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Wilsdruffs größte Baustelle

Der Rohbau für eine Fabrik für Blutwäschefilter steht. Bereits in einem Jahr soll hier die Produktion starten.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

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Wilsdruff. Als die Wilsdruffer im Sommer 2014 ihr Gewerbegebiet an der Hühndorfer Höhe erweiterten, dachten sie erst einmal ganz klein. Eine Stichstraße wurde asphaltiert, Kabel gezogen, Abwasserschächte gesetzt. Man investierte für kleine Betriebe, für Handwerker, für Dienstleistungsunternehmen. Dann kam alles ganz anders: Nun baut hier eine Aktiengesellschaft eines der größten Werke der Region. Der Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen zieht in Wilsdruff die nach eigenen Angaben modernste Produktionsstätte für Blutwäschefilter in Europa hoch. Das Unternehmen investiert dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, der Freistaat Sachsen fördert die Ansiedlung mit sechs Millionen Euro. Am heutigen Freitag wird Richtfest gefeiert.

Solche Blutwäschefilter sollen in Wilsdruff produziert werden.
Solche Blutwäschefilter sollen in Wilsdruff produziert werden. © Andreas Weihs

Und dabei geht es nur um einen ersten Bauabschnitt. Denn zunächst entsteht auf einer Grundfläche von 143 Metern Länge und 62 Metern Breite eine Produktionshalle. Das Gebäude ist so konzipiert, dass es an beiden Längsseiten jederzeit erweiterbar ist – bis auf die vierfache Größe.

Das Fundament ruht auf 297 Bohrpfählen, die bis in zehn Meter Tiefe reichen. „Diese leiten die Last des Bauwerks bis auf die Felsen“, erklärt Peter Wiegers, Projektleiter bei B. Braun. Wiegers hat einen knapp kalkulierten Zeitplan einzuhalten: Baustart war im Februar mit umfangreichen Erdarbeiten.

Jetzt steht der Rohbau. Kaum sind die letzten Betonelemente gesetzt, arbeiten schon die Dachdecker am neuen Gebäude, gleichzeitig starten die Fassadenbauer. Bisher wurden 550 Tonnen Stahl verbaut und 2 500 Kubikmeter Beton vor Ort gegossen. Derzeit arbeiten 70 bis 80 Fachkräfte auf der Baustelle. Deren Zahl wird in den nächsten Wochen auf etwa 150 steigen, wenn die Installation der technischen Gebäudeausrüstung beginnt. „Wir planen damit, im Frühjahr die ersten Produktionsanlagen aufzustellen“, sagt Wiegers. Schließlich soll in einem Jahr die Testphase anlaufen, ab Anfang 2018 die Serienproduktion starten. Bereits jetzt habe B. Braun dafür Mitarbeiter eingestellt. „Wir lernen die Leute in unseren Werken in Radeberg und Berggießhübel an“, sagt Bertram König, Geschäftsführer der sächsischen Tochtergesellschaft von B. Braun.

Der Konzern ist seit 2004 in Sachsen aktiv. Damals übernahm B. Braun die Produktionsstätte in Radeberg und ein Zulieferwerk in Berggießhübel. Dort werden die Hohlfasern hergestellt, die dann in Radeberg in die Filter eingesetzt werden. Sukzessive wurde die Produktion ausgebaut, doch in Radeberg ist man von der Fläche her am Limit. 13 Millionen Dialysatoren werden dort jährlich hergestellt. Wilsdruff soll nun eine Erweiterung sein. Denn die Nachfrage nach Blutwäschefiltern steigt weltweit, weil es immer mehr nierenkranke Menschen gibt. Zudem wird die medizinische Versorgung auch in Schwellen- und Entwicklungsländern immer besser. B. Braun ist so mittlerweile in 64 Staaten mit seinen Produkten vertreten.

Sogar Wasserfälle im Gelände

Die Suche nach einem neuen Standort begann vor etwa zweieinhalb Jahren. Man habe sich dabei auch im nahen Ausland umgeschaut, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben uns für Wilsdruff entschieden, weil hier alles fertig war.“ Bürgermeister Ralf Rother (CDU) bestätigt, dass dies ein großer Vorteil gewesen sein dürfte. „Allein eine Bauleitplanung, also die Voraussetzung für eine Erschließung, dauert normalerweise ein Jahr.“ Seine Stadt habe dahingehend einen großen Vorsprung vor anderen möglichen Standorten gehabt. Und er ist sich sicher: „Diese Ansiedlung wird die Stadt entscheidend prägen.“

B. Braun baut in Wilsdruff nicht irgendeine Fabrik. Vielmehr entsteht ein helles, freundliches Hauptgebäude für Produktion und Verwaltung mit Lichthöfen und viel Grün. Dazu gehört auch, dass der durchs Areal führende Bachlauf angestaut und mit zwei Wasserfällen verbunden wird – als Hingucker für Besucher, als Ruheoase für die Mitarbeiter in Pausenzeiten, aber auch als Ökosystem und Regenauffangbecken. Der See soll zukünftig die Mitte der Produktionsstätte mit Campuscharakter bilden. Jenseits des Gewässers können dann schrittweise kleinere Gebäude gebaut werden. „Dort planen wir, je nach Bedarf beispielsweise Laborräume, Forschungsabteilungen oder Büros unterzubringen“, erläutert Bertram König.

Das ist zwar noch Zukunftsmusik. Die Medizintechniker aber haben bereits die Erweiterung im Hinterkopf, wie Projektleiter Wiegers durchblicken lässt. „Ich rechne fest damit, dass an das Hauptgebäude schon bald angebaut wird.“