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Wilsdruff: Künftig weniger Stau und Lärm?

In der Stadtratssitzung wurden mehrere Vorschläge besprochen. Anwohner sehen die Lösung in einem Lkw-Verbot.

Lutz Kühne steht an der engen Kurve am Wilsdruffer Amtshof, wo nur ein Lkw vorbei passt. An dieser Stelle haben einige Fahrzeuge bereits Schäden verursacht.
Lutz Kühne steht an der engen Kurve am Wilsdruffer Amtshof, wo nur ein Lkw vorbei passt. An dieser Stelle haben einige Fahrzeuge bereits Schäden verursacht. © Daniel Schäfer

Lutz Kühne und seine Nachbarn machen schwere Zeiten durch. Fast jeden Tag staut sich der Verkehr vor seinem Haus auf der Nossener Straße in Wilsdruff. Es war schon immer schlimm, aber so schlimm wie jetzt, war es noch nie, sagt er. In der Woche kracht es mehrmals auf der A4. Dann dauert es nicht lange, und die Lkws und Autos fahren dort ab, um über Tanneberg, Limbach und Wilsdruff schneller voranzukommen.

Für Kühne ist der Zustand unhaltbar. Der 61-Jährige zeigt auf die Ecke am Gasthaus Amtshof. Immer wieder fahren hier Lkws über den Bordstein. Auf dem Fußweg habe man Angst, sagt er. Nicht viel besser ist es auf der gegenüberliegenden Seite. Auch dort fahren Lkws auf den Gehweg, um die scharfe Linkskurve besser nehmen zu können.

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Über diesen Bordstein an der Ecke Nossener Straße/Wielandstraße sind schon viele Fahrzeuge gefahren. Die Stadt hat es aufgegeben, jeden Vorfall aufzunehmen.
Über diesen Bordstein an der Ecke Nossener Straße/Wielandstraße sind schon viele Fahrzeuge gefahren. Die Stadt hat es aufgegeben, jeden Vorfall aufzunehmen. © Daniel Schäfer

"Nachts kommen die Lkws aus Richtung Limbach angefahren und sehen erst im letzten Moment, dass die Straße nach links abbiegt. Dann gehen sie auf die Bremsen", sagt Kühn und zeigt auf die zerfahrene Straße. Problematisch wird es, wenn sich am Amtshof zwei Lkws begegnen. "Dann gab es auch schon heftige Wortwechsel von Fahrern", berichtet Kühn. Schlimm sind auch die Abgase und der Lärm, mit denen er und seine Nachbarn leben müssen. Und das oft tags und nachts.

Dieser Zustand sei unhaltbar und habe sich mit der A4-Baustelle an den beiden Autobahnbrücken zwischen Wilsdruff und dem Nossener Dreieck verschärft. "Auch für uns muss es hier lebenswert bleiben", so Kühn.

Letzte Woche hat das Landratsamt reagiert - endlich. Es verordnete der Ortsdurchfahrt in Limbach und der Nossener Straße in Wilsdruff Tempo 30. "Das ist ein Anfang", sagt Kühn. Doch das reicht nicht. Deshalb warb er unter den Nachbarn, zur Stadtratssitzsitzung zu kommen, um weitere Verbesserungen anzumahnen. Und diesem Aufruf folgten knapp 50 Anwohner.

Bürgermeister Ralf Rother (CDU) war darauf vorbereitet. Gut eine Dreiviertelstunde diskutierte er mit den Bürgern Vorschläge, wie die Folgen der Staus abgemildert werden könnten.

1. Schwerlasttransport soll auf der A4 bleiben

Viele Wilsdruffer zeigten Verständnis für die Lkw-Fahrer, die versuchen, über Wilsdruff am Autobahn-Stau vorbeizufahren. Doch das bringe nicht viel, weil sie dann auf der S36 im Stau stecken bleiben. Deshalb fordern Kühne und andere Bürger, dass die S36 zwischen Tanneberg und Wilsdruff für den Transit-Lkw-Verkehr gesperrt werden soll. Das strebt auch Rother an, erklärt er. Bisher wurde das abgelehnt.

Dennoch habe er Hoffnung. Denn er habe Hinweise bekommen, dass das möglich sei. So gebe es Beispiele in Brandenburg, wo parallel zur Autobahn laufende Straßen für den Lkw-Transitverkehr gesperrt seien. Kühne ergänzte, dass er ähnliches in Hessen gesehen habe. Sollte ein generelles Lkw-Verbot nicht möglich sein, dann werde man zumindest ein Nachtfahrverbot anstreben, sagte Rother auf eine Anregung aus der Bürgerschaft hin.

2. Ampelübergänge sollen zum Abbremsen zwingen

Tempo 30 ist gut und schön. Doch wer überwacht es, fragten einige Wilsdruffer. Dafür sind die Polizei und das Landratsamt in Pirna zuständig, so Rother. Der Blitzer in Wilsdruff sei schon umgestellt worden. Rother plädierte dafür, Fußgängerübergänge mit Ampeln zu errichten, die auf Schnellfahrer reagieren. Kommt so einer angefahren, schalten sie auf Rot. In Mohorn habe man damit gute Erfahrungen gemacht.

3. Tempolimits auch in anderen Orten

Vom Landratsamt wurden bisher nur die Ortsdurchfahrt in Limbach und die Nossener Straße in Wilsdruff zu Tempo-30-Strecken gemacht. Es gibt aber auch in anderen Orten Handlungsbedarf, so Rother. Deshalb strebt die Stadt an, dieses auch in Blankenstein und Helbigsdorf zu erwirken.

Wer von der Wielandstraße auf die Nossener Straße abbiegen will, sollte achtsam sein. Entgegenkommende Lkws brauchen hier viel Platz.
Wer von der Wielandstraße auf die Nossener Straße abbiegen will, sollte achtsam sein. Entgegenkommende Lkws brauchen hier viel Platz. © Daniel Schäfer

4. Gemeinsame Aktionen mit Nachbargemeinden geplant

Im Kampf gegen die Staus möchte Wilsdruff mit den Nachbargemeinden im Kreis Meißen zusammenarbeiten. Mit Klipphausen und Reinsberg und der dortigen Bürgerinitiative sind gemeinsame Initiativen geplant. "Dazu laufen derzeit die Vorbereitungen", erklärte Rother.

5. Schülerlotsen sollen Kindern helfen

Ein junger Wilsdruffer beklagte, dass seine Kinder sich bei den Staus nicht trauen, die Straße zu überqueren, und deshalb zu spät zu Schule kommen. Eine Möglichkeit, schnell zu reagieren, wäre, ihnen Schülerlotsen zur Seite zu stellen, sagt Rother. Intern sei das bereits diskutiert worden. Ob sie kommen, ist unklar. In der Bürgerfragestunde wurden Zweifel laut, ob dies das richtige Mittel sei.

6. Appell an die Autobahn GmbH

Die Bauarbeiten an den beiden Autobahnbrücken laufen aus Sicht vieler Wilsdruffer schleppend. Man sehe dort oft nur zwei Bauarbeiter, hieß es. Auch Rother gehen die Arbeiten nicht schnell genug. Er versprach, nochmals Kontakt zu den Verantwortlichen aufzunehmen, um zu erwirken, dass auf der Baustelle rund um die Uhr gearbeitet wird. Ähnliche Vorschläge habe er schon bei einer anderen Baustelle gemacht.

Der Verkehr an der Nossener Straße in Wilsdruff ist die Hölle für die Anwohner. Einigen raubt dieser auch die Nerven, da seit Jahren nichts getan wird, um die Straße zu entlasten.
Der Verkehr an der Nossener Straße in Wilsdruff ist die Hölle für die Anwohner. Einigen raubt dieser auch die Nerven, da seit Jahren nichts getan wird, um die Straße zu entlasten. © Daniel Schäfer

7. Wilsdruff hofft auf Hilfe vom Freistaat

Wilsdruff selbst kann nichts tun, um den Lkw-Verkehr aus dem Stadtgebiet herauszuhalten. Deshalb hat er sich zusammen mit Landrat Michael Geisler (CDU) an Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) und Innenminister Roland Wöller (CDU) gewandt und sie zu einem Besuch eingeladen, so Rother. Beide Minister - der eine für den Straßenbau, der andere für Verkehrskontrollen zuständig - sollen sich die Zustände in Wilsdruff anschauen.

8. Verkehrsbelastung wird ermittelt

Um gegenüber dem Freistaat gute Argumente zu haben, lässt Wilsdruff seit einigen Wochen den Verkehr auf der Nossener Straße zählen, sagt Rother. Anwohner Kühne reicht das nicht. Auch die Feinstaubbelastung sollte gemessen werden. Gerade an der Kreuzung Nossener Straße/Wielandstraße sei diese hoch. Rother versprach, diesen Vorschlag prüfen zu lassen.

Fazit: Zwischen Resignation und Optimismus

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Am Ende der Fragestunde blieben viele skeptisch, ob die Vorschläge, wenn sie denn umgesetzt werden, etwas bringen. Ein älterer Bürger drückte das so aus: "Ich schäme mich dafür, dass wir so machtlos sind." Rother wollte diese Einschätzung nicht teilen. Er appellierte trotz der Differenzen im Stadtrat, in dieser Sache zusammenzustehen. "Jeder sollte mit seinen Möglichkeiten arbeiten." Ähnlich habe man gehandelt, um das Gymnasium bauen zu können. Am Ende sei es gelungen.

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