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Wilsdruffer Tischlerei setzt auf Hightech

Zwischen Handwerk und Digitalisierung – die Meistertischler fertigen Möbel nach Wunsch.

© Kamprath

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Als Logo haben sie sich einen einfachen Stuhl gewählt, Seitenansicht, es könnte auch ein „h“ sein. H wie Holz. Wer jetzt aber eine schummrige Werkstatt erwartet, auf deren Boden sich Hobelspäne kräuseln und wo auf einem Ofen in der Ecke der Holzleim köchelt, dürfte enttäuscht sein. Die Meistertischler an der Umgehungsstraße in Wilsdruff machen auf den ersten Blick den Eindruck eines Start-up-Unternehmens aus dem Silicon Valley. Nico Deutschmann nickt und verzieht den Mund zu einem spitzbübischen Lächeln. „Das haben schon manche gesagt.“

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Denn bei den Meistertischlern sieht man zunächst Computer, Bildschirme, einen Präsentationsraum mit Virtual-Reality-Brille. Setzt man die auf, kann man beispielsweise durch den Innenraum einer Jacht schreiten und sich die Holzbeplankung von Decke und Fußboden ansehen oder die Schiffsbar. Fehlt nur noch die Hafenansicht von Monte Carlo.

Nichtsdestotrotz sind die Meistertischler in allererster Linie Handwerker, aber auf hohem Niveau. Die Wilsdruffer fertigen für Firmen wie Privatkunden Möbel nach Maß oder gestalten ganze Räume und Inneneinrichtungen. Nico Deutschmann führt in die Werkstatt, wo es deutlich nach Holz riecht und auch Sägespäne auf dem Boden liegen. Hier stehen halbfertige Küchenschränke, Wohnzimmerregale, Sideboards, Bücherschränke. Sein Geschäftspartner Mario Schöne arbeitet an einer CNC-Maschine, dem Herzstück der Werkstatt. „Hier erfolgen Fräsung und Bohrung aller Bauteile“, erklärt er.

Schöne und Deutschmann haben in Wilsdruff ein Unternehmen aufgebaut, das gutes altes Handwerk mit hochmoderner Technik und Digitalisierung verbindet. Die Tischlerei der Zukunft sozusagen. Angefangen haben sie als Zwei-Mann-Betrieb, das war 2003. „Da haben wir alles gemacht. Auf Baustellen gearbeitet, Reparaturarbeiten erledigt, was sich so ergab.“ Doch Deutschmann, der seit seiner Jugend ein Computerfreak ist, dachte weiter. Wie wäre es denn, selbst Möbel und Baupläne zu entwerfen?, fragte er sich. Der kleine Betrieb schaffte sich Technik an, akquirierte Kunden, stellte Personal ein, darunter auch Techniker, Innenarchitekten, Designer. Heute arbeiten hier 24 Mann, die Firma hat neben den Handwerkern eine eigene Entwurfsabteilung. Wer bei den Meistertischlern etwas sucht, muss sich das so vorstellen: Zuerst äußert der Kunde seine Wünsche, Vorstellungen und auch sein Budget. Dann wird entworfen und gezeichnet, zunächst per Hand. Dann entstehen im nächsten Schritt am Computer dreidimensionale Darstellungen und Konstruktionszeichnungen. Da ist dann schon jede Schublade, jeder Griff, jedes Bohrloch sichtbar. „Das ist alles äußerst detailliert“, erklärt Deutschmann. Gibt der Kunde sein Okay, werden die Schnittzeichnungen erstellt und die Zuschnittpläne für die einzelnen Bauteile erstellt. Alles laufe per Rechner, das seien riesige Datenmengen, die da gespeichert werden. Denn es geht um komplette Küchen, Wohnzimmereinrichtungen, Regale, Schrankwände, Schreibtische. „Wir fertigen individuell, alles nach den Wünschen der Kunden. Da gleicht kein Möbelstück dem anderen“, sagt Nico Deutschmann.

Erst dann beginnt die eigentliche Tischlerarbeit. Die Maße werden direkt an eine CNC-Maschine gesendet, die in Rekordgeschwindigkeit millimetergenau fräst und bohrt. Handarbeit gibt es dennoch genügend, zum Beispiel bei der Oberflächenbehandlung einzelner Bauteile. Und die Meistertischler verarbeiten nicht nur Vollholz, sondern auch Kunststoffe, Glas, Metall, Furniere. Zum Kundenkreis zählen bei Weitem nicht nur Menschen mit dicken Brieftaschen. „Es kommen ganz viele Leute, die gute Möbel zu schätzen wissen und etwas Individuelles suchen, das von guter Qualität ist“, sagt Mario Schöne. Man habe schon europaweit geliefert und aufgebaut. Derzeit liegen vor allem Aufträge für Privathaushalte aus dem Großraum Dresden vor.

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