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Wilsdruff: So geht es nach dem Brand weiter

Die Scheune und die Garage auf dem Grundstück von Günter Michalik in Kleinopitz werden nicht wieder aufgebaut. Der Sohn hat andere Pläne.

Von Maik Brückner
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Gudrun und Reiner Uhlemann stehen vor der ehemaligen Scheune. Mit Unterstützung vieler Helfer konnten deren Überreste weggeräumt werden.
Gudrun und Reiner Uhlemann stehen vor der ehemaligen Scheune. Mit Unterstützung vieler Helfer konnten deren Überreste weggeräumt werden. © Daniel Schäfer

Von Tag zu Tag bessert sich die Situation. Reiner und Gudrun Uhlemann sind begeistert, welche Hilfsbereitschaft sich nach dem großen Unglück entwickelt hat, das sich am 19. Oktober ereignet hatte. In wenigen Stunden waren die Garage und die Scheune von Gudruns Uhlemanns Vater komplett abgebrannt. Die Rauchwolken waren bis in Dresden zu sehen.

Obwohl der Brand inzwischen einige Wochen zurückliegt, kann es Gudrun Uhlemann immer noch nicht richtig fassen. Es war eine riesige Leistung der Kameraden der Feuerwehren. "Man kann es kaum in Worte fassen, was für ein menschlicher Einsatz stattgefunden hat, um das Wohnhaus unseres Vaters zu retten."

Dafür sind sie und ihre Familie sehr dankbar. Wäre die Feuerwehr etwas später eingetroffen, stünde das Wohnhaus womöglich nicht mehr. Die Holzverkleidung des Obergeschosses stand schon in Flammen. Gudrun Uhlemann zeigt auf die verkohlten Bretter.

Den 19. Oktober 2021 wird die Familie nicht so schnell vergessen. Ein Feuer raubte ihr die Scheune und die Garage.
Den 19. Oktober 2021 wird die Familie nicht so schnell vergessen. Ein Feuer raubte ihr die Scheune und die Garage. © Roland Halkasch

Die in der Scheune eingerichtete Werkstatt, die Maschinen, das zubereitete Anbrennholz und das eingelagerte Heu und Stroh waren nicht mehr zu retten. Der Schaden lag bei 50.000 Euro, schätzt die Familie.

Im Haus wohnt Gudruns Vater Günter Michalik. Er habe das Unglück gut überstanden und verkraftet. Auch dank der Nachbarn, die freundlich und hilfsbereit waren und den "Vater in dieser Situation sofort in ihrer Mitte" aufgenommen haben.

Das habe der Familie sehr geholfen. Trotz seines Alters stand der 86-Jährige später nicht abseits, hat auch mit angepackt. "Er ist selbstständig und sehr fleißig", lobt seine Tochter. Doch sie passt auf: Er habe da draußen nichts zu suchen, sagt sie mit einem Lächeln. Die schwere Arbeit sollen Jüngere erledigen.

Gudrun Uhlemann war an diesem Tag froh, dass sich Nachbarn um ihren Vater Günter Michalik gekümmert haben.
Gudrun Uhlemann war an diesem Tag froh, dass sich Nachbarn um ihren Vater Günter Michalik gekümmert haben. © SZ/Maik Brückner

Und das haben sie auch getan. Wer das Grundstück betritt, ist überrascht. Es sieht schon wieder sehr geordnet aus. Die Familie und ihre Helfer haben viel geschafft. Auch Firmen wie das Humuswerk Otto und der Schrotthändler Kunze aus Freital halfen, indem sie Container zur Verfügung stellten, berichtet Gudrun Uhlemann.

Das in Kleinopitz ansässige Bauunternehmen Drebau stellte Mitarbeiter und Technik bereit, um beim Abriss, dem Abtransport und der Entsorgung zu helfen. Für Firmenchef Mario Böhme war das eine Selbstverständlichkeit. "Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man sein Hab und Gut verliert", sagt er. Deshalb hilft man sich im Dorf. So war es auch, als im Nachbardorf Oberhermsdorf der Ponystall von Siegfried Horn abgebrannt war. Auch dort habe man geholfen, erinnert sich Böhme.

Mitarbeiter Felix Kliemann und Geschäftsführer Mario Böhme (rechts) von der Firma Drebau. Das ortsansässige Unternehmen hilft der Familie beim Beräumen.
Mitarbeiter Felix Kliemann und Geschäftsführer Mario Böhme (rechts) von der Firma Drebau. Das ortsansässige Unternehmen hilft der Familie beim Beräumen. © Daniel Schäfer

Auch Gudrun Uhlemanns Bruder Klaus Michalik, der auf dem Gelände seit 30 Jahren einen Holzhandel betreibt, ist dankbar. "Hier draußen hilft einer dem anderen. Hier im Dorf ist das eine Selbstverständlichkeit", sagt er.

Klaus Michalik steht neben der Holzhackmaschine, die den Brand offenbar ganz gut überstanden hat und mit der er bald wieder arbeiten möchte.
Klaus Michalik steht neben der Holzhackmaschine, die den Brand offenbar ganz gut überstanden hat und mit der er bald wieder arbeiten möchte. © Daniel Schäfer

Ihm waren zunächst die Hände gebunden. Denn er saß zur Zeit des Unglücks und an den ersten Tagen danach in Quarantäne und konnte weder seinem Vater helfen, noch auf dem Firmengelände nach dem Rechten schauen. "Ich war eingesperrt." Als die Quarantäne vorbei war, hat er zunächst die Stromversorgung im Haus in Ordnung gebracht. "Damit das Leben wieder weitergehen kann."

Gleichzeitig begann das Aufräumen. Hier habe sein Sohn kräftig zugepackt. "Wenn er Zeit hatte, hat er von früh bis abends hier gearbeitet", erinnert sich Michalik. In dieser Woche wurden die Abfallberge von der Firma Drebau weggebracht.

Blick auf die Überreste der abgebrannten Scheune und das Wohnhaus. Die linke Seite der Holzverkleidung hatte schon Feuer gefangen.
Blick auf die Überreste der abgebrannten Scheune und das Wohnhaus. Die linke Seite der Holzverkleidung hatte schon Feuer gefangen. © Daniel Schäfer

Erfreulich sei auch, dass in den Tagen nach dem Brand großzügige Spenden eingingen. "Wir hatten mit so einem Mitgefühl nicht gerechnet", sagt Gudrun Uhlemann. Mit dem Geld konnte ihr Bruder neue Arbeitsmittel anschaffen. Der Vater hat einen neuen Rasentraktor bekommen, mit dem er die Wiese in der Weihnachtsbaum-Plantage wie gewohnt pflegen kann.

Klaus Michalik ist froh, dass er sich die mobile Holzsägemaschine zugelegt hat.
Klaus Michalik ist froh, dass er sich die mobile Holzsägemaschine zugelegt hat. © Daniel Schäfer

Klaus Michalik schaut indes schon wieder nach vorn. Der 61-Jährige hat zwei Container gekauft, die er noch im Dezember auf der neuen Freifläche aufstellen wird. Dort soll all das eingelagert werden, was aus den Flammen gerettet werden konnte, aber auch Stroh und Heu zum Füttern der Schafe. Später werde er ein Dach bauen und darüber stellen.

Auch in seiner Firma hat er Veränderungen vorgenommen. Die Produktion von Anbrennholz hat er aufgegeben, weil der letzte große Abnehmer sein Geschäft zum Ende des Jahres einstellen wird. Stattdessen betreibt Klaus Michalik seit diesem Jahr ein kleines Sägewerk für Kundschaft aus der Region.

Denn die Zahl der Sägewerke ist sehr übersichtlich. Daneben bietet Klaus Michalik weiter Brennholz an. Um das herzustellen, benutzt Michalik übrigens eine in den 1950er-Jahren hergestellte Holzhackmaschine. Diese hat den Brand überstanden, muss aber wieder in Schuss gebracht werden.