewohnt. Im Vergleich zu anderen Ortsteilen konnten hier kaum neue Häuser errichtet werden, da es vergleichsweise wenige Lücken gab.

Wilsdruff wird weiter wachsen

Im Rathaus geht man davon aus, dass die Stadt weiter wachsen wird. "Die Nachfrage nach Bauland ist höher als das Angebot", sagt Rother. Das führte in den letzten Jahren dazu, dass sich Bauwillige nicht in den östlichen, nah an Dresden liegenden Ortsteilen umgeschaut haben, sondern immer wieder in die westlichen, ländlich geprägten Ortsteile wie zum Beispiel Herzogswalde ausgewichen sind.

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Wie schnell und stark die Stadt wächst, könne man nur zum Teil steuern, sagt Rother. Denn in der Vergangenheit wurde über die Hälfte der Wohnhäuser in "Lücken" errichtet. Wer solche Bauflächen nutzen kann und wer dort tätig wird, entscheidet einzig der Grundstückseigentümer. Das wiederum mache es der Stadt schwer, zu planen, wie groß die Kapazitäten in den Kitas und Schulen später sein müssen. Einfacher sei es bei Wohnbaugebieten, die man als Stadt ausweist - wie zuletzt im Baugebiet zwischen Nossener Straßen und Birkenhainer Weg.

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