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Wilsdruffs Stadtpersonal braucht mehr Platz

An das Verwaltungsgebäude auf der Nossener Straße soll angebaut werden. Dabei wird auch über eine Strom-Tanke nachgedacht.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Eng sei es mittlerweile, ganz eng, sagt der Bürgermeister. „Wir wissen nicht mal mehr, wo wir noch einen Praktikanten unterbringen sollen“, klagt Ralf Rother (CDU). Und der Auszubildende, der seit August in der Wilsdruffer Stadtverwaltung arbeite, werde immer dorthin gesetzt, wo gerade jemand im Urlaub oder krank ist. Denn das Haus an der Nossener Straße ist zu klein geworden. Jeder Schreibtisch ist belegt, weitere Arbeitsplätze lassen sich im Gebäude nicht mehr unterbringen. Nun wollen die Wilsdruffer ihren Verwaltungssitz erweitern.

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Geplant ist, unmittelbar neben dem Rathaus einen Anbau zu errichten. Er soll ein Erdgeschoss und zwei darüberliegende Etagen hoch werden. In der ersten Etage werden ein großer Sitzungssaal und Sanitäranlagen untergebracht, im Stockwerk darüber Büros. Ins Erdgeschoss sollen Bürgerbüro und Wartebereiche einziehen. Der Neubau soll allerdings keine Kopie des Altbaus werden. Denn der Denkmalschutz hat eine deutliche optische Unterscheidung gefordert. Der Anbau soll daher eine moderne aber schlichte Fassadengestaltung erhalten und ein Flachdach bekommen. Die Grundfläche beträgt 136 Quadratmeter.

Zwischen dem Altbau und dem Neubau wird ein verglastes Treppenhaus gesetzt, das beide Teile miteinander verbindet. Hier soll zudem ein Fahrstuhl eingebaut werden – somit wäre auch das historische Gebäude der Stadtverwaltung erstmals komplett barrierefrei zugänglich. Die Bauarbeiten starten voraussichtlich im kommenden Frühjahr. 2019 soll der Anbau bezugsfertig sein.

Die Kosten stehen noch nicht ganz fest. „Die aktuelle Zahl ermitteln wir gerade. Die Fassadengestaltung, welche noch abgestimmt werden muss, wird Auswirkungen auf die Kosten haben. Ebenso wie das Thema Kühlung oder Klimatisierung, notwendige Umbauarbeiten im Altbau und die Datentechnik mit Anschluss an den Altbau“, zählt der Bürgermeister auf. Beheizt werden soll der Neubau über die Heizanlage im Keller des Altbaus.

Ladestation für Elektroautos

Das Haus an der Nossener Straße war nicht immer Sitz der städtischen Verwaltung. 1869 wurde es als Gerichtsgebäude erbaut und blieb bis 1945 Sitz des Amtsgerichtes. Noch heute erinnern einige vergitterte Fenster im Erdgeschoss an diese Funktion, ebenso die „Gerichtsstraße“, die neben dem Haus auf die Nossener Straße mündet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richteten die Russen in dem Gebäude eine Kommandantur ein. 1951 zog die Stadtverwaltung, die bis dato im historischen Rathaus am Wilsdruffer Markt untergebracht war, auf die Nossener Straße um. Im ursprünglichen Rathaus, das inzwischen saniert ist, finden nur noch die Beratungen von Stadtrat und Ausschüssen sowie Trauungen statt.

Der Anbau wird nicht nur Platz für neue Büros bringen. Weil der Bauuntergrund „recht schwierig“ ist, wie die Planer vom Architekturbüro Reinhardt aus Helbigsdorf sagen, muss eine tiefe Gründung angelegt werden. Einmal derart weit im Boden, soll nun auch eine Baugrube für einen Keller ausgehoben werden. Dieser war ursprünglich nicht geplant, um Kosten zu sparen. Im Keller kann dafür die gesamte EDV-Technik der Stadtverwaltung untergebracht werden, auch soll dort ein Mehrzweckraum entstehen. „Dadurch gewinnen wir Platz in anderen Etagen“, sagt Ralf Rother.

Zudem ist die Stadt derzeit mit dem Energieversorger Enso im Gespräch. Überlegt wird, ob auf dem Flachdach des Neubaus Fotovoltaik-Zellen installiert werden. Diese könnten nicht nur Strom ins Netz einleiten, sondern auch eine Ladestation für Elektroautos speisen. Die Stromtanke soll dann der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, mit einem Stellplatz davor für die Ladezeit der Autos.